Ab ins Beet - Schule nachhaltig gestalten

Seit dem Sommer 2018 legen wir einen Schulgarten auf einer Fläche an, die bis zu diesem Zeitpunkt zum Kugelstoßen und Weitspringen genutzt wurde. Unter dem Projektnamen „Ab ins Beet“ wird dieses Gelände nun stückweise begrünt und entsiegelt. Im Zentrum unserer pädagogischen Arbeit steht der praxisorienteierte Teil, in dem wir u.a. eigenes Gemüse und eigene Kräuter anbauen und verwerten.
Unter dem Aspekt des Urban Gardening möchten wir die Kinder für diese naturnahe und nachhaltige Arbeit begeistern. Wir haben dazu eigens einen Wahlprofilkurs Namens „Praktische Biologie“ ins Leben gerufen: Man arbeitet an der frischen Luft, hört Vögel und riecht die verschiedenen Düfte, die der Garten bietet. Der Garten soll im Rahmen unserer Ganztagsschule außerdem als Treff- und Erholungsort für die Schüler*innen und das Kollegium dienen. Hier soll künstlerisch gearbeitet werden und auch Unterricht stattfinden.

Im Bereich der biologischen Vielfalt haben wir uns bisher auf die Förderung der Wildbienen in unserem Schulumfeld konzentriert.
Wir haben beispielsweise eine Kräuterspirale (z.B. mit Pfefferminze, Melisse und Borretsch) und eine Wildwiese angelegt. Außerdem haben wir bienenfreundliche Gehölze und Pflanzen gepflanzt (Kornelkirsche, diverse Weiden, Johannisbeeren, Himbeeren, Holunder, Wildrosen, Sonnenblumen, Flieder usw.). Wir möchten dabei Lebensräume schaffen und haben daher einen großen Totholzhaufen auf unserem Gelände geschaffen. Im Schuljahr 2019/20 wurde die Arbeit intensiviert: wir haben Frühbeete (mit Krokussen, Traubenhyazinthen, Winterlingen und Schneeglanz) für den kommenden Frühling vorbereitet sowie Christrosen und weitere Weiden gepflanzt und Stockrosen ausgesät. Zeitnah möchten wir weitere Nistplätze (z.B. aus Schilf und Bambus) bauen. Um weitere und gezielte Nahrungsangebote zu schaffen, werden umfangreiche Bestimmungsübungen der einheimischen Wildbienen erfolgen.

Bereits im Januar 2017 haben wir im Rahmen eines Workshops gemeinsam mit Interessierten aus Schüler- und Elternschaft sowie dem Kollegium ein Gestaltungs- und Nutzungskonzept erarbeitet. Unter Leitung einer Landschaftsarchitektin entstand so eine offene Initiativgruppe. Hier können alle mitmachen, die Spaß haben, ihre Ideen und Tatkraft in die Arbeit mit einfließen zu lassen. Bei allen bisherigen Baumaßnahmen sind Schüler*innen aktiv beteiligt. Der Wunsch nach einem Grünen Klassenzimmer und einem Ort der Erholung stammt aus dem Meinungsbild der Schüler*innen.

Wir haben zur Umsetzung des Projekts eigens den Wahlprofilkurs „Praktische Biologie“ im 10. Jahrgang ins Leben gerufen. 22 Schüler*innen haben dieses Schuljahr diesen Kurs belegt. Er wird von zwei Lehrkräften betreut. Zwei weitere Lehrkräfte wirken in unseren Projektwochen mit, in denen wir mit jahrgangsübergreifenden Gruppen an größeren Bauprojekten arbeiten (z.B. Bau der Kräuterspirale, Anlegen der Wiese oder Aufbau eines Gartenhauses).

Der Garten entsteht auf dem vom sonnigen Schulgebäude separierten und ruhig hinter den Gebäuden gelegenen Bereich, der sich ideal für einen Schulgarten eignet. Es soll einen aktiven Raum geben, der im sonnigen Bereich liegt. Hier werden der Werkbereich und der Nutzgartenbereich liegen, deren Mittelpunkt das Gewächshaus bildet. Damit hier diverse Aktivitäten möglich sind, soll das Gewächshaus von einer leicht begehbaren Fläche umgeben sein. Nahe diesem Bereich soll ein Teich liegen. Dieser muss natürlich erst einmal ausgehoben und angelegt werden. Ist er dann erst mit Wasser gefüllt, wird er zum belebten und spannenden Biotop, an dem Lebewesen beobachtet werden können. Nahe dem Teich soll ein Pavillon Rückzugs- und Sitzmöglichkeiten bei schlechtem Wetter bieten. Der Schattengarten soll durch Stauden ergänzt werden. Eine große Tafel soll hier zum zentralen Treffpunkt werden. Hier kann man die Früchte gemeinsam genießen. Zwischen Maulbeerbäumen, die den Weg entlang des Schulgebäudes säumen, laden Hängematten zum Ruhen während der Pause ein. Im sonnigen Bereich wird ein Sitzhügel angelegt. Dieser Hügel wendet sich auf der einen Seite der zentralen Wiese zu und ist durch Sitzstufen amphitheater-ähnlich gestaltet. Diese Stufen ermöglichen gemütliches Sitzen im Gelände und sind der ideale Ort für ein Grünes Klassenzimmer. Vor dem Hügel erstreckt sich die große freie Wiese, die Platz für verschiedenste Nutzungen in der Mitte des Gartens bietet. Der Garten lässt dennoch genug Freiräume um noch geplante Ideen zu verwirklichen.

Das Projekt ist im Wahlpflichtbereich angesiedelt und orientiert sich an den übergreifenden Themen Verbrauchsbildung und Nachhaltige Entwicklung. Ziel ist daher die Reflexion des eigenen Lebensstiles und des eigenen ökologischen Handels. Wir gehen wir mit dem Überfluss in der Konsumwelt um? Wie beeinflusst das mein Verbraucherbewusstsein? Wie werden wir zum reflektierten Verbraucher? Welche Auswirkung hat mein Konsum auf die biologische Vielfalt (Stichworte: Pestizideinsatz, Monokulturen, Insektensterben)?

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Wir sind eine gebundene Ganztagsschule in Charlottenburg-Nord. Unser Ziel ist es einen Garten als Schulgemeinschaftsprojekt zu gestalten. Wir wollen hier nicht nur Beete für Blumen und Gemüse anlegen, sondern auch Raum für andere Ideen bieten: hier soll gegärtnert, gelernt, gewerkt und geruht werden. Für alle, die den Garten nutzen, soll etwas dabei sein.

Im Wahlprofilkurs steht daher die Verbindung aus Theorie und Praxis im Mittelpunkt. Die SuS lernen, warum bienenfreundliches Gärtnern nötig ist und was es ausmacht: Woran erkannt man bienenfreundliche Pflanzen und welche weiteren Aspekte zum naturnahen Gärtnern (z.B. Anlegen von Wasserstellen, Sandflächen) gehören dazu? Sie bestimmen die Wildbienenarten und planen so ihre Beete und Blühstreifen, die sie dann im Schulgarten auch verwirklichen können.

Ausgangspunkt ist der Vergleich von Honig- und Wildbienen: Welche Gefährdung besteht? Welche Gefährdung besteht in Berlin/Brandenburg? Inwiefern sind wir von globalem Phänomen (z.B. menschliche Bestäuber in Regionen Chinas) bedroht? Der wertschätzende Blick in den prallgefüllten Supermarkt und die Reflexion der eigenen Verantwortung nehmen eine große Rolle ein. Interessenkonflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz werden an aktuellen Themen aufgegriffen (z.B. Glyphosat, Traktor-Demonstrationen in Berlin). Wie kann trotz der verschiedenen Interessen und Förderung der Wildbienen erfolgen? Welche gesellschaftliche Verantwortung ergibt sich daraus?


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Schulgarten des Gottfried-Keller-Gymnasiums

Olbersstr. 38
10589 Berlin

Öffnungszeiten: nach Vereinbarung

Herr Alexander Thiele
schulgarten@gks-berlin.de
https://www.gks-berlin.de/ab-ins-beet/aktuelles

 

Weitere Infos

Gottfried-Keller-Gymnasium
Berlin

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