Sonderwettbewerb Soziale Natur

hackmuseumsgARTen – Ein Garten für alle!

Seit acht Jahren betreibt das Wilhelm-Hack-Museum, ein Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, gemeinsam mit Bürger*innen der diversen Ludwigshafener Stadtgesellschaft auf einem einst unbelebten Platz hinter dem Museum ein Urban Gardening Projekt.
Durch den Anbau von Nutz- und Zierpflanzen in eigens gebauten Kisten oder recycelten Behältnissen wurde eine versiegelte Fläche urbar gemacht und die Vielfalt der Natur mitten ins Ludwigshafener Zentrum geholt. Jeder, der mitgärtnern möchte, kann kostenfrei eine Beetpatenschaft übernehmen. Neben Einzelpersonen beteiligen sich Familien, Gruppen von Kindertagestätten, Schulen und sozialen Einrichtungen sowie Vereine. So ist es nicht verwunderlich, dass die biologische Vielfalt der kultivierten Pflanzen ebenso heterogen ist wie die Gartengemeinschaft selbst: Das Beet einer türkischen Familie liegt in direkter Nachbarschaft zum Bibelgärtchen der evangelischen Stadtkirche, gegenüber gedeiht der Thai-Spinat einer chinesischen Mitgärtnerin. Der internationale Frauentreff beackert ein Beet neben demjenigen einer Gruppe autistischer Jugendlicher.
Durch das gemeinsame Gärtnern ist der hackmuseumsgARTen zu einem Ort des Naturerlebnisses, des Austauschs und der Begegnung herangewachsen. Er bringt Menschen unterschiedlichster sozialer und kultureller Herkunft über das universelle Thema des Gärtnerns zusammen und wird auch als Treffpunkt oder für interkulturelle Feste und Veranstaltungen genutzt.

2012 zunächst als einjähriges Projekt initiiert, besteht der hackmuseumsgARTen seit nunmehr acht Jahren. Auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern engagieren sich zeitweise bis zu 200 Gärtner*innen.
Da der Museumsgarten auf einem offenen und demokratischen Beteiligungs- und Gestaltungskonzept basiert und jeder Teilnehmende sein Beet nach den eigenen Vorstellungen bepflanzen und gestalten kann, ist die biologische Vielfalt an Pflanzen groß. So werden etwa alte Gemüsesorten kultiviert und erhalten, regionale Pflanzen und (Heil-)Kräuter angebaut und auch zu Unrecht als Unkräuter verschriene Pflanzen haben ihren Raum. Durch die multikulturelle Gärtnerschaft wachsen hier auch vietnamesische Spinatsorten oder mediterrane Granatäpfel.

Das Wilhelm-Hack-Museum, als Initiator des Projekts, nutzt den hackgARTen als Freiluft-Atelier und bietet Workshops für Kindergärten und Schulen rund um das Thema „Pflanzenfarbe“ oder „Insektenschule“ an. Die direkte Naturerfahrung und die Vermittlung der Wertigkeit von biologischer Vielfalt ist dabei immer auch Thema und macht den Garten so zu einem Lern- und Erfahrungsraum im Bereich Natur- und Umweltbildung.

Im „Museumsgarten für alle“ finden nicht nur Pflanzen einen neuen Raum mitten in der Stadt, ebenso ist er für die Gärtner*innen, Besucher*innen und Anwohner*innen zu einem Ort der Begegnung und des Miteinanders geworden. Das Gärtnern und das Interesse an der Natur hat Menschen mit unterschiedlichsten sozialen und kulturellen Hintergründen zusammengebracht. Einzelpersonen und Familien aus über zwölf Nationen und Gruppen etwa aus einem benachbarten Caritas-Förderzentrum, das ambulant Menschen mit psychischen Erkrankungen betreut, aus der Deutsch-Litauischen Gesellschaft Rhein-Neckar e.V., dem Internationalen Frauentreff oder die „Ausblick-Gärtner“, eine sozialtherapeutische Arbeitsgruppe der JVA Ludwigshafen begegnen sich hier ganz selbstverständlich im Gartenalltag. Es haben Menschen zueinander gefunden, die sich ohne das gemeinsame Gärtnern wohl nie begegnet wären. Freundschaften sind gewachsen und gedeihen, den Pflanzen gleich.
Einige der Projektteilnehmer*innen bringen gärtnerische Erfahrung mit, andere sind Anfänger*innen auf diesem Gebiet. So wurde der Garten zu einem Ort des Experimentierens und des Austauschs: Jeder stellt seine Kompetenzen, Erfahrungen und sein Wissen im Umgang mit Natur der Gemeinschaft zur Verfügung, so dass alle generationen- und kulturübergreifend voneinander lernen können.
Neben dem gemeinsamen Gärtnern stellt auch das gemeinschaftliche Kochen und Weiterverarbeiten der Erträge ein verbindendes und integratives Element dar. Die multikulturelle Struktur des Gartens macht das Kennenlernen von kulinarischen Traditionen und Rezepten aus aller Welt möglich und wird von allen als Bereicherung empfunden.
Zudem prägen zahlreiche von der Gärtnerschaft getragene Veranstaltungen den Gemeinschaftsgarten und lassen die Gruppe im wahrsten Sinne des Wortes enger zusammenwachsen. Beispielsweise finden u.a. interkulturelle Feste, Konzerte, botanische Führungen sowie Koch-, Sprach- und Kunstworkshops im Garten statt. So initiierte etwa eine in Malaysia geborene Inderin und Mitgärtnerin ein Fest, das indische Traditionen und Kultur erfahrbar machte.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der hackmuseumsgARTen bietet den Stadtbewohnern*innen die Möglichkeit die Vielfalt der Natur mit allen Sinnen zu erleben. Die Beobachtung der Natur sowie das Gärtnern als Beschäftigung mit natürlichen Prozessen und ökologischen Kreisläufen schärft das Bewusstsein für Bedeutung und Erhalt der biologischen Vielfalt. Das Veranstaltungsprogramm vertieft diese Aspekte gezielt, etwa bei Workshops zum Thema Permakultur oder einer Kinder- und Jugendveranstaltung zum Thema Artenvielfalt.

Durch die insektenfreundliche Bepflanzungen und Gestaltung vieler Beete wurde die vormals versiegelte Fläche zu einem Lebensraum für Wildbienen entwickelt. Auch das Ausstellungsprojekt „Ludwigshafen summt und brummt“ des Museums hatte seinen Ursprung im hackmuseumsgARTen. Die Beobachtungen der (Wild-)Bienen im Garten inspirierte die Garteninitiatorin und Kuratorin Theresia Kiefer 2019 dazu, mit einer Ausstellung, einem Forschungslabor sowie mit Blühstreifen in der Stadt die Bedeutung der Insekten, insbesondere der (Wild-)Bienen, für die Aufrechterhaltung ökologischer Zusammenhänge und der biologischen Vielfalt sichtbar zu machen. Der hackgARTen ist nun Teil eines (Wild-)Bienen-Lehrpfads, der im Rahmen dieses Projekts entstanden ist. Eine Schautafel informiert darüber, was jeder Einzelne auf dem Balkon und im Garten für die Insekten tun kann.
Das Engagement der Gärtnergemeinschaft im Bereich Artenschutz und Erhaltung der biologischen Vielfalt wirkt also auch vom hackgARTen aus in den Stadtraum hinein.


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Dokumente

Veranstaltungsprogramm hackmuseumsgARTen 2019

(Wild-)Bienenlehrpfad, Station hackmuseumsgARTen

 

Besuchen Sie uns

hackmuseumsgARTen

Hans-Klüber-Platz
67059 Ludwigshafen

Öffnungszeiten: April bis Oktober, täglich von 10 - 18 Uhr

Frau Theresia Kiefer
Tel.:06215043403
theresia.kiefer@ludwigshafen.de
http://www.facebook.com/Hackgarten; www.hackmuseumsgarten.blogspot.de

 

Weitere Infos

Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen am Rhein
Ludwigshafen

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