Sonderwettbewerb Soziale Natur

Lernen ohne Grenzen – Integrativ, Inklusiv. Umweltbildung im Westlichen Ruhrgebi

In wöchentlicher Umweltbildung am außerschulischen Lernort erforschen Schülerinnen und Schüler aus Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf die biologische Vielfalt ihres Wohnortes. Das vom Landschaftsverband Rheinland geförderte Projekt „Lernen ohne Grenzen – Integrativ, Inklusiv“ der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet fördert auf diese Weise insbesondere Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien, sowie Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf. Die TeilnehmerInnen untersuchen unter anderem Tiere, Pflanzen und Standorteigenschaften im naturnahen Schulumfeld, setzen dort eine Naturschutzmaßnahme um und präsentieren schließlich als Multiplikatoren ihr Projekt der Öffentlichkeit. Nach dem Motto „nur was ich kenne, schütze ich“ wird auf diese Weise ein Beitrag zum Schutz der Biodiversität im westlichen Ruhrgebiet geleistet. Durch den hohen praktischen Anteil und Arbeit im Gelände werden räumliche, soziale, geographische und geistige Barrieren überwunden, aufgehoben und angeglichen. Das Projekt läuft mit finanzieller Unterstützung des Landschaftsverband Rheinland (LVR) bereits seit 2017 und kann noch bis 2020 fortgeführt werden. Momentan erhalten ca. 400 Kinder aus 11 Schulen wöchentliche Umweltbildung am außerschulischen Lernort.

Insbesondere in strukturschwachen Stadtquartieren im westlichen Ruhrgebiet fehlt dieser Tage vielen Kindern ein Bezug zur Natur, wobei nicht nur bei heranwachsenden Mitbürgern mit Migrationshintergrund, sondern auch bei Schülerinnen und Schülern aus benachteiligten Stadtquartieren (sog. „Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf“) bzw. aus einkommensschwachen Familien eine außerordentliche Notwendigkeit für außerschulische Umweltbildungsmaßnahmen besteht. Die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet bietet im Projekt „Lernen ohne Grenzen – Integrativ, Inklusiv“ an Schulen aus diesen Stadtteilen wöchentliche Umweltbildung am naturnahen außerschulischen Lernort an, um die heimische Natur und Biologische Vielfalt vor der Haustür zu entdecken. Ein Großteil der teilnehmenden SchülerInnen wird im Projekt zum ersten Mal mit der Natur konfrontiert; Sei es der erste Waldspaziergang, der erste Marsch durch hüfthohes Gras oder der erste Regenwurm auf der Hand.
Das Projekt richtet sich an Schulen sämtlicher Formen und Klassen aller Altersstufen. Die Familien der teilnehmenden SchülerInnen sind nicht einkommensstark und könnten ein solches Angebot nicht selbstständig finanzieren. Angesprochen sind explizit auch inklusive Schulklassen, in denen gemischter Unterricht stattfindet. Insbesondere für die SchülerInnen mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung ist der Unterricht außerhalb des Klassenraums in der Natur eine enorme Bereicherung, da dieser praktische, körperliche Arbeit beinhaltet und zum Abbau von Barrieren gegenüber den Mitschülern ohne besondere Bedürfnisse führt. Auch für Flüchtlingskinder mit wenig bzw. ohne deutsche Sprachkenntnisse ist das Projekt aufgrund der großen Praxisanteile, die eine Integration erleichtern, gut geeignet.
Die SchülerInnen bearbeiten in „Lernwerkstätten“ in Form von Projektarbeiten innerhalb eines Schuljahres ein naturkundliches Thema besonders intensiv, wobei die Eigendynamik stark forciert wird. Dabei ist eine Lernwerkstatt in folgende Phasen aufgeteilt:
1. Angeleitete Einführung ins Thema
2. Selbstständige Entscheidung für einen Projektschwerpunkt
3. Planung und Konzeptionierung der Forschungsphase
4. Forschen und Entdecken
5. Wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse
6. Planung und Konzeptionierung der Praxisphase
7. Praktische Umsetzung einer Maßnahme
8. Abschlusspräsentation, Öffentliche Darstellung
Mit den selbstständigen und gemeinsamen Entscheidungsprozessen wird nicht nur die Motivation erheblich gesteigert, sondern es werden außerdem Planungskompetenzen, Kreativität, das Gruppengefühl und die Anwendung interdisziplinären Wissens gefördert. Durch das greif- und sichtbare Ergebnis einer Abschlusspräsentation wird den SchülerInnen der Erfolg und der Umfang ihrer Arbeit vor Augen geführtund sie erlangen Aufmerksamkeit und Anerkennung für ihre Leistung von außen (z. B. durch MitschülerInnen, Eltern, Öffentlichkeit usw.). Dies fördert zudem verstärkt SchülerInnen, die es bisher gelernt haben, Aufmerksamkeit vor allem durch Fehlverhalten zu erlangen. Die Lernorte befinden sich direkt im jeweiligen Stadtteil und Wohnumfeld der SchülerInnen, wodurch die Wertschätzung des Stadtteils und damit auch die eigene Identität gefördert werden.
Im Projekt werden verschiedenste naturkundliche Themen behandelt und erforscht. Besonderer Fokus liegt auf Themenstellungen zur lokalen Biodiversität in verschiedenen Ökosystemen, insbesondere auf Industriebrachen der ehemaligen Montanindustrie. Zentral ist dabei die selbstständige Erforschung in der Natur an einem außerschulischen Lernort. Die SchülerInnen erkunden und entdeckenmit allen Sinnen ihr Thema in Versuchen, bestimmenArten, nehmen Daten auf, dokumentieren und werten ihre Ergebnisse aus. Im Anschluss an die Forscherphasewird eine zum Thema passende Naturschutzmaßnahme geplant und durchgeführt. Dabei haben die SchülerInnen in den letzten Jahren Nistkästen gebaut, Müll gesammelt, Gewässer freigestellt oder ihren Schulgarten umgestaltet. Schlussendlich werden die TeilnehmerInnen zu Multiplikatoren und stellen ihr Projekt der Öffentlichkeit oder ihren MitschülerInnen vor. Die Art der Präsentation wird ebenfalls selbstständig von den Kindern und Jugendlichen gewählt. So wurden in den letzten Jahren Posterpräsentationen für die MitschülerInnen erarbeitet, Theaterstücke aufgeführt, eine Zeitung gestaltet, ein Film gedreht oder eine Fotoausstellung konzipiert.
Das Projektziel ist Lernen ohne räumliche, geographische, politische, zeitliche oder geistige Grenzen.Durch das ganzheitliche Konzept werden verschiedene Kompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern gefördert, Unterschiede im Sozialverhalten sowie kognitive Fähigkeiten angeglichen, Defizite kompensiert und Barrieren abgebaut. Konkret werden dabei naturwissenschaftliche Kompetenzen, sprachliche Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, sowie motorische Fähigkeiten gefördert.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Ruhrgebiet zeichnet sich aus naturschutzfachlicher Sicht insbesondere durch Brachen der ehemaligen Montanindustrie aus. Auf diesen Flächen hat sich in den letzten Jahren eine einzigartige Industrienatur entwickelt, die durch eine immense Artenvielfalt in Flora und Fauna mit zahlreichen bedrohten Arten gekennzeichnet ist. Insbesondere im Ballungsraum ist Naturschutz nur dann möglich, wenn die lokale Bevölkerung einbezogen und über die Einzigartigkeiten vor ihrer Haustür informiert wird. Angefangen bei Kindern, die heute schon als Multiplikatoren Themen an ihre Eltern weitergeben und als Bürger von morgen ihr Wissen dann an ihre Kinder vermitteln, werden Fragestellungen des lokalen Natur- und Artenschutzes in die Bevölkerung getragen. Frei nach dem Motto „nur was ich kenne, schütze ich“ lernen Schülerinnen und Schüler die lokale Artenvielfalt ihres Wohnortes kennen und schätzen. Auf diese Weise wird ein wichtiger Beitrag zur biologischen Vielfalt im Ruhrgebiet geleistet.



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