Sonderwettbewerb Soziale Natur

CARLs Garten – Zechengarten reloaded

Zechen und Gärten gehörten eigentlich immer irgendwie zusammen. Mit Beginn des Kohleabbaus und der Industrialisierung hatten die Gärten in den Siedlungen eine wichtige Aufgabe: Pragmatisch, funktional angelegt und genutzt, waren sie Jahrzehnte eine feste Größe bei der Lebensmittelversorgung der Bergmannsfamilien. „Der Schwatz über den Gartenzaun“ trug dabei sicherlich auch zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.
CARLs Garten ist eine Reminiszenz an diese Tradition. Er gibt den Menschen wieder die Gelegenheit, sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen. Oder ein reines Schmuckbeet anzulegen. Eben die Natur nach ihren eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen zu gestalten.
Heute hat der Garten aber deutlich mehr eine soziale Aufgabe. Als generationen- und nationalitätenübergreifendes Angebot an Nachbarn aus der Stadtteil ist er Ort der Begegnung und des gemeinsamen Tuns, des gelebten Miteinanders. Die Gärtner*innen übernehmen Verantwortung und setzen sich mit aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit und Ökologie auseinander. Zugleich sind sie aktiv in verschiedenen Netzwerken engagiert.
Darüber hinaus gibt es eine Anbindung an das soziokulturelle Zentrum Zeche Carl, das mit seinem niederschwelligen Kulturangebot im Stadtteil wichtige Aufgaben wahrnimmt. So laden die Gärtner*innen zu verschiedenen Veranstaltungen des Zentrums die Besucher*innen in den Garten ein. Sie informieren und bieten Mitmachaktionen an und machen so CARLs Garten für jeden in seiner Vielfalt erlebbar.

Als die Stadt Essen zum Jahr der Grünen Hauptstadt Europas 2017 verschiedene Institutionen der Stadt nach Projektideen fragte, lag für das soziokulturelle Zentrum Zeche Carl (Träger ist die Auf Carl gGmbH) der Gedanke der Errichtung eines Gemeinschaftsgartens auf dem Gelände nahe. Die Gründe dazu sind vielfältig. Zum einen steht die Idee des Gartens in engen Zusammenhang mit der industriellen Geschichte der Zeche Carl. Auf die Bedeutung der Zechen für den industriellen und wirtschaftlichen Aufschwung ab 1860, die Entwicklung der Städte und der Stadtgesellschaften sei hier hingewiesen, aber nicht näher ausgeführt. Für die Bergleute war „ihre“ Zeche der Lebensmittelpunkt und wirkte tief in das Leben der Familien ein. Der eigene Garten war in den Bergmannssiedlungen nicht Naherholungsort sondern wirtschaftliches Gut: Denn hier erwirtschafteten sie eigenständig und –verantwortlich einen wesentlichen Teil ihres Lebensbedarfs.
Heute hat ein Gemeinschaftsgarten auf einem ehemaligen Zechengelände sicherlich eine andere Bedeutung. Die Zeche Carl wird seit den 1970er Jahren nicht mehr zu industriellen Zwecken genutzt. Ein Großteil der ehemaligen Gebäude und Anlagen existiert nicht mehr. Die Bodenqualität ist stark beeinträchtigt und doch hat sich die Natur über die Jahre das brachliegende Gelände zurückerobert. Mit wenigen bis gar keinen Eingriffen (außer Wegeführung, Rodung oder Pflege weniger Geländeteile aufgrund der Nutzung der noch bestehenden Gebäude) in diese Industrielandschaft hat sich über die Jahre wieder eine biologische Vielfalt entwickelt, die das gesamte Gelände zu einer grünen Oase im Stadtteil hat werden lassen.
Die ökologische Idee des Gemeinschaftsgartens liegt vor allen Dingen darin begründet, auf dem Gesamtgelände einen - verhältnismäßig kleinen – Ort zu schaffen, an dem diese biologische Vielfalt erweitert werden kann – dies gilt sowohl für Tiere wie Pflanzen. Klar war, dass wir dafür andere Gartenformen finden mussten, da die Bodenqualität eine Nutzung für den Anbau von Obst und Gemüse unmöglich machte. So entstand die Idee von Hochbeeten, die eine flexible Nutzung zulassen. Und so ist letztendlich ein Stück gestaltete Natur auf einem viel größeren, ungestalteten Stück Landschaft entstanden.
Als soziokulturelles Zentrum in einem Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf ist die Idee des Gemeinschaftsgartens aber noch viel mehr. Wir wollten mit CARLs Garten einen Ort schaffen, an dem sich Menschen aus dem Stadtteil begegnen können, in einem Klima der Offenheit und Neugier gemeinsam etwas erschaffen können. Teilhabe, Partizipation und Ermächtigung sind wesentliche Ziele unserer soziokulturellen Arbeit. Der Gedanke, ein niedrigschwelliges Angebot für Menschen jeden Alters und jeder Nationalität machen zu können, um das Miteinander zu stärken, hat uns bei den Projektüberlegungen motiviert.
Daraus ist noch viel mehr geworden: Die Gärtner*innen bleiben nicht nur unter sich. Sie vernetzen sich mit anderen Gemeinschaftsgärten und Aktionen, erweitern ihr Wissen und ihre Kenntnisse, sie beschäftigen sich mit gesellschaftlich relevanten Themen. Darüber hinaus lassen sie andere daran teilhaben. Sie öffnet sich CARLs Garten regelmäßig bei Veranstaltungen des soziokulturellen Zentrums und informiert Besucher*innen über den Garten und ihre Arbeit und lädt zu kleineren Mitmachaktionen ein. So wirkt CARLs Garten über den Zaun hinaus in den Stadtteil hinein.
Aber auch unabhängig von Gartentreffen oder Veranstaltungen ist CARLs Garten ein „Besuchermagnet“ auf dem Gelände. Nicht nur (Hunde)Spaziergänge schauen regelmäßig vorbei sondern auch bei Gästen und Fahrradtouristen, die sich für das Industriedenkmal Zeche Carl interessieren, ist er beliebt. Und auch die Gäste des soziokulturellen Zentrums Zeche Carl besuchen den Garten, sei es im Rahmen von großen Veranstaltungen wie die ExtraSchicht, beim Internationalen Kulturfest zum 1. Mai oder Festivitäten. Alles in allem schauen sicherlich um die 2000 Besucher*innen im Jahr in CARLs Garten vorbei. Damit trägt der Garten zu einer Aufwertung des Geländes und des „Wahrzeichens“ des Stadtteils Altenessen bei und hat positiven Einfluss auf die Identität der Stadtteilbewohner*innen.
Es gibt noch eine weitere, erfreuliche Entwicklung, die sich seit dem Frühjahr 2020 vollzieht: CARLs Garten wird von verschiedenen Gruppen und Vereinen als Ort für künstlerische (Nachbarschafts)Aktionen angefragt und genutzt. So zum Bespiel das Bürger*innen-Projekt „Altenessener Kulturwäscheleine“ der Ruhrpott-Revue oder das Kunstprojekt „Pottschlange“ des Jugendhilfe Netzwerks der AWO Essen. Darüber hinaus ist CARLs Garten wichtiger Partner der Projektinitiative „Altenessen. blüht“ des KD 11/13 und wird sich darüber hinaus an der Weltbaustelle Altenessen (Träger: Eine Welt Netz NRW) beteiligen.
So ist CARLs Garten in vielerlei Hinsicht ein wertvolles Projekt im, mit und für den Stadtteil Altenessen und den gesamten Essener Norden.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Gerade in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf ist das Thema Lebensqualität von großer Bedeutung. Eine intakte Natur und Naturerleben sind wesentliche Bestandteile von Lebensqualität. Biologische Vielfalt bedeutet hier auch hochwertigen Lebensraum, Orte an denen sich Menschen gerne aufhalten, die ihnen gut tun. Deshalb ist es uns wichtig, mit CARLs Garten einen solchen Ort zu schaffen.
Gleichzeitig ist es uns wichtig, Menschen darauf hinzuweisen, dass sie selbst ein wesentlicher Faktor zum Erhalt und/oder Ausbau der Biodiversität sind. Sie selbst können sich aktiv daran beteiligen, indem sie sich interessieren und informieren, im besten Fall mittun. Achtsamkeit im Umgang mit der Natur, Wissen um ökologische Prozesse können hier erlernt und gelebt werden.
Dazu bietet CARLs Garten als niederschwelliges Angebot die Möglichkeit.


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Besuchen Sie uns

Zeche Carl

Wilhelm-Nieswandt-Allee 100
45326 Essen

Öffnungszeiten: In der Regel Mo-Fr von 10 - 16 Uhr, sonntags zwischen 11 und 18 Uhr

Frau Tonja Wiebracht

http://www.zechecarl.de

 

Weitere Infos

Zeche Carl / Auf Carl gemeinnützige GmbH
Essen

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