Steine schleppen für mehr Vielfalt

Mit unserem Projekt versuchen wir naturnähere Uferzonen zu schaffen, in welchen Tier- und Pflanzenarten zusätzlichen Lebensraum an der Hamburger Tideelbe finden können. An zahlreichen Stellen innerhalb der Naturschutzgebiete und europäischen Schutzgebiete befreien wir Uferabschnitte, kleinflächig und per Hand, von steinernem Uferdeckwerk. An den bearbeiteten Stellen formt die natürliche Dynamik der Gezeiten artenreiche Süßwasserwatten.

Die Eindeichung von Vorlandflächen, das Anlegen von Uferbefestigungen sowie der Ausbau von Schifffahrtswegen haben zu einer starken Reduzierung vorwiegend naturbelassener Elbufer geführt. Künstlich veränderte Uferabschnitte bieten nur wenig Raum für eine natürliche Entwicklung der Landschaft. Die Besonderheit des Elbabschnittes im Großraum Hamburg ist, dass der Fluss hier Süßwasser führt und gleichzeitig durch Ebbe und Flut wechselnde Wasserstände aufweist. In den wenigen, regelmäßig überfluteten Gebieten befinden sich Überreste einer heute europaweit einzigartigen Landschaftsform, der Süßwasser-Tideaue, welche sich durch einen Wechsel von Süßwasserwatt, Röhrichtzone und Auwald auszeichnet. Aufgrund ihrer Seltenheit stehen die Tideauen heutzutage größtenteils unter Naturschutz.

Durch das stellenweise Abtragen der künstlich angelegten Uferbefestigungen in den Naturschutzgebieten kann das Elbwasser dort bei Flut weiter in die Tideauen vordringen und Flächen leichter überspülen und verändern. Es bilden sich von der Elbe natürlich geformte Bereiche, in denen sich die jeweils an die Stärke der Überflutung angepasste Vegetation weiter ausbreiten kann. Ein Beispiel hierfür ist der, nur an der Tideelbe vorkommende, Schierlings-Wasserfenchel, für welchen Süßwasser und regelmäßig wechselnde Wasserstände lebensnotwendig sind. Das bei Ebbe sichtbare Süßwasserwatt ist Lebensraum für Würmer, Kleinkrebse und Schnecken, welche darüber hinaus das Nahrungsangebot für viele Vogelarten verbessern. Des Weiteren bieten die Flächen Aufenthaltsmöglichkeiten für zahlreiche Fisch- und Insektenarten. Insgesamt sollen die Renaturierungsmaßnahmen zu einer wachsenden biologischen Vielfalt in den Naturschutzgebieten beitragen.

Die konkrete Umsetzung des Projektes sieht vor, das steinerne Uferdeckwerk kleinflächig und mühsam per Hand abzutragen. Mit diesem schonenden Vorgehen kann eine Schädigung des Bewuchses vermieden werden, welche bei einem maschinellen Eingriff entstehen würde. Oftmals befinden sich die Maßnahmenflächen an strömungsberuhigten Prielen und Buchten, die ohnehin nur fußläufig erreichbar sind. Während der Arbeitseinsätze wird die Gesellschaft für ökologische Planung von tatkräftigen ehrenamtlichen Helfern unterstützt, mit welchen wir gemeinsam die zahlreichen Steine umlagern. Durch eine gute Dokumentation des Arbeitsprozesses soll das Projekt für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und so möglichst viele Menschen motivieren ehrenamtlich mitzuhelfen und sich für die Natur zu engagieren. Ende 2018 wurde hierzu ein Flyer veröffentlicht, welcher das Projekt porträtiert. Teilweise sind die Maßnahmenflächen auch für Spaziergänger und Wassersportler einsehbar und erlebbar.

An zwanzig Stellen wurde die Umlagerung des Uferdeckwerks bereits durchgeführt, unter anderem in den Schutzgebieten Schweenssand und Auenlandschaft Obere Tideelbe. Mindestens fünfzehn weitere, genehmigte Vorhaben warten noch auf ihre Umsetzung. An den schon bearbeiteten Stellen zeigen sich bereits Erfolge. Die erwartete Ausbreitung für den Flutsaum typischer Vegetation und die Ausdehnung natürlicher Süßwasserwatten sind eingetreten. Beispielsweise ist die Anzahl der Exemplare des bedrohten Schierlings-Wasserfenchels auf einer der ersten Maßnahmenflächen im Naturschutzgebiet Schweenssand deutlich gestiegen. Aus diesem Grund lässt sich für zukünftige Maßnahmen auf ähnlich erfreuliche Ergebnisse hoffen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Struktur- und Artenvielfalt der Deichvorländer zu fördern, ist das primäre Ziel des Projektes Uferrenaturierung an der Elbe in Hamburg. Auf den neu entstehenden Süßwasserwattflächen kann die Natur sich nun ungestört entfalten und ein funktionierendes Ökosystem entwickeln. Diese Aufwertung der Uferbereiche schafft günstige Bedingungen dafür, dass die heute seltene Landschaftsform der Süßwasser-Tideaue sich stückweise wieder ausdehnen kann.


Bild 1
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Dokumente

Der Projektflyer von 2018 in digitaler Version.

 

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Elbe-Tideauenzentrum Bunthaus

Moorwerder Hauptdeich 33
21109 Hamburg

Öffnungszeiten: Sa & So 11 - 18 Uhr (Sommerzeit), So 11 - 17 Uhr (Winterzeit) und nach Vereinbarung, im Dezember geschlossen

Frau GÖP Gesellschaft für ökologische Planung e. V.
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