Insect Respect – weil jede Fliege zählt.

Immer mehr Flächen gehen für unsere Tier- und Pflanzenwelt durch die Versiegelung von Siedlungsgebieten verloren. Und obwohl Insekten einen so enormen Wert für uns haben, gibt es dafür in der Gesellschaft kaum Bewusstsein: In unseren Haushalten werden Biozide oft unreflektiert und übermäßig eingesetzt. Insect Respect hat es sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern und diese beiden Probleme (mangelnde Flächen & Bewusstsein) mit ganzheitlichen, wirtschaftlich tragfähigen Lösungen anzugehen. Das Ziel: Insektenbekämpfung vermeiden, reduzieren, ökologisieren und wo nötig kompensieren. Dazu gehört zum einen die gesellschaftliche Bewusstseinsbildung für den Wert und Rückgang von Insekten durch zahlreiche Sensibilisierungsmaßnahmen, etwa das seit 2017 fünfmal durchgeführte Tagungsformat „Tag der Insekten“. Zum anderen werden für die Insektenbekämpfung nachhaltigere Alternativen entwickelt: Präventionsmaßnahmen, insektizidfreie Produkte, „Rettungsprodukte“ (Back To Life) sowie kompensierte Produkte durch die Dienstleistung „Ausgleichsflächen“: Auf Basis eines wissenschaftlichen Modells werden die Insektenverluste, die durch Biozidanwendung im Innenraum entstehen, berechnet und als Kompensation insektenfreundliche Lebensräume auf Siedlungsdächern angelegt.

Die biologische Vielfalt ist bedroht und die Gesellschaft fordert nachhaltige Angebote. Doch Menschen haben ein ambivalentes Verhältnis zu Insekten: Sie sehen sie als schädlich und nützlich. Für den Umgang mit Insekten scheint ein unüberwindbares Problem zu bestehen: Wie kann man sich vor Insekten schützen und sich gleichzeitig für Insekten einsetzen? Die Tiere leisten wertvolle Ökosystemdienstleistungen. Ohne die Bestäubung von früchtetragenden Pflanzen durch Fluginsekten würden 60% der Supermarktregale leer stehen, die Bodenqualität würde drastisch abnehmen und selbst der Textil- und Chemieindustrie würden wertvolle Rohstoffe zur Produktion fehlen.

Modell & Umsetzung
Mit Insect Respect hat der Biozid-Hersteller Reckhaus das weltweit erste Gütesiegel für einen neuen Umgang mit Insekten entwickelt. Zunächst ging es um die Kompensation von Insektenverlusten durch die Anwendung von Bioziden: Mit Biologen wurde ein einzigartiges wissenschaftliches Modell erarbeitet, das die ökologischen Auswirkungen von Bioziden messen und bewerten kann, sowie konkrete Maßnahmen beschreibt, wie diese Schäden mit Grünflächen kompensiert werden können. Es wurde eine allgemein gültige Berechnungsformel für die Größe der Ausgleichsfläche abgeleitet, die Umsetzungszeitpunkte, vorhandene Biodiversität anhand von Tiergruppen, naturschützerischen Wert, Entwicklungsstand sowie die vorhandenen Strukturen einer Fläche miteinbezieht und in das Verhältnis zum Eingriff setzt. Dieser Eingriff wird anhand der Biomasse an Insekten und Arthropoden in mg/m2 vor und nach der Biozid-Anwendung bewertet.
Die erste Insect Respect Ausgleichsfläche entstand in Bielefeld als extensive Begrünung eines Flachdachs im Industriegebiet. Die Biotopflächen locken mit einheimischen Pflanzen und Stein- und Holzhügeln auch seltene Insekten an. Die insektenfreundlichen Lebensräume fördern die Biodiversität und die Lebensqualität des Menschen.

Kooperation
Insect Respect wäre ohne die aktive Einbindung externer Partner nicht möglich. Dafür bestehen Kooperationen u.a. mit Biologen (kontrollieren und dokumentieren die Entwicklung der Kompensationsflächen), Universitäten (Vorträge, Abschlussarbeiten), Naturkundemuseen (gemeinsame Veranstaltungen) Umweltorganisationen (z.B. BirdLife Schweiz und Global Nature Fund für die Durchführung des Tag der Insekten), Verbänden (Wissensaustausch, z.B. B.A.U.M. e.V.), Stiftungen (z.B. Biovision Stiftung des alternativen Nobelpreisträgers und Insektenforschers Hans Herren; Bertelsmann Stiftung; Rightlivelihood Organisation). Die Stiftung ESPRIX würdigte Insect Respect als „sustainable excellence“.

Lobby für Insekten: Austausch zu biologischer Vielfalt
Seit 2017 bringt Insect Respect mit Kooperationspartnern beim „Tag der Insekten“ Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Umweltorganisationen, Bildung, Medien und Zivilgesellschaft zusammen, um Lösungen gegen das Insektensterben zu diskutieren und gemeinsam Projekte zu entwickeln. Das inter- und transdisziplinäre Tagungsformat wurde bereits fünfmal durchgeführt und erfreut sich einer stetig wachsenden Teilnehmerzahl, zuletzt kamen je 300 Personen nach Berlin und Aarau (CH). Die „Lobby für Insekten“ möchte der biologischen Vielfalt eine Stimme geben, u.a. mit hochkarätigen RednerInnen wie Prof. Klaus Töpfer, Dr. Hans Herren, Rita Schwarzelühr-Sutter, Jane Goodall, Dr. Bertrand Piccard und Prof. Josef Settele.

Multiplikation
Die im Rahmen von Insect Respect angestoßenen Maßnahmen fördern ein Bewusstsein für Natur und Artenvielfalt bei Konsumenten, Handel und anderen Biozid-Herstellern. Dazu gehören:
- Wissenschaftliches Modell zur Kompensation von Bioziden (patentiert, www.insect-respect.org/modell/ausgleich.html)
- Schaffung des Gütesiegels „Insect Respect“
- Sensibilisierung der Öffentlichkeit mit Videos wie dem preisgekrönten Animationsfilm (www.insect-respect.org/respekt/wert-der-insekten.html)
- Aufklärung mit mehr als 800 Insekten-Faktenblättern (www.insect-respect.org/projekte/insektenfakten.html)
- Kostenfreie Insektenbestimmung (www.insect-respect.org/projekte/insektenbestimmung.html)
- Verpflichtung zur transparenten Kompensation vor Auslieferung der Produkte
- Schaffung der ersten Marke für bekämpfungsneutrale Biozid-Produkte: „Dr. Reckhaus“
- Insektenrettungsaktion mit Bewusstseinsbildung in einem Dorf bei Bielefeld (www.fliegenretten.de)
- Anlage der ersten Insektenausgleichsflächen der Welt
- Investitionen in Forschung, z.B.: Insektenschlag im Verkehr; Monitoring der Biodiversität auf Insect Respect Ausgleichsflächen

Mittel- und langfristig bewirkt dieser Bewusstseinswandel eine dauerhafte Umweltentlastung. Auch verändert das Biodiversitäts-Konzept das gesamte Geschäftsmodell der Firma Reckhaus – von Insekten tötenden Produkten hin zu ökologischen Dienstleistungen. Und die Vision geht noch weiter: Langfristig soll Insect Respect zur Transformation der gesamten Biozid-Branche beitragen. Weil Insekten als wichtige Akteure im Ökosystem den Respekt der Menschheit

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Insektenschutz bedeutet Schutz der gesamten Biodiversität des Planeten. Insekten sorgen durch Bestäubung für die Vermehrung von Pflanzen: bis zu 75% der Kultur- und bis zu 90% aller Wildpflanzen sind auf Insekten angewiesen. Die Fauna bietet wiederum Lebensraum und Nahrung für andere Tiere. Mit Insekten am unteren Ende der Nahrungskette sind Vögel, Süßwasserfische, Reptilien, Amphibien, viele Säugetiere und damit das gesamte Ökosystem vom Zustand ihrer Population abhängig. Insect Respect verfolgt das Ziel, Insekten zu fördern und ihre Bekämpfung zu reduzieren und so zum Schutz der biologischen Vielfalt beizutragen. Zur Mission gehört neben der Bewusstseinsbildung, konkret auch insektenfreundliche Lebensräume anzulegen. Dies geschieht durch die ökologische Reaktivierung und Aufwertung artenarmer Biotope auf Ebenen und Dächern. Akteure aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und öffentlicher Sektor können diese Dienstleistung in Anspruch nehmen. Um Fortschritte oder Negativtrends zu erkennen ist ein umfassendes Insektenmonitoring notwendig. Insect Respect betreibt in Kooperation mit Wissenschaftlern Forschungsarbeiten auf den eigens angelegten Ausgleichsflächen. So bestimmten Entomologen 2016 die abgefangenen Tiere auf den Flächen in Bielefeld und Gais. Dabei interessierte in erster Linie, welche Arten nach den jeweiligen Erstellungsjahren die Dächer besiedeln. Es wurden dabei auch Rote Liste Arten entdeckt.



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