Wilde Mähne statt Kurzhaar-Frisur

Eintönige Rasenflächen ohne größeren ökologischen Nutzen werden systematisch aufgewertet zu wilden, naturnahen Wiesen. In Kombination mit heimischen Sträuchern entstehen auf dem Mannheimer Mercedes-Benz Werksgelände neue, ökologisch wertvolle Lebensräume - vor allem für Insekten, wie zum Beispiel Wildbienen, sowie Vögel. Gleichzeitig werden Mitarbeiter/innen über mehrere Kommunikationskanäle über die Aufwertungen informiert und so der/die Einzelne für das Thema biologische Vielfalt und naturnahe Flächengestaltung sensibilisiert.

Im Mercedes-Benz Werk Mannheim wird jährlich ein Biodiversitätsindex berechnet. Hierfür werden alle bestehenden Grünflächen hinsichtlich ihrer ökologischen Wertigkeit (u.a. gemessen an der biologischen Vielfalt) untersucht und bewertet.
Mithilfe des Biodiversitätsindexes ist es möglich, die biologische Vielfalt der Grünflächen innerhalb des Werkes zu messen. Flächen mit einer geringen ökologischen Wertigkeit werden systematisch ausfindig gemacht und Konzepte zur Aufwertung entwickelt und umgesetzt. In 2018 wurden circa 1100 m² werksinterner Grünflächen, die brachlagen oder kurzgemähte und artenarme Rasenflächen waren, durch wilde, naturnahe Wiesen mit Wildkräutern bzw. Sedum ersetzt. Hierbei verwendeten wir absichtlich Rollwiese, die sofort einen Aha-Effekt bewirkt, da sie wie Rollrasen gleich grün auf der Fläche liegt und man die Aufwertung, anders als bei Aussaat, direkt optisch wahrnimmt. Die Flächen mit der Wildkräuter-Wiese wurden durch die ergänzende Pflanzung von mehr als 430 heimischen Gehölzen weiter aufgewertet. Die genutzten Gehölzarten umfassen Feldahorn, Hainbuche, Hartriegel, Schlehdorn, Pfaffenhütchen, Stieleiche, Süßkirsche sowie Hunds-Rose und runden den Lebensraum ab. Bei der Auswahl der neu zu setzenden Pflanzen wurde Wert auf ältere, heimische Arten sowie abwechslungsreiche Blühfarben und Wuchsformen gelegt. So ist für ein reichhaltiges Nahrungsangebot sowohl für Insekten im Sommer als auch für Vögel im Winter gesorgt. Bereits im Frühjahr und Sommer 2019 konnte man den Erfolg der Aufwertung sehen. Die Flächen boten einen vielfältigen als auch wahrhaft schönen Anblick mit einem Meer an Blüten, welche von vielen Insekten besucht wurden. Zu sehen gab es im Laufe des Sommers unter anderem Wiesen-Margeriten, mehrere Klee-Arten, Flockenblumen, Kornblumen als auch besonders wertvolle Pflanzen wie den Gewöhnlichen Natternkopf.
Des Weiteren wurde eine zusammenhängende Wiesenfläche samt Baumbestand mit einer Gesamtgröße von fast 6000 m² aus dem bisherigem Mahdprogramm herausgenommen und wird nun naturnah belassen. Auf dieser Fläche finden sich über 40 verschiedene Pflanzenarten, darunter zahlreiche krautige Blühpflanzen wie zum Beispiel Saat-Luzerne, Flockenblumen, Kamille, Klee und der Natternkopf. Darüber hinaus befinden sich auf der Fläche über 300 Sträucher der Felsenbirne und fast 50 Ahorn Bäume. Auch auf dieser Fläche kommen zahlreiche Insekten, unter anderem auch Wildbienenarten, vor.
Die naturnah gestalteten Wiesen werden nun nur noch zwei Mal im Jahr (Juli/Oktober) gemäht und bedürfen abgesehen davon kaum noch Pflege.
Diese naturnahen Flächen stehen innerhalb des Werkes ausnahmslos aufgrund ihrer Artenvielfalt an Flora und Fauna für biologische Vielfalt und tragen zum Schutz und Erhalt der Insekten vor Ort bei. Neben dem Schaffen von Lebensraum für zahlreiche Insekten (unter anderem Schmetterlinge und diverse Wildbienen) spielt auch der ästhetische Aspekt einer Wiese eine wichtige Rolle: Denn wie viel schöner ist der Anblick einer abwechslungsreichen, farbenprächtigen Wiese, die die Mitarbeiter/innen zum Beobachten der Pflanzen und Tiere einlädt, im Vergleich zum sonstigen "Einheitsgrün", das in trockenen Sommermonaten lediglich verbrennt und braun wird?
Mittels mehrerer Kommunikationswege werden die Mitarbeiter/innen als auch Nachbarn, deren Grundstücke direkt an einer der naturnahen Flächen grenzen, über die Aufwertung informiert. Anhand von Blogbeiträgen, internen Onlinemagazinen oder, bereits bestehenden bzw. geplanten, Info-Schildern direkt auf der Fläche werden die Mitarbeiter/innen informiert und so der/die Einzelne für das Thema biologische Vielfalt sensibilisiert. Mit Informationen über die ökologische Funktion, die Wichtigkeit und den Werdegang der einzelnen aufgewerteten Flächen gepaart mit eindrucksvollen Bildern, die die Schönheit der Natur präsentieren, versuchen wir, die Mitarbeiter/innen für die Natur und die, für manche, ungewohnten Wiesenflächen zu begeistern und sie auch zu einer natur- und insektenfreundlicherem Gestaltung im privaten Garten oder auf dem Balkon anzuregen. Denn jeder kann etwas für die biologische Vielfalt tun – auch im kleinen Rahmen. Um unsere Nachbarn zu informieren, gingen wir an einem Vormittag mit einem Info-Flyer unter dem Motto „Was wächst denn da?“ von Haus zu Haus. Mit Nachbarn, die wir persönlich antrafen, unterhielten wir uns einige Minuten über unsere naturnahe Flächengestaltung. Nicht anzutreffende Nachbarn fanden unseren Flyer im Briefkasten. Bei unserer Nachbarschaftsrunde bekamen wir für unser Bestreben, die Werksflächen naturnaher zu gestalten, positives Feedback.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Ausmaß an verdichteten Flächen ist an einem Industrie-Standort erwartungsgemäß hoch. Umso wichtiger ist es, die verbleibenden unversiegelten Grünflächen möglichst naturnah und insektenfreundlich zu gestalten und somit den Grad an Versiegelung ansatzweise zu kompensieren. Naturnah belassene bzw. gestaltete Flächen stellen ein Refugium für zahlreiche Insekten und weitere Tiere dar. Die Funktion als auch die Wichtigkeit der biologischen Vielfalt wurden erkannt und ebendiese werden nun sukzessive, Fläche für Fläche, positiv beeinflusst. Durch die aktive Entscheidung, naturnahe Wiesen mit wilden heimischen Arten im Werk auszusähen und diese zu fördern, entwickelt sich auf diesen Flächen ein Lebensraum, in dem sich mehr Insekten ansiedeln. Die verschiedenen Blühzeiträume gewährleisten darüber hinaus eine ausreichende Nahrungsversorgung für Insekten über einen längeren Zeitraum. Im Winter garantiert eine natürliche Wiese Rückzugsgebiete und Nahrungsquellen für Vögel.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

 

Besuchen Sie uns

Daimler AG, Mercedes-Benz, Werk Mannheim

Hanns-Martin-Schleyer-Strasse 21-57
68305 Mannheim

Öffnungszeiten: nach Absprache, nicht für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich

Frau Rebecca Fritsch
rebecca.fritsch@daimler.com

 

Weitere Infos

Daimler AG, Mercedes-Benz, Werk Mannheim
Mannheim

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld