FABiAN

Der Rückgang der Biodiversität aufgrund von anthropogenen Einflüssen wird aktuell sehr breit in der
Öffentlichkeit diskutiert. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass für diesen Rückgang der
Artenvielfalt und Individuenzahl ein Zusammenspiel vieler Einflussfaktoren verantwortlich ist, unter
anderem ein Fehlen von Nahrungsressourcen und Habitaten. Dieser Mangel lässt sich mit verschiedenen Naturschutzmaßnahmen auf regionaler Ebene mildern, so dass diesem Trend im Rahmen eines Biodiversitätsprojektes entgegengewirkt werden kann. Dazu werden im Projekt FABiAN Maßnahmen umgesetzt, die Ressourcen wie Pollen und Nektar bieten und durch Diversifikation auf Landschaftsebene zusätzlich Lebensraum schaffen. Diese sollen so angelegt werden, dass ein betriebsübergreifendes Biotopnetzwerk entsteht.

Da für die Umsetzung viel Fläche benötigt wird, kann dieser Ansatz nur in Zusammenspiel mit der Landwirtschaft als größtem Flächennutzer gelingen. Deshalb soll in diesem Projekt ein Vertragsnaturschutz auf Augenhöhe mit der Landwirtschaft etabliert werden. Mit Hilfe dieses Ansatzes ist es möglich, zum einen die für eine regionale Förderung der Biodiversität benötigte Fläche zu erhalten, zum anderen den Landwirten sinnvolle und praktikable Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in der Kulturlandschaft näherzubringen.

Die Verbesserung der biologischen Vielfalt in unserer Kulturlandschaft ist eine aktuell drängende Aufgabe. Insbesondere in der Agrarlandschaft muss die Artenvielfalt erhalten und erhöht werden. Nicht erst seit dem Weckruf des Entomologischen Vereins Krefeld Ende 2017 zum Rückgang der Insekten und der Wahl der Feldlerche zum Vogel des Jahres 2019 wissen wir, dass es für eine Verbesserung der Situation entscheidend auf zusätzliche Maßnahmen im landwirtschaftlich geprägten Offenland ankommt. Schnelles Handeln ist erforderlich. Dies kann wiederum nur im Zusammenspiel mit der Landwirtschaft als größtem Flächennutzer gelingen. Nach allgemeiner Überzeugung müssen neben einem verbesserten Management in den Schutzgebieten gerade auch mit den Flächennutzern und Grundeigentümern in der Agrarlandschaft auf dem Gebiet des Vertragsnaturschutzes Fortschritte erzielt und dort die Biotopvernetzung vorangetrieben werden.
Hier setzt das für den Zeitraum 2019-2021 geplante Projekt „FABiAN“ (Förderung der Artenvielfalt und der Biotopvernetzung in der Agrarlandschaft Niedersachsens) an. Durch gezielte Ansprache der Landwirte, eine Einbindung der landwirtschaftlichen Berufsorganisationen, fachbezogene Beratung und das Angebot abgestimmter Vertragsnaturschutzbausteine sollen in drei Zielgebieten möglichst viele Landwirte zur praktischen Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen auf ihren Betriebsflächen animiert werden. Geplant ist das Angebot von unterschiedlichen Maßnahmentypen, die in zwei Jahren auf 150 Hektar/Jahr umgesetzt werden sollen. Als Zielgebiete wurden drei naturräumlich unterschiedliche Landkreise (Landkreis Goslar, Landkreis Vechta, Landkreis Wesermünde) mit jeweils drei zusammenhängenden Gemeinden ausgewählt.
Als Maßnahmenangebote sind vorgesehen:
- Anlage von mehrjährigen Blühflächen
- Stoppelbrache
- Stehenlassen von Getreide
- Altgrasstreifen
- Lerchenfenster / Feldvogelinseln
- Erbsenfenster
- Staffelmahd
- spritzmittelfreier Ackerrandstreifen
- Gelegeschutz

In einem weiteren Schritt sollen über eine Verknüpfung mit anderen Projekten und in Kooperation mit regionalen Akteuren wie beispielsweise Kommunen, Realverbänden oder Wasser- und Bodenverbänden Angebote und Konzepte für eine Biotopvernetzung zwischen den Naturschutzmaßnahmen auf Acker oder Grünland, Gewässerrandstreifen, Wegeseitenrändern und sonst vorhandenen Trittsteinen entwickelt werden.
Die Naturschutzmaßnahmen der Landwirte sollen wissenschaftlich auf ihre Wirksamkeit hin untersucht und weiterentwickelt werden. Daneben sollen Ergebnisse aus anderen laufenden Projekten, an denen die Stiftung Kulturlandpflege beteiligt ist, - beispielsweise dem F.R.A.N.Z.-Projekt - in die Ausgestaltung der Maßnahmen einfließen. Das FABiAN-Projekt wird durch einen Beirat begleitet. Das am Ende des Projekts entwickelte und erprobte Umsetzungskonzept für Naturschutzmaßnahmen in Kooperation mit der Landwirtschaft wird als Positivbeispiel publiziert und demonstriert den Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung sowie einem breiten Kreis von Landwirten die Machbarkeit von betriebseingebundenen und wirtschaftlich tragfähigen Naturschutzmaßnahmen.
Durch die konkret umgesetzten Maßnahmen im Wege eines möglichst unkompliziert gehaltenen Vertragsnaturschutzes erfahren die Landwirte ein Machbarkeitserlebnis, das der Erfahrung nach weit über den Projektzeitraum hinaus erhalten bleibt. Hemmnisse, bei Naturschutzmaßnahmen mitzuwirken, werden abgebaut. Es eröffnen sich damit Möglichkeiten eines zukünftigen Hand-in-Hand zwischen Landwirtschaft und Naturschutz.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Es ist allgemein bekannt, dass, obwohl der jeweilige Einfluss dieser Faktoren zum Rückgang der Arten nicht in aller Gänze geklärt ist, ein Gegensteuern unverzüglich einzuleiten ist, um den Abwärtstrend der Artenvielfalt zu stoppen. Denn der Verlust an Biodiversität geht immer einher mit einer Verringerung an Ökosystemrelevanten Leistungen wie z.B. Bestäubung, natürlicher Regulation von Schädlingen und Nahrungsgrundlage für höhere trophische Ebenen. Es wurden bereits viele Forschungsprojekte durchgeführt und wirksame Maßnahmen, die dem Schwund der Biodiversität in der Agrarlandschaft entgegengewirkt werden können, beschrieben. Die Schlussfolgerung bestand zumeist in der Forderung nach einer Erhöhung der strukturellen Vielfalt auf Ebene der Landschaft zur Habitatsbildung und Darbietung von Nahrungsressourcen wie Pollen und Nektar durch z.B. die Anlage von Blühstreifen. Beispielhaft sei hier das „Göttinger Rebhuhnschutzprojekt“ genannt, in welchem die Faktoren für eine optimale Rebhuhnförderung erarbeitet wurden. Im Projekt Fabian werden diese, durch wissenschaftliche Untersuchungen auf ihre Wirkung bestätigten, Maßnahmen großflächig in die Landschaft getragen und somit eine Förderung der Biodiversität vorangetrieben. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Biotopvernetzung: Durch die gezielte Anlage dieser Maßnahmen sollen Vernetzungskorridore entstehen, welche Migration von Tierarten und genetischen Austausches zwischen einzelnen Populatinen ermöglichen.


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