Betriebsplan Natur – Dialog schafft Lösungen!

Wissensvermittlung, -transfer und partnerschaftlicher Dialog schaffen Lösungen – so auch hier beim Betriebsplan Natur. Bereits 71 landwirtschaftliche Betriebe mit Betriebsgrößen von 58 bis 4.800 ha (insgesamt ca. 62.000 ha) machen mit.

Der Betriebsplan Natur als ein kostenloses, kooperatives Angebot zeigt Landwirten betriebsindividuelle Lösungen auf, die der biologischen Vielfalt und dem landwirtschaftlichen Betrieb zu Gute kommen. Wesentlich sind hier der Dialog mit einer intensiven fachlichen Beratung und die partnerschaftliche Abstimmung zwischen Betrieb und Naturschutzberatern, um gemeinsam Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung zu entwickeln. Im Rahmen einer ersten Bestandsaufnahme wird festgehalten, was der Betrieb bereits für den Naturschutz tut, ob und in welchen Schutzgebieten dieser liegt (u.a. Natura 2000) und welche Arten und Biotope vorkommen. Auf dieser Grundlage zeigt der Naturschutzberater die naturschutzfachlichen Besonderheiten auf und erarbeitet gemeinsam mit dem Betrieb naturschutzfachliche Ziele. Der Naturschutzberater schlägt dem Betrieb mögliche Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung (z.B. geeignete Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen der aktuellen Förderrichtlinien, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen etc.) betriebsindividuell für die Flächen, die Hofstelle und weitere Betriebsressourcen vor und berät zu Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten.

Der Betriebsplan Natur ist ein 2016 eingeführtes gesamtbetriebliches Modul innerhalb des Naturschutzberatungsangebots des Freistaates Sachsen, das sachsenweit kostenlos für landwirtschaftliche Betriebe zur Verfügung steht. Es wird über die Förderrichtlinie Natürliches Erbe – RL NE/2014 als "Naturschutzqualifizierung für Landnutzer" aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und des Freistaates Sachsen finanziert.
Der Betriebsplan Natur ist ein kooperativer Weg für mehr Biologische Vielfalt in der Landwirtschaft. Die Grundlagen wurden in zwei Pilotprojekten des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie mit sechs landwirtschaftlichen Betrieben und einer projektbegleitenden Arbeitsgruppe aus Vertretern von Naturschutz und Landwirtschaft erarbeitet.

Wesentlich für den Betriebsplan Natur ist die partnerschaftliche Abstimmung und Berücksichtigung der Betriebsziele /-vorstellungen. Grundsätzlich sieht der Ablauf folgende Schritte/Bausteine vor:
1. Ermittlung des Ist-Zustands - Betriebsflächen, Strukturen, Hofstelle, Landschaftsbild und die Ziele/Handlungsbedarf des Betriebs:
o Recherche, Fachgrundlagen und Abfrage relevanter Betriebsdaten und -ziele
o Vor-Ort-Begutachtung mit Betriebsleiter und eigenständig durch den Berater zu
- Betroffenheit NATURA 2000, SPA
- Vorkommen und Zustand Schutzobjekte (§26, LRT, geschützte Arten …)
- Artenvielfalt, Habitateignung, Biotopverbund, Einbindung in die Landschaft, Naturraum
- Nutzungshäufigkeit und -intensität, Biotoppflege, Technikausstattung
2. Ableitung gemeinsamer naturschutzfachlicher Qualitätsziele (betriebsindividuell)
3. Einschätzung Ist-Zustand vom Zielzustand (gutachterlich)
4. Ableitung von Maßnahmenvorschlägen
5. Aufzeigen von Finanzierungsmöglichkeiten (insb. Förderung)

Neben einem anschaulichen Kartenwerk enthält der Betriebsplan Natur textliche Beschreibungen und schlagkonkrete Vorschläge. Nach der rund einjährigen Erstellungsphase für den Betriebsplan Natur erhalten die Betriebe weiterhin fachliche Unterstützung durch die Naturschutzberater bei der Maßnahmenumsetzung. So findet u.a. rund zwei Jahre nach Erstellung des Betriebsplans ein „Betriebscheck“ statt, der den Umsetzungsstand und Anpassungsbedarf ermittelt, neue Ideen aufgreift und damit den Dialog fortsetzt. Darüber hinaus erhalten alle Betriebe vom Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft eine Hoftafel „Wir machen mit! – Betriebsplan Natur“, Feldtafeln zu Naturschutzmaßnahmen und Unterstützung beispielsweise bei der Erstellung eines Beitrags zum Betriebsplan Natur auf ihrer Betriebshomepage oder bei der Durchführung eines Hoffestes. Diese öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen tragen somit zu einer positiven Außendarstellung des Betriebes bei und sensibilisieren Dritte für die Belange des Naturschutzes.

Die Auswertungen der 14 bisher vorliegenden Betriebschecks zeigen, dass die Umsetzung der in den Betriebsplänen Natur empfohlenen Maßnahmen zum Naturschutz im Freistaat Sachsen beitragen:
1. So führen nahezu alle Betriebe flächenbezogene Naturschutzmaßnahmen aus den Agrarumweltmaßnahmen (Richtlinie AUK/2015) durch. Das sind beispielsweise im Grünland die spezielle artenschutzgerechte Grünlandnutzung für FFH-Lebensraumtypen wie magere Flachland-Mähwiese oder Bergmähwiese oder Biotoppflegemaßnahmen auf Nasswiesen. Im Acker wurden beispielsweise ein- und mehrjährige Blühflächen – und brachen zur Verbesserung des Nahrungsangebots für Blütenbesucher und der Lebensbedingungen für Vogelarten der Agrarflur wie das Rebhuhn umgesetzt.
2. Über diese Agrarfördermaßnahmen hinaus wurden viele weitere betriebsindividuelle Maßnahmen vereinbart und bereits durchgeführt. bspw.:
- das Belassen von überständigen Strukturen im Grünland u.a. für das Braunkehlchen,
- eine Nutzungspause im März/April im 100 Meter Radius um Amphibien-Laichgewässer,
- die Pflege alter Kopfweiden zum Erhalt der Höhlen als Lebensraum für Insekten und Vögel,
- die Entnahme von Einzelbäumen zur Sicherung des Lebensraumes des Großen Feuerfalters, einer Schmetterlingsart, oder
- Entsiegelungsmaßnahmen mit anschließender Selbstbegrünung.
Auf Hofstellen wurden Lebensräume durch Pflanzung von Bäumen und Sträuchern oder die Anbringung von Nistkästen geschaffen. Eine Maßnahme mit Vorbildcharakter ist

Die kontinuierliche Präsenz des Beraters – so zeigen die Erfahrungen – ist entscheidend für den Grad der Umsetzung der Maßnahmen. Durch einen regelmäßigen und offenen Kommunikationsprozess können so mittel- bis langfristig auch Lösungen für schwer umsetzbare, prioritäre Naturschutzziele gefunden werden.

Am Ende gewinnen beide Seiten: Landnutzer erhalten naturschutzfachliches Wissen und werden beraten, welche Förder- und andere Finanzierungsmöglichkeiten sie in Anspruch nehmen können. Der Naturschutz profitiert von gut umgesetzten naturschutzgerechten Maßnahmen auf mehr Flächen. Das dient dem Erhalt wertvoller Biotope und Arten.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Freistaat Sachsen besitzt eine hohe biologische Vielfalt und unterstützt daher gezielte Wissenstransfer- und Informationsmaßnahmen wie den Betriebsplan Natur. Viele hochwertige Schutzgüter des Naturschutzes wie beispielsweise Flachland-Mähwiesen oder Bergwiesen befinden sich auf landwirtschaftlichen Flächen. Eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt und/oder die Wieder-herstellung der Arten und Lebensräume ist eine hohe Bereitschaft für erforderliche Projekte sowie für Bewirtschaftungs- und Pflegemaßnahmen bei den Flächeneigentümern und -nutzern. Mit dem Betriebsplan Natur gelingt es, den Landnutzern schutzgutbezogen entsprechendes Wissen über ökologische Zusammenhänge, naturschutzkonforme Bewirtschaftungsweisen und den Wert der Biologischen Vielfalt zu vermitteln und damit zu naturschutzkonformem Handeln anzuregen.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

Hoftafel ´Wir machen mit! - Betriebsplan Natur´(c) Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Flyer ´Naturschutzqualifizierung in Sachsen - ein kooperatives Informationsangebot für mehr Naturschutz in der Landwirtschaft´(c) Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Pilotprojekt „Betriebsplan Natur“- gesamtbetriebliche Naturschutzberatung in Sachsen(c) Naturschutzarbeit in Sachsen 2014

 

Besuchen Sie uns

Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klima, Umwelt und Landwirtschaft

Wilhelm-Buck-Str. 2
01097 Dresden

Öffnungszeiten: werktags 9-16 Uhr, bitte vorher anmelden

Frau Britta Ehrenberger-Wiest
Britta.Ehrenberger-Wiest@smul.sachsen.de
https://www.smul.sachsen.de/BetriebsplanNatur

 

Weitere Infos

Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klima Umwelt und Landwirtschaft
Dresden

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld