Mit Wasserbüffeln und Exmoorponys zu neuer biologischer Vielfalt

Das Seelsche Bruch, eine etwa 250 ha große feuchte Senke mit Frisch- und Feuchtwiesen, Schilfröhrichten, Gräben und wasserführenden Mulden sowie Feuchtwäldern in der agrarisch geprägten Magdeburger Börde, wurde bislang ausschließlich durch Wiesen-Mahd bewirtschaftet. Hohe Wasserstände und teils längere Überstauung von Flächen verhinderten oder verzögerten die Mahd und führten zu einer Ausbreitung konkurrenzstarker Arten wie Schilf und Rohrglanzgras. Gleichzeitig konnten sich die Zielarten wie z.B. Wiesen-Alant und Wiesen-Schaumkraut sowie einige Vogelarten nicht ausreichend etablieren.
In enger Zusammenarbeit mit allen Partnern wurde in einem mehrjährigen Prozess eine etwa 80 ha große Weidefläche für Wasserbüffel und Exmoorponys eingerichtet und weitgehend selbständig durch die Agrargenossenschaft Emden finanziert.
Ziel der Maßnahme ist die Rückdrängung der genannten konkurrenzstarken Arten, um damit einen Beitrag zur Erhöhung
der biologischen Vielfalt zu leisten.
Gleichzeitig wird das Seelsche Bruch durch das Nebeneinander verschiedener Bewirtschaftungsformen (Beweidung, Mahd, Belassen von Schilfgürteln, naturnahe Feuchtwälder) zum biologischen Hotspot in der intensiv genutzten Agrarlandschaft der Magdeburger Börde.

Das im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt inmitten einer intensiv genutzten Acker- und Weidelandschaft gelegene Seelsche Bruch wurde beginnend ab 1720 schrittweise entwässert und für eine Wiesennutzung eingerichtet.
Erst ab 2006 wurde im Zusammenhang mit Verkehrs-Infrastrukturmaßnahmen an der A2 der Entschluss gefasst, den Wasserhaushalt im Seelschen Bruch zu renaturieren. Ziel der Maßnahmen war die Wiedervernässung des Bruches durch ein System von einstellbaren Stauanlagen. Dadurch sollte sich eine artenreiche Flora und Fauna im Gebiet wieder einstellen und diese ausschließlich durch Wiesenmahd erhalten und verbessert werden. Durch zu hohe Wasserstände, die teilweise die Mahd verzögerten, verteuerten oder auch verhinderten, kam es zu einer fortschreitenden Verschilfung im Gebiet. Diese stand den naturschutzfachlichen Zielen konträr gegenüber und erforderte neue Lösungen.
In enger Zusammenarbeit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Börde mit dem Bundesforstbetrieb Mittelelbe als zukünftigem Eigentümer der Fläche wurde beginnend ab 2016 ein System fester Kontrollflächen für jährliche Vegetationsaufnahmen etabliert. Die Vegetationsaufnahmen durch den Funktionsbereich Naturschutz des Bundesforstbetriebes Mittelelbe belegten auch quantitativ, dass sich konkurrenzstarke Arten wie Schilf, Rohrglanzgras und Ufer-Segge in Ausbreitung befinden.
Um diesem negativen Trend im Hinblick auf den Artenreichtum entgegenzuwirken, wurde die Idee einer Beweidung von Feuchtwiesen mit Wasserbüffeln und einigen Exmoorponys auf einer Ganzjahresstandweide entwickelt. Durch das Nebeneinander von Weideflächen und Mahdwiesen, von Gewässern mit und ohne Schilfgürtel sowie von weitgehend ungenutzten Feuchtwäldern wird die biologische Vielfalt im Seelschen Bruch aktiv erhöht.
Die Beweidung erfolgt auf Grund des sehr wüchsigen Standortes mit 0,5 GVE/ ha, also rund 40 Tieren auf der 80 ha großen Weide.
Als Weidetiere werden vorwiegend Wasserbüffel eingesetzt. Zur Zeit sind 27 Büffel inklusive der Jungtiere auf der Weide. Hinzu kommen 5 Exmoorponys, die ebenfalls ganzjährig auf der Weide verbleiben. Da die Büffelherde sich noch im Aufbau befindet, sind derzeit noch einige Stück Fleckvieh mit auf der Koppel. Mit dem Aufbau der Büffelherde werden diese aber sukzessiv wieder entnommen.
Wegen der Nähe zur Autobahn A2 war die Anlage einer sicheren Zäunung eine Hauptforderung an das Projekt. Unser Projektpartner, der Landesstraßenbaubetrieb Sachsen-Anhalt hat einen großen Anteil daran, dass diese Forderung umgesetzt werden konnte. Der Pächter der Fläche, die Agrargenossenschaft Emden, konnte die Zaunkosten neben den Anschaffungskosten (über 100.000 €) für Tiere und Weideeinrichtung(Fangstand, Unterstände für die Tiere) nicht mehr selbst übernehmen.Deshalb wurde nach einer anderen Finanzierungslösung für die Zäunung gesucht und diese auch gefunden. Durch die Beweidung können Pflegemaßnahmen wie Schilfmahd und -entsorgung an Gewässern und Gräben entfallen. Durch eine Bilanzierung dieser Einsparungen wurden Gelder freigesetzt, die zur Finanzierung des Zaunes eingesetzt werden konnten. Der Gewässerunterhaltungsverband Aller unterstützte dabei konstruktiv das Projekt.

Am 11.11.2019 wurde das Projekt im Beisein der Projektbeteiligten und der Presse feierlich eingeweiht. Der eigens für das Projekt von der Agrargenossenschaft Emden gegründete Nebenerwerbsbetrieb "Weidelandwirtschaft Seelsches Bruch" ist Eigentümer der Viehherde und Unterpächter der Flächen und arbeitet nach den Regeln der ökologischen Landwirtschaft.
Im Rahmen eines Leader-Förderprogramms und mit Unterstützung durch den Landkreis Börde soll die Weide um einen kleinen Aussichtsturm ergänzt werden,der voraussichtlich 2021 realisiert wird. Damit soll das Projekt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar gemacht werden. Zusätzlich werden dort Info-Tafeln aufgestellt, die Wissenswertes zum Seelschen Bruch und zum Beweidungsprojekt vermitteln. Bereits jetzt laden einige Bänke, die Sponsoren bereitgestellt haben, zum Verweilen ein.


Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch Vegetationsanalysen wurde belegt, dass die Mahd der Feuchtwiesen im Seelschen Bruch nicht ausreicht, um die angestrebte Artenvielfalt von Flora und Fauna zu erreichen. Durch das Beweidungsprojekt sollen die Samen der nur noch gering vorkommenden Zielarten effektiver verbreitet werden und im Viehtritt und in Wälzstellen bessere Keimbedingungen finden. Außerdem soll der Dung auf der Fläche für eine Besiedelung mit diversen, daran gebundenen Insektenarten dienen. Im Projektverlauf wird die Vegetationsentwicklung auch weiterhin durch den Bundesforstbetrieb auf freiwilliger Basis dokumentiert.
Derzeit arbeitet die UNB des Bördekreises und der Bundesforstbetrieb Mittelelbe daran, ein Libellen-Monitoring auf der Fläche zu etablieren.
Zusätzlich wird auf ehrenamtlicher Basis die Avifauna im Gebiet erfasst, die mit bisher etwa 200 nachgewiesenen Arten einschließlich der Durchzügler sehr vielfältig ist. Durch die Beweidung werden unter anderem bodenbrütende Arten wie Kiebitz und Feldlerche gefördert.


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Besuchen Sie uns

Seelsches Bruch

Altenhäuser Straße 28
39343 Emden

Öffnungszeiten: nach Vereinbarung

Herr Michael Daul
Tel.:0171/7442871
agrargen.emden-eg@t-online.de

 

Weitere Infos

Agrargenossenschaft Emden, Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Börde, Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt, Unterhaltungsverband Aller, Bundesforstbetrieb Mittelelbe
Emden

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