Sonderwettbewerb Soziale Natur

Kistensommer – hier blüht euch was

Im Projekt “Kistensommer” wurden aus recyceltem Holz von Unterstützern des Café Welcome Holzkisten gebaut und gestaltet, ART at WORK sorgte für die Vorzucht und Bepflanzung mit Insektenfutter und der FBB fuhr die Kisten per Lastenrad zu den Paten: Geschäften und Institutionen in der Bielefelder Innenstadt, die die Kisten über den Sommer im öffentlichen Raum pflegten und für Aufmerksamkeit zum Thema Insektensterben warben.
Drei gemeinnützige Vereine nutzen ein altes Fabrikgelände als Standort für ihre Projekte. Das Café Welcome unterstützt Geflüchtete mit unbürokratischer Bürokratiehilfe sowie generell Menschen mit geringem Einkommen und Fans von Ressourcenschonung. Im angeschlossenen Sozialkaufhaus kann für kleines Geld gespendete Kleidung, Hausrat u. v. m. erworben werden. Der FBB repariert gespendete Fahrräder und gibt sie teils kostenlos an Geflüchtete oder Menschen mit Bielefeld-Pass ab, in den Schulferien können Kinder selbst Fahrräder reparieren und dann mit nach Hause nehmen. Mobilität als partizipative Grundlage für eine gerechtere Gesellschaft. Die Künstlerinitiative ART at WORK macht seit über 20 Jahren Aktionskunst zu Umweltschutz und Menschenrechten und sorgt mit einen Bio-Kisten-Gemeinschaftsgarten für regional und saisonal angebautes Gemüse und Obst, die Rettung alter Sorten und Urban Gardening Aktionen für Kinder und Erwachsene.
Gemeinsam sind den Vereinen die Themen Ressourcenschonung, Umweltschutz und Bewahrung von alten Sorten und Gegenständen.

Der Vereinszusammenschluss “Die 73a”, den es seit 2018 gibt, kooperiert in vielen Dingen, nutzt Ressourcen, Werkzeug, Platz gemeinsam, aber jetzt zum ersten Mal in einem explizit gemeinsamen Projekt. Die einzelnen Vereine existieren teils seit über 20 Jahren.
Beim “Kistensommer” wurden die Stärken aller drei Vereine zusammengetragen, um eine Idee zu verwirklichen, die viele Menschen auf das Thema Insektensterben, Verlust von Artenvielfalt, Stadtgrün, Mobilität, Ernährung und die Stadt der Zukunft aufmerksam und neugierig machen würde.
Vor Ort in der 73a herrscht ein buntes Gemisch von Menschen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten, wobei letztendlich von bis zu 50 großteils ehrenamtlich Engagierten, ca. 12 aktiv an der Durchführung vom “Kistensommer” beteiligt waren.
Mit einem kleinen Budget vom Umweltamt konnte etwas Material beschafft werden, das nicht in recycelter Form zu Verfügung stand, wie einige Werkzeuge und Saatgut von Bingenheim.
Mit öffentlichem Aufruf wurden Kistenpaten gesucht, die den kleinen Insektenweiden einen gut sichtbaren Standplatz bieten konnten und sie natürlich über den Sommer gießen und pflegen würden. Im Jahr 2019 wurden erstmals 10 Kisten gebaut, bepflanzt und ausgefahren und werden jetzt im Oktober mit dem Lastenrad wieder abgeholt, in nächsten Jahr soll die Anzahl mindestens verdoppelt werden. So kann auch mitten auf dem Asphalt ein kleines Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten entstehen und die Menschen immer wieder daran erinnern, wie wichtig Fluginsekten und deren Lebensräume für die Bestäubung unserer Nahrungsmittel und das komplette und komplexe Ökosystem sind.
Der „Kistensommer“ ist außerdem ein kleiner Ableger der in der Schillerstraße 73a angesiedelten Kokopelli-Gärten der Künstlerinitiative ART at WORK, die Menschen davon begeistern möchte Lebensmittel auch auf kleinstem Raum anzubauen und sich saisonal, klimaschonend und gesund zu ernähren. Mitglieder aller drei Vereine helfen im Sommer dabei, den Garten zu gießen und auch Freiwillige aus der Umgebung unterstützen uns dabei.
Kokopelli, Gott des Saatguts der nordamerikansichen Ureinwohner, ist Namensgeber für einen urbanen, mobilen, multikulturellen Bildungs-Garten in einer Betonwüste der Stadt Bielefeld. Zwischen Hauptbahnhof, sozialem Wohnungsbau, leerstehendem Gewerbe und einer multikulturellen Nachbarschaft liegt er auf einem umgenutzten Industriegelände. Inspiriert durch den Prinzessinengarten Berlin, werden in Bäckerkisten, Reissäcken, Autoreifen, Tetrapacks u.v.m. alte Kulturpflanzen, Gemüse, Obst, Kräuter eine neue Heimat finden. Anwohner, Kitas und mehrere „Brennpunktschulen“ ohne Gärten können hier (lernen) lokal Lebensmittel anzubauen, Wissen Generationen übergreifend weiterzugeben und Freude an gesundem Essen zu vermitteln.
Zusätzlich zum Gärtnern werden Informationen vermittelt durch Workshops und Ausstellungen zu: Peak-Oil, Lebensmittelverschwendung, Monsanto u. GMO, Lebensmittelmultis wie Nestlè und ihr Einfluss auf unser Essen. Der Garten ist ein Ort um Atmosphären zu schaffen in denen Menschen unterschiedlicher Kulturen sich gern begegnen und wo Sprache nicht so wichtig ist. Ein Gesamtkunstwerk getragen durch vier Säulen: 1. die Idee in Zeiten mit wenig Geld und teurem Öl eine lokale Nahrungsmittelversorgung beispielhaft darzustellen. 2. mit vielen Unterstützern Menschen (besonders Kinder und Jugendliche) zu selbstbewusstem und eigenverantwortlichen Handeln zu ermächtigen und neue soziale Netzwerke zu schaffen 3. Mit Mitteln der Kunst aufzuklären und neue urbane Räume zu gestalten 4. Mit gemeinsamen Veranstaltungen Zusammenhalt zu schaffen und ein nachhaltigeres und gesünderes Miteinander auf vielerlei Ebenen zu gestalten.
Auf dem Gelände wurden zusätzlich vom Café Welcome Obstbäume und Büsche gepflanzt und Bienenweide ausgebracht und Wasserstellen angelegt, um auf dem Industriegelände Insekten einen Lebensraum und Nahrung zu bieten.
Das Thema Lebensmittel-Verschwendung wird zusätzlich in einer Foodsaver Station bearbeitet, wo alle Mitwirkenden Essen sortieren und sowohl an Senioren, Wohnungslose und kinderreiche Familien abgeben, als auch selbst verkochen und nutzen.
Alle Themen aller drei Vereine greifen ineinander und ergänzen sich zu einem Klima und Ressourcen schonenden Gesamtkonzept, wo kreativ, nachhaltig und nachbarschaftlich soziale Unterstützung gelebt wird.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Schillerstraße 73a hat es sich zur Aufgabe gemacht Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise zu helfen. Klimafreundlich mobil zu sein, gestärkt und ausgestattet den deutschen Alltag zu meistern und gesund, informiert, kreativ und selbstbewusst zu handeln.
Da immer mehr Menschen in Städten leben ist es eine Herausforderung, auch dort Lebensräume zu schaffen, die ein Überleben nicht nur von Menschen, sondern genauso von Pflanzen und Insekten ermöglichen. Wie soll der soziale Zusammenhalt funktionieren, wie werden wir uns ernähren, wie wünschen wir uns eine nachhaltige Stadt der Zukunft, die allen klimatischen und sozialen Herausforderungen gewachsen ist? Ökosysteme in der Landschaft können wir Städter*innen nur schützen, indem wir unermüdlich Aufklärungsarbeit leisten, aber Lebensgemeinschaften zwischen Mensch, Tier, Natur in der Stadt zu ermöglichen ist unsere Aufgabe. Der Vernichtung von Artenvielfalt besonders bei Insekten entgegenzustehen ist mit dem Projekt „Kistensommer“ nur ein kleiner Anfang. Mit größerer Ausdehnung und speziellerer Anpflanzung in Kombination mit Kita- und Schulworkshops kann noch viel mehr z.B. für spezialisierte Wildbienen und Schmetterlinge geleistet werden. In Kombination mit dem angebauten Obst- und Gemüse in Bioqualität, alte und seltene Sorten bevorzugt, wird der „Kistensommer“ sich weiter über die Stadt ausdehnen und Menschen zum Erhalt von Artenvielfalt inspirieren.

Video:
https://www.radiobielefeld.de/aktionen/bielefeld-preis/schillerstrasse-73a.html?L=0


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Dokumente

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Die 73 a

Schillerstraße 73a
33607 Bielefeld

Öffnungszeiten: variabel

Frau Annabelle Mayntz
info@art-at-work.org

 

Weitere Infos

Die 73a: Café Welcome, ART at WORK, Fahrräder bewegen Bielefeld/FBB
Bielefeld

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