Jede Blüte zählt

Auslöser für das Projekt war das 1996 erschienene Buch „Blumenwiesen“ von Witt/Dittrich. Den Projekt-Initiatoren erschien die Umwandlung von Rasen in Blumenwiesen als die einfachste Möglichkeit mehr Natur in die Stadt zu bringen.
Seit 20 Jahren etabliert der BUND nun Blumenwiesen im öffentlichen Grün der Stadt Frankfurt. Gestartet als Stadtteilinitiative (Lokale Agenda 21 Sachsenhausen) hat sich das Projekt mittlerweile auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt mit mehr als einem Dutzend Teilflächen.
In den ersten Jahren musste viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, vor allem bei der Verwaltung. Die Unterstützung aus der Lokalpolitik war hingegen von Anfang an groß.
Nach einigen gelungenen Neuanlagen von Blumenwiesen in Frankfurt-Sachsenhausen begann das Grünflächenamt seinerseits mit der Erstellung eines Wiesenkonzeptes.
Die anfangs versprochene Nachhaltigkeit des Projektes zeigt sich in der langen Laufzeit. Die älteste Fläche besteht nun seit 17 Jahren und wurde im Zuge des Projektes „Stadtgrün – Naturnah“ aufwändig beschildert.
Das BUND-Blumenwiesenprojekt hat sich in den letzten Jahren darauf fokussiert:
- Neue öffentliche Flächen zu akquirieren
- Blumenwiesen professionell anzulegen (optimale Vorbereitung, Verwendung gebietsheimischen Saatguts)
- Neue Verfahren auszuprobieren (Aussaat von Heudrusch von lokalen Spenderflächen, Ergänzungspflanzungen mit Stauden, die aus lokalem Saatgut selbst gezogen wurden)
- Mitmach-Aktionen zu organisieren, um interessierte Bürger zu

GESCHICHTE:
Das BUND-Blumenwiesen-Projekt entstand 1999 im Rahmen des Lokale Agenda 21-Prozesses im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Die Begriffe biologische Vielfalt bzw. Biodiversität nahm damals niemand in den Mund.

Kaum einer sprach von Stadtnatur, im Gegenteil, gewisse Ausprägungen von Natur (Unkraut, Wildwuchs) waren unerwünscht, da sie das Erscheinungsbild beeinträchtigten. Allenfalls an abgelegenen Orten waren Blumenwiesen, die auch mal struppig aussehen, tolerabel.
Einigen mutigen, visionären Lokalpolitikern mit langem Atem, halfen dabei das Projekt über anfängliche Hürden zu manövrieren. Ein letztes Aufbäumen der Verwaltung gab es im Vorfeld der Fußball-WM 2006, für die sich das Stadtgrün von seiner schönsten Seite präsentieren sollte. Dem begegnete der Ortsbeirat 5 mit der Forderung: Blumenwiesen bleiben - WM 2006 geht vorbei verbunden mit der Frage: Warum nicht internationalen Besuchern, die stundenlang auf langweiliges künstliches Grün starren, hiermit eine Abwechslung verschaffen?
2009 fragt eine Stadtverordnete den Magistrat: Kann der Magistrat sich vorstellen, solche Blumenwiesen auch an anderen Stellen im Stadtgebiet anzulegen, und falls ja, wo?
Von da an ging es stetig bergauf mit dem Projekt, das sich wunderbar in das Wiesenkonzept der Stadt Frankfurt einfügt, welches seit ca. 2013 im Grünflächenamt erarbeitet wurde.
Weiteren Auftrieb für das BUND-Blumenwiesenprojekt gab es als Frankfurt Pilotkommune für das Projekt „Stadtgrün-Naturnah“ wurde.

ZIELE:
Von Anfang an war den Akteuren klar, dass man an der Basis der Nahrungspyramide ansetzen muss. Grünflächen sollten möglichst viel Nahrung bieten für Konsumenten (Insekten, Vögel, Fledermäuse, etc.). Auf möglichst vielen Flächen sollte möglichst viel blühen und somit das Nahrungsangebot gegenüber den bis dato vorherrschenden intensiv gepflegten Flächen vervielfacht werden.
Nebenbei sollten natürlich auch für das menschliche Auge attraktive Blühflächen geschaffen werden, deren Pflege idealerweise auch nicht mehr kostet als vorher.

Bei der Pflege ist uns bleibt das Ziel, möglichst schonend zu mähen (Balkenmäher) und die Biomasse von der Fläche zu holen (keine Mulchmahd).

Ab 2014 hat das Projekt versucht, möglichst viele freiwillige Helfer bei den Aktionen zur Anlage von Blumenwiesen zu involvieren.

Beflügelt durch erste Erfolge kam noch das Ziel hinzu, möglichst viele andere Akteure zu ähnlichem Handeln zu bewegen (Führungen, Präsentationen, Beratungen)
ERFOLGE:
Die lange Laufzeit des Projekts ist der größte Erfolg an sich. Dazu schreibt die Frankfurter Rundschau 2017: ‚Gute Ideen bleiben gute Ideen‘ […]. ‚Und auf dem richtigen Weg waren die Naturschützer auch. Das zeigt sich jetzt daran, dass die Stadt ihrerseits Wiesen wachsen lässt, bunt und struppig.‘
Es ist immer wieder spannend die Entwicklung der vielen Flächen und auch die Veränderungen im Laufe der Jahre zu verfolgen. Dabei gab es natürlich auch Beobachtungen, dass die Flächen durchaus als Futterquelle angenommen werden. Man findet auf einmal Arten auf städtischen Verkehrsinseln, die man dort sicher nicht erwartet hätte (Schmetterlinge, Heuschrecken etc.).
Durch das Heudrusch-Verfahren konnte ein neuer Standort für die Grasnelke (Armeria elongata, Rote Liste Hessen „3“) geschaffen werden.

Von 2014 bis 2018 kamen bei einem guten Dutzend Mitmach-Aktionen 100 freiwillige Helfer zum Einsatz, die dadurch ihren eigenen Beitrag zum Gelingen des Blumenwiesen-Projekts leisten konnten.
Seitdem das Insektensterben größeren Bevölkerungskreisen bewusst geworden ist, ist auch der Beratungsbedarf gestiegen, wie man etwas dagegen tun kann.
Folgende Akteure wurden 2019 hinsichtlich der Anlage von Blumenwiesen beraten bzw. wurden bei der Umsetzung begleitet:
- Wohnungsbaugenossenschaft (Umsetzung 2019 begonnen)
- IT Firma (Umsetzung 2019 begonnen)
- Kirchengemeinde (Umsetzung 2019 begonnen)
- Bürgerinitiativen/Stadteilinitiativen (Umsetzung 2019 begonnen)
- Tennis-Verein (Beratung in 2019)
- Kleingarten-Verein (Beratung in 2019)
- JVA (Beratung in 2019)

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT:
- Präsentation: „Mehr Raum für Artenvielfalt (2012 – 2014)
- Artikel in Natur und Garten 3/2015: 15 Jahre Blumenwiesen in Frankfurt – Zeit für einen Rückblick
- Frankfurter Biodiversitätskonferenz 2017: Poster auf dem Markt der Möglichkeiten
- Vortrag mit Workshop bei Naturgarten-Intensiv: Margeriten in Mainhattan (Ein Langzeit-Projekt des BUND Frankfurt), Dr. John Dippell, Grünberg im März 2017
- Grüne Börse im Palmengarten, März 2018: Welchen Beitrag leisten Blumenwiesen gegen das Insektensterben

AUSBLICK:
In den nächsten Jahren wird es notwendig sein, das Projekt auf weitere öffentliche Flächen auszudehnen, denn jede Blüte zählt im Kampf gegen das Insektensterben!
Weiterhin wird es darum gehen, die Pflege zu optimieren, um die Artenvielfalt und den Blütenreichtum auf den vorhandenen Flächen nachhaltig zu sichern.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Bezug zur biologischen Vielfalt ist vielfältig.
Zum einen können durch Blumenwiesen noch vorhandene Biotope artenreichen Grünlands vernetzt werden. Diese Vernetzung hilft insbesondere Arten mittlerer und hoher Mobilität (z.B. Schachbrettfalter). Artenreiches Grünland ist auf dem Gebiet der Stadt Frankfurt überwiegend nur noch in den Randbereichen vorhanden, zudem eher klein und isoliert.
Zum anderen können bestimmten Arten der Frankfurter Flora (flora-frankfurt.de) neue Standorte erschlossen werden (z.B. Heidenelke, Grasnelke, Wiesen-Schlüsselblume).
Für häufige Arten wird daher auf Regio-Saatgut zurückgegriffen, für typische Frankfurter Arten hingegen auf das lokale Saatgut (Gewinnung auf geeigneten Spenderflächen).

Dass ausschließlich mit heimischen Arten begrünt wird, sollte selbstverständlich sein. Nur so kann den auf die heimische Flora spezialisierten Insekten-Arten geholfen werden.


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Dokumente

Präsentation auf der Naturgarten Intensiv-Tagung zum Thema ´Naturnahes Öffentliches Grün´ im März 2017 in Grünberg

Veröffentlichung in Natur & Garten 2015 mit Verweis auf die Nationale Biodiversitätsstrategie

Präsentation ´Mehr Raum für Artenvielfalt in Frankfurt´: BUND-Blumenwiesenprojekt im Kontext der Nationalen Biodiversitätsstrategie

 

Besuchen Sie uns

Blumenwiesen-Projekt (ausgewählte Standorte in Frankfurt/Main)

Kasseler Straße 1A
60486 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten: Geschäftszeiten Mo-Do 9-14 Uhr

Frau Kerstin Hedrich
Tel.:069.979 489 68
geschaeftsstelle@bund-frankfurt.de
https://www.bund-frankfurt.de/themen-und-projekte/urbanes-gruen/blumenwiesenprojekt/

 

Weitere Infos

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