Gemeinsam zur Vielfalt-Landwirtschaftliche Biodiversitätsberatung am Niederrhein

Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist zu einem zentralen umweltpolitischen, als auch gesellschaftlichen Ziel geworden. Besonders in Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Erzeugung ist ein Artenrückgang festzustellen. Ziel des Projektes „Steigerung der Biodiversitätsmaßnahmen auf landwirtschaftlichen Flächen am Niederrhein“ ist es durch eine Beratung landwirtschaftlicher Betriebe mehr biodiversitätsfördernde Maßnahmen umzusetzen. Hierzu soll ein neuer Ansatz der Zusammenarbeit in der LEADER-Region Leistende Landschaft e.V. (Lei.La.), also den Kommunen Kevelaer, Geldern, Straelen und Nettetal (Nordrhein-Westfalen) etabliert werden. Neben einer verbesserten Vernetzung und Kommunikation aller am Natur- und Artenschutz beteiligten Institutionen soll durch die gezielte einzelbetriebliche Beratung von landwirtschaftlichen Betrieben eine größere strukturelle Vielfalt in der Region entstehen, um so dem negativen Endwicklungstrend vieler Tier- und Pflanzenarten der offenen Feldflur entgegenzuwirken. Ein Berater der Landwirtschaftskammer NRW in Straelen nimmt dazu eine Vermittlerrolle ein, vernetzt Landwirt*innen und die naturschutzfachlichen Ziele. Die Finanzierung erfolgt durch LEADER-Mittel der EU, die Kommunen und den Kreis Kleve und die Landwirtschaftskammer.

Anlass

Insbesondere die Landwirtschaft hat über Jahrhunderte dazu beigetragen die Biodiversität durch Gestaltung und Pflege unserer Kulturlandschaft zu erhalten und zu erhöhen. Doch seit Mitte des letzten Jahrhunderts nimmt die biologische Vielfalt, auch durch eine Intensivierung der Landwirtschaft ab. So sind inzwischen ganze natürliche Ökosysteme in ihrer Existenz und einige früher häufig vorkommende Arten der Agrarlandschaft in ihrem Bestand stark bedroht. Zahlreiche Bemühungen auf unterschiedlichsten Ebenen finden bereits statt und versuchen den beobachteten Trend umzukehren. Neben lokalen Arbeitsgruppen, z.B. in Kommunen oder dem Naturschutz, gibt es auch bundeslandspezifische Förderprogramme für landwirtschaftliche Betriebe. Häufig ist die Akzeptanz in der Praxis jedoch gering, bürokratische Hürden schränken die Bereitschaft vieler Landwirt*innen ein.
Konkret bedeutet das Projekt am Niederrhein, dass auf einer Fläche von 20.000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche die Anzahl und Wirksamkeit der umgesetzten Biodiversitätsmaßnahmen auf den etwa 500 ansässigen Betrieben in der Region erhöht werden sollen. Die Schlüsselrolle liegt hier bei der einzelbetrieblichen Beratung durch die Landwirtschaftskammer NRW, die die Aufgabe hat, beteiligte Institutionen und deren Angebote, unter anderem die Unteren Naturschutzbehörden der Kreise Kleve und Viersen, Wasser- und Bodenverbände sowie Biologische Stationen langfristig zu vernetzen. Den Landwirt*innen werden die Möglichkeiten, sich im Natur- und Artenschutz verstärkt zu engagieren verständlich erklärt. Zielarten sind neben verschiedenen bestäubenden und nicht-bestäubenden Insektenarten auch Feld- und Heckenvögel, seltene Ackerwildkräuter und weitere Wildtiere, wie Feldhasen.

Passende Maßnahmen finden

Der Berater unterstützt die Betriebe bei der Auswahl, Umsetzung und optimierten Gestaltung der Greening-Auflagen, Agrarumwelt-, Vertragsnaturschutzmaßnahmen und weiteren Maßnahmen auf landwirtschaftlichen genutzten Flächen, im Bereich landschaftsgliedernder Strukturelemente und in der unmittelbaren Umgebung der Hofstelle selbst. Landwirt*innen lernen so langfristig die biologische Vielfalt an ihrem Standort noch besser kennen. Dies wiederum kann durch den Berater fachkundig und öffentlichkeitswirksam begleitet werden. Feldschilder an umgesetzten Maßnahmenflächen informieren und sensibilisieren die Öffentlichkeit, Feldbegehungen werben für die Umsetzung bei weiteren Betrieben.
Dabei stellt der Niederrhein eine besondere Herausforderung dar: Die landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betriebe sind hoch spezialisiert und tauschen häufig ihre Flächen untereinander, um z.B. kontinuierlich Gemüse oder Kartoffeln anbauen zu können. Auf mehrere Jahre ausgelegte Programme lassen sich daher oft nur schwer anwenden. Außerdem sind die Viehdichten und Pachtpreise hoch. Auch wenn viele bereit sind, sich für Biodiversität zu engagieren: Die Maßnahmen müssen zu den jeweiligen Betrieben passen und sich auch finanziell rentieren.
Schon bei der Vorbereitung auf den jeweiligen Betrieb wird geprüft, in welchen naturräumlichen Bereichen gewirtschaftet wird. Gibt es etwa Flächen in Vogelschutz-, Landschaftsschutz- oder sogar Naturschutzgebieten, können gezielt Extensivierungsmaßnahmen für diese Flächen vorgeschlagen werden. Gibt es Kartierungsergebnisse von Feldlerche, Kiebitz oder Rebhuhn und Vorkommen, die dem Betrieb bekannt sind, lassen sich spezielle Artenschutzmaßnahmen auf genau den Flächen platzieren und bündeln. Die Effektivität der umgesetzten Maßnahmen steigt enorm, während die landwirtschaftliche Erzeugung auf anderen Schlägen erhalten bleibt. Teilweise legten Betriebe bereits Maßnahmen selbstständig an, hier lässt sich durch eine andere Platzierung, Pflege oder Mischungswahl die naturschutzfachliche Wirkung weiter optimieren.

Minimaler bürokratischer Aufwand

Werden passende Maßnahmen gefunden, begleitet der Berater die Betriebe weiter: Er erstellt eine individuelle Informationsmappe mit den konkreten, einzelflächenspezifischen Maßnahmenplanungen, hilft bei Antragstellungen und der weiteren Umsetzung. Das minimiert den bürokratischen Aufwand und die Fehlerquote für die Betriebe. Je nach Fall vermittelt er Landwirt*innen weiter an die Biologische Station oder die Untere Naturschutzbehörde, deren Zustimmung für einige Maßnahmen erforderlich ist.

Zwischenergebnis

Zwischen September 2018 und dem Ende der Antragsfrist im Juni 2020 wurden bereits auf 93 landwirtschaftlichen Betrieben 164 ha neue Maßnahmen beraten. Insgesamt 83 Betriebe nehmen Flächen aus der intensiven Produktion oder planen es in Folge der Beratung. Umgesetzt werden neben Blüh- und Uferrandstreifen auch Grünlandextensivierungen, Schwarzbrachen und extensiver Getreideanbau. Die zu über 90 % beratenen Agrarumwelt- oder Vertragsnaturschutzprogramme bleiben auch über den 2021 endenden Projektzeitraum hinaus der Region erhalten.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Um die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft zu erhalten und nachhaltig zu fördern muss jetzt gehandelt werden. Zahlreiche Bestrebungen von Landwirt*innen, Kommunen, Biologischen Stationen, Verbänden oder Stiftungen finden oft nebeneinander statt, ohne, dass eigentlich ähnliche Ziele abgestimmt werden. Durch das Projekt werden hier Interessen gebündelt an Betriebe herangetragen. Außerdem können durch die Beratung gezielt Maßnahmenflächen, auch über mehrere Bewirtschafter hinweg, miteinander vernetzt werden. Auf Seiten der Landwirtschaft werden zahlreiche Förder-(Programme) im Rahmen von Agrarumwelt- oder Vertragsnaturschutzförderungen angeboten, aber oft nur mäßig nachgefragt. Durch gezielte administrative und naturschutzfachliche Hilfestellungen für den einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb wird deren Umsetzung beworben. Die anfängliche Auswahl passender Maßnahmen für den einzelnen Betrieb und die Begleitung führen in den meisten Fällen zu einer dauerhaften Identifikation mit dem Thema. Maßnahmenbegehungen sensibilisieren die teilnehmenden Betriebe zusätzlich, sich auch langfristig für die biologische Vielfalt in ihrem direkten Umfeld und auf ihren bewirtschafteten Flächen einzusetzen.

Video:


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Dokumente

RP 20.07.2020: Lerchendomizil am Leitgraben

RP 27.08.2019: Zuflucht und Nahrung für viele Tiere

LandInForm Spezial 08/2019: Natur im Acker - Wie kann das funktionieren?

LZ 48/2018: Biodiversität geht uns alle an

RP 27.11.2018: Projekt für mehr Artenvielfalt in der Landwirtschaft

 

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https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/naturschutz/beratungbiodiversitaet/leila.htm

 

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