Feldhamsterland

Der Feldhamster (Cricetus cricetus) ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Das Projekt Feldhamsterland bringt Landwirtschaft, Behörden, ehrenamtliche Feldhamsterfreunde und Naturschutzorganisationen zusammen, um dem bunten Nager zu helfen.
Im Projekt werden Feldhamsterbestände mit Ehrenamtlichen in einem Citizen Science Ansatz kartiert. Mit den so erfassten Daten können dann in Kooperation mit landwirtschaftlichen Betrieben Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. In der Kommunikation mit Landwirtschaft, Behörden und Öffentlichkeit stehen die Projektbeteiligten für den Schutz des Feldhamsters ein. In den jeweiligen Projektregionen sind Regionalkoordinatorinnen und Regionalkoordinatoren vor Ort. Sie sind zuverlässige Ansprechpartner für alle Akteure rund um das Thema Feldhamster. Im Rahmen des Projektes wird sowohl regional als auch überregional eine intensive Öffentlichkeits- und Pressearbeit betrieben.
Feldhamsterland wird vom Bundesamt für Naturschutz im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert. Projektpartner sind das Forschungsinstitut Senckenberg, der Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V., die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. und die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Die Deutsche Wildtier Stiftung koordiniert und leitet das Projekt.

Der Feldhamster profitierte in Deutschland lange von der Landwirtschaft. Auch heute noch lebt er hauptsächlich auf landwirtschaftlicher Nutzfläche. Doch mit der Abnahme der biologischen Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen wurde auch der Feldhamster vielerorts zurück gedrängt. Die Art braucht Deckung als Schutz vor Fressfeinden sowie Nahrung für den Sommer und zum hamstern für den Winter. Auf großen Feldern und mit deutlich früherer Ernte ist beides häufig Mangelware.
Ein zentrales Element des Projektes Feldhamsterland sind die Regionalkoordinatoren. Sie halten den Kontakt zu den Landwirten, mit denen Schutzmaßnahmen für den Feldhamster vereinbart und umgesetzt werden. Sie koordinieren die Kartier-Arbeit der Ehrenamtlichen und betreiben lokale Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Der persönliche Kontakt und die langfristige, vertrauensvolle Zusammenarbeit sind wertvolle Ressourcen.
Kartieren. Um Feldhamster schützen zu können, muss bekannt sein wo genau noch Hamsterbaue sind. Dafür müssen große Flächen kartiert werden. Bei dieser Arbeit sind ehrenamtliche Helfer unerlässlich. So werden aktuelle Daten zur Verbreitung gewonnen. Gleichzeitig lernen die Ehrenamtlichen die Biologie des Feldhamsters und Herausforderungen des Artenschutzes in der Agrarlandschaft kennen. Sie werden über ihre Arbeit und das dabei Erlernte zu Botschaftern für die Art. Die Wirkung des Projektes Feldhamsterland ist über die engagierten Ehrenamtlichen nicht auf die Laufzeit des Projektes begrenzt. Die gesammelten Daten werden in einer interaktiven Onlinekarte – dem Feldhamsteratlas – erfasst. Auf dieser Grundlage können Maßnahmen mit landwirtschaftlichen Betrieben geplant werden.
Kooperieren. Zusammen mit Landwirten werden Maßnahmen geplant und Fördermöglichkeiten gesucht. Der Feldhamster braucht keine Naturschutzgebiete. Er besiedelt in Deutschland hauptsächlich landwirtschaftlich genutzte Flächen. Ob die Art eine Chance hat zu überleben, hängt also vor allem von unserer Landwirtschaft ab. Bis vor wenigen Jahrzehnten hat die Landwirtschaft ohnehin so gearbeitet, dass der Feldhamster gute Bedingungen vorfand. Heute ist das anders: Größere Flächen, frühere Ernten und weniger Struktur- und Pflanzenvielfalt in der Agrarlandschaft machen dem Nager das Leben schwer. Im Projekt Feldhamsterland begreifen wir „die Landwirtschaft“ nicht als Gegner, sondern als wichtigen Partner. Die Industrialisierung der Landwirtschaft war und ist wichtig, um Versorgungsengpässe zu vermeiden und ist ein wichtiges Fundament unseres Wohlstandes. Die industrialisierte Landwirtschaft ist heute aber eben auch ein Hauptgrund für das rasante Artensterben. Wir müssen also gemeinsam die Landwirtschaft so weiter entwickeln, dass neben Lebensmitteln auch biologische Vielfalt ein Produktionsziel wird. Wenn Landwirte wissen, dass der Feldhamster auf ihren Flächen vorkommt, können sie schon mit wenig Aufwand viel für die Art tun. Die Ertragsminderungen können über Fördermittel kompensiert werden. Kleine Flächen, auf denen Getreide bis in den Oktober stehen bleibt, sind ein Beispiel. Auch hilft es, wenn nach der Getreideernte die Stoppeln nicht gleich umgepflügt werden. Von solchen Maßnahmen profitieren immer auch andere Arten der Feldflur.
Kommunizieren. Hamster sind vielen als Haustiere bekannt. Dass es in Deutschland wildlebende Verwandtschaft der häufig als Haustiere gehaltenen Hamsterarten gibt, ist hingegen kaum bekannt. Die Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit für die Belange des Feldhamsters ist deshalb ein wichtiges Ziel im Projekt Feldhamsterland. Dies erfolgt über Bildungsangebote für Jung und Alt, sowie eine aufwändige Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Über die Projektwebsite Feldhamster.de, soziale Medien, einen Projektfilm auf YouTube, Vorträge, Fernsehbeiträge und Zeitungsartikel wird ein breites Publikum erreicht. Mit beispielsweise der kunstvoll gestalteten Feldhamsterplakette oder den mit Holzschnitten bedruckten Zollstöcken für Ehrenamtliche wird ein attraktives Design genutzt, um dem Projekt zu mehr Reichweite zu verhelfen (Bsp.: Die Feldhamsterplakette wird als Aufkleber stark nachgefragt und so die Projektwebsite beworben). Durch zielgerichtete Kommunikation mit landwirtschaftlichen Betrieben und Zusammenarbeit mit Behörden soll die bisher mangelhafte Akzeptanz von Schutzmaßnahmen verbessert werden.

Nach Abschluss des fünfjährigen Projektes bestehen in den Projektregionen Netzwerke für den Feldhamsterschutz aus Ehrenamtlichen, Landwirten und Behörden. Gepflegt werden diese von den Regionalkoordinatoren. Sinnvolle bestehende Maßnahmen sind besser etabliert, neue Maßnahmen stärken den Feldhamsterschutz. In ausgewählten Schwerpunktgebieten sind konzentriert Schutzmaßnahmen eingerichtet. Der Kenntnisstand und die Sensibilität für die Art bei Landwirten, Behörden und einer breiten Öffentlichkeit sind deutlich erhöht und der politische Wille für den Erhalt des Feldhamsters als Teil der biologischen Vielfalt in Deutschland ist gestärkt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Rund die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. In Sachen biologische Vielfalt ist die Landwirtschaft daher ein wichtiger Akteur. Der Feldhamster ist als Art schützenswert und zugleich eine geeignete Schirmart für biologische Vielfalt auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Denn von einer feldhamsterfreundlichen Bewirtschaftung profitieren auch eine Reihe anderer bedrohter Tierarten, wie beispielsweise Rebhuhn, Feldlerche oder Grauammer. Es muss gelingen, die gemeinsame Agrarpolitik so zu verändern, dass biologische Vielfalt nicht ein „teures Hobby“ für Landwirtinnen und Landwirte ist, sondern ein mögliches Produktionsziel. Subventionen dürfen nicht weiter ökologisch schädliche Abläufe fördern. Die Marktverzerrung über Subventionen der Landwirtschaft mit dem Argument, Europa könne nur so am Weltmarkt mithalten, haben sowohl in Europa als auch weltweit gewaltigen ökologischen und sozialen Schaden angerichtet. Diese Praxis muss beendet werden. Öffentliches Geld soll Leistungen für das Allgemeinwohl fördern. Im Projekt Feldhamsterland können wir Aufmerksamkeit für den Feldhamster und den Artenschutz in der Feldflur schaffen, lokal Populationen schützen und zugleich als ein Akteur von vielen darauf drängen, dass die Agrarpolitik umgestellt wird - für mehr biologische Vielfalt.

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Besuchen Sie uns

Deutsche Wildtier Stiftung

Christoph-Probst-Weg 4
20251 Hamburg

Öffnungszeiten: -

Herr Moritz Franz-Gerstein
Tel.:040 9707869-23
Feldhamster@DeWiSt.de
https://www.feldhamster.de/

 

Weitere Infos

Deutsche Wildtier Stiftung, Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.,Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V., Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, Forschungsinstitut Senckenberg
Hamburg

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