Erweiterung des "Rosengartens"

Das Naturschutzgebiet (NSG) Kalksteinbrüche Rosengarten gehört zu den besonders artenreichen Schutzgebieten im Landkreis Alzey-Worms. Durch Flächenankauf einer angrenzenden Ackerfläche (ca. 3 ha) wird das Naturschutzgebiet nach Nordosten erweitert und damit der Biotopverbund zum Vogelschutzgebiet „Höllenbrand“ gestärkt. Die Fläche wird in den nächsten 4 Jahren von einer Intensivackerfläche in Dauergrünland umgewandelt. Dabei wird der oberflächennah anstehende Kalkstein freigestellt. Dies soll dazu führen, dass sich geschützte Arten aus dem NSG Rosengarten auf der Fläche etablieren. Die Entwicklung des Gebietes soll über eine anschließende 11-jährige Pflege so weit vorangetrieben werden, dass es nach Ablauf des Projektes in das bestehende Naturschutzgebiet eingegliedert werden kann.

Seit 1978 pflegt der BUND Wonnegau das etwa 11 Hektar große Naturschutzgebiet "Kalksteinbrüche Rosengarten" bei Gundersheim in Rheinhessen. Mit jährlichen Pflegemaßnahmen werden die Lebensbedingungen für die vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten sichergestellt. Die Pflegemaßnahmen dienen insbesondere dem Schutz der Kalkmagerrasen und Trockengebüsche mit ihrer typischen Flora und Fauna.
Um diese besondere biologische Artenvielfalt zu erhalten hat der Landkreis über die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz mit Mitteln aus Ersatzzahlungen etwa drei Hektar angrenzende Ackerflächen erworben. Diese sollen in den nächsten 15 Jahren ökologisch aufgewertet und zu artenreichem Grünland für den Natur- und Artenschutz entwickelt werden. Die BUND Kreisgruppe Wonnegau hat dieses Projekt initiiert, geplant und vorbereitet und übernimmt für die Untere Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung Alzey-Worms die Aufwertung und Pflege der Fläche in den nächsten 15 Jahren. Dabei werden von der BUND Kreisgruppe nicht nur naturschutzfachliche, sondern auch soziale Aspekte berücksichtigt.
Anfang August 2019 lud der BUND Wonnegau zum Start der Renaturierungen zu einem besonderen Pflegetermin ein. 34 Menschen waren der öffentlichen Einladung gefolgt und halfen bei der Begrünungsaktion mit. Darunter waren auch Menschen aus der Werkstätte der ZOAR Diakonie sowie Familien mit Kindern. Die Erweiterungsfläche wurde mit Heu der Sommermahd aus dem NSG Rosengarten versorgt. Bei diesem Heu spricht man von gebietsheimischem, standortgerechten Material. Es enthält Samen, Pilzsporen und Kleinstlebewesen des Biotops, aus dem es stammt. Von diesem Heu wurden insgesamt fünf Wagenladungen auf einem Teilbereich mit Heugabeln, Rechen oder mit der Hand verteilt.
Im Oktober 2019 ging es an anderen Stellen weiter mit Bodenarbeiten. Drei Hektar nährstoffreicher Ackerboden wurde mit einer Raupe abgeschoben, um natürliche Felskuppen und nährstoffärmere Schichten unter der Erdoberfläche freizustellen. Ein Luftbild aus einem trockenen Jahr gab Aufschluss darüber, dass an manchen Stellen der natürliche Fels nahezu direkt unter der Erdoberfläche ansteht. Auf diesem sogenannten Felsgruß existieren natürlicherweise ganz besondere Pflanzengesellschaften, die Felsgrußgesellschaften. Diese zum Teil eher selten gewordenen Pflanzen haben sich über sehr lange Zeit an diese besonderen Standortbedingungen angepasst. Sie bilden oftmals tiefe Wurzeln und können trotz extremer Hitze und Trockenheit gut überleben. Einige der felsigen Bereiche mit entsprechender Vegetation wurden im NSG Rosengarten in akribischer Handarbeit gemäht, mit dem Rechen abgesammelt und direkt auf die bereits abgeschobenen Bereiche der neuen Erweiterungsfläche gefahren und verteilt.
Nach einem niederschlagsreichen und milden Winter schauten sich die BUND-Aktiven und Fachleute im Frühjahr 2020 an, wie sich die Erweiterungfläche entwickelt hat. Der erste Eindruck war umwerfend. Tatsächlich sind auf den abgeschobenen Bereichen erste Pflanzen am Kommen, die man sich erhofft hatte. Spezialisten wie die Felsen-Fetthenne, die der Fetthennenbläuling besonders mag. Des Weiteren als Besonderheit erste Festucca-Pflanzen (Festucca duvalii oder Festucca valesiaca). Auch auf den nicht abgeschobenen Bereichen sieht man schon auf der ganzen Fläche verteilt Pflanzen, die durch die Heuübertragung ausgebracht wurden. Besonders schön und zahlreich wurde der Zottige Klappertopf und das Kelch-Steinkraut gesichtet. Weitere Pflanzen: Kartäusernelken, Wachtelweizen, Färberkamille, Marienrauke, Klatschmohn, seltene Ackerwildkräuter wie zum Beispiel roter und blauer Ackergauchheil, Dürrwurz, Wiesenmargheriten, Kleinfrüchtiger Leindotter, Echtes Labkraut, Weißes Labkraut, Mieren- und Sandkräuter, Resede, Leinkraut, verschiedene Distelarten. Auch an Tieren gab es Einiges zu entdecken: Eidechsen, kleine Schmetterlinge, erste Bläulinge. Den Erfolg konnte man buchstäblich hören: mit einem gigantischen Grillenkonzert.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch die Erweiterung dieses ganz besonders artenreichen Naturschutzgebietes um drei Hektar Blühfläche soll die ökologische Wertigkeit verbessert werden und somit die Bedeutung als Trittsteinbiotop innerhalb eines bedeutenden Vogelzugkorridors verstärkt werden. Mit dem "Begrünungsprojekt Höllenbrand" im Vogelschutzgebiet und dem Projekt "Ausbau Biotopvernetzung" unter Einbeziehung sozialer Aspekte möchte die Kreisgruppe einen besonderen Beitrag zur biologischen Vielfalt und zu einem sozialen Umgang miteinander leisten.


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NSG Kalksteinbrüche Rosengarten

Am Römer 5
67598 Gundersheim

Öffnungszeiten: nach Vereinbarung

Herr Daniel Steffen
Tel.:017631650762
daniel.steffen@bund-rlp.de
https://wonnegau.bund-rlp.de/

 

Weitere Infos

Kreisverwaltung Alzey Worms / Untere Naturschutzbehörde
Gundersheim

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