Sonderwettbewerb Soziale Natur

Natur ohne Barrieren

Für über 10 Millionen Menschen in Deutschland und fast 80 Mio. in Europa ist der Alltag mit verschiedensten Barrieren verbunden. Oftmals reichen Rampen statt Stufen nicht aus, um ein Gebiet barrierefrei zu gestalten.

Barrierefreiheit steht für eine Umwelt, die für alle Menschen ohne fremde Hilfe zugänglich ist. Dazu tragen Rampen, aber z. B. auch Schilder in leichter Sprache, Videos in Gebärdensprache, Braille-Beschriftungen oder Audioinformationen bei. Damit die Natur für alle erlebbar wird, brauchen wir mehr barrierefreie Zugänge.

Unser Projekt „Natur ohne Barrieren“ entwickelt Leitlinien für eine barrierefreie Gestaltung von Naturlehrpfaden. Es fasst Erfahrungen aus mehreren europäischen Ländern zusammen. Mit diesem Projekt wollen wir die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Deutschland aber auch anderen europäischen Ländern fördern.

Das Projekt „Sicherstellung des Zugangs zu Umweltbildung und Naturerlebnis für Menschen mit Behinderung“ (kurz: Natur ohne Barrieren) konzentriert sich auf einem verbesserten Zugang zu Informationen zur Natur und Biodiversität für die Menschen mit Behinderung, die leider noch oft beim Naturerlebnis ausgeschlossen sind. Auch wenn Barrierefrei nur für einen Teil der Bevölkerung notwendig ist, ist es für 100 % der Nutzer hilfreich.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten im Jahr 2013 über 10 Millionen Menschen mit Behinderung in Deutschland. Die EU-Agentur für Grundrechte spricht von rund 80 Millionen europaweit. Diese Menschen sind in ihrem Alltagsleben mit Barrieren aller Art konfrontiert. Inklusion steht zwar ganz oben auf der politischen und gesellschaftlichen Agenda, in der Realität stockt aber oft die Umsetzung. Wenn auch die Integration auf dem Arbeitsmarkt sowie die Infrastrukturanpassungen immer besser gelingen, bleibt ein weiterer, nicht weniger wichtiger Bereich nur bedingt berücksichtig: der Aufenthalt in der Natur, und damit der Zugang zu den wichtigen Themen wie Biodiversität und Naturschutz.
Unser Projekt soll Aktiven in der Naturpädagogik helfen, Möglichkeiten für mehr Barrierefreiheit und Inklusion in Angeboten einzuschätzen und die Frage zu beantworten, wie die Informationen zu Naturschutz und Biodiversität die verschiedenen Empfängergruppen am besten erreichen. Die erstellten Leitlinien geben Ideen und unterstützen bei der Gestaltung und Anpassung von Naturführungen an die Bedürfnisse behinderter Menschen. Sie helfen auch bei der Aufbereitung von Lehrpfaden und Materialien für eine barrierefreie selbstständige Nutzung. Methodische Beispiele liefern Anregungen für die Arbeit mit vier Zielgruppen: Einschränkungen in Mobilität, Hören, Sehen und Wahrnehmung.
Zwei wichtige Fragen wollen wir im Projekt beantworten:
1. Wie kann das Angebot von Führungen für Menschen mit Behinderung verbessert werden?
2. Wie können Naturlehrpfade für eine selbstständige Nutzung durch Menschen mit Behinderungen vorbereitet und/oder verändert werden?

Im Rahmen des Projekts entwickeln wir:
• Leitfäden zur Anpassung von Naturführungen an die Bedürfnisse behinderter Menschen
• Praxisnahe Vorschläge für die Umgestaltung von Naturlehrpfaden zur barrierefreien selbstständigen Nutzung
• Modelbeschreibungen zum barrierefreien Umbau von Naturlehrpfaden und Lernmaterialien: Abbau von physischen und kommunikativen Barrieren
• Methodische Handreichungen für die Arbeit mit vier Zielgruppen: Einschränkungen in Mobilität, Hören, Sehen und kognitive Beeinträchtigung
• Erklärende Webinare für eine gezielte Nutzung von allen Materialien

Alle Informationen zum Projekt sind im Internet frei zugänglich. Die ersten Leitfäden sowie viele hilfreiche Informationen, demnächst auch Videos in Gebärdensprache, Audio-Führer, Hinweise zu Übersichtskarten für blinde und sehbehinderte Menschen und Informationen in leichter Sprache finden Sie unter: www.nature-without-barriers.eu.
Das Projekt hat im September 2019 gestartet und läuft bis Februar 2021. Die europäischen Erfahrungen zusammen zu tragen, die vorhandenen Kriterien und Programme zu analysieren und eine praktische und praktikable Umsetzungshilfe für Aktive in der Naturpädagogik in Europa auszuarbeiten, das sind die wichtigsten Ziele unseres Projekts, welches durch das Programm Erasmus+ der Europäischen Union gefördert wird. Menschen mit Einschränkungen sind bei der Entwicklung der Richtlinien und der Erprobung von Maßnahmen die wichtigsten Fachleute in ihrer Sache. Ein besonders wichtiger Punkt im Projekt ist der Abbau von Kommunikationsbarrieren.
Fünf Partnerorganisationen in vier europäischen Ländern arbeiten zusammen für mehr Barrierefreiheit im Naturerlebnis: der Global Nature Fund (Koordinator) und der Deutsche Blinden und Sehbehindertenverband (DBSV) in Deutschland, der Umweltdachverband in Österreich, die Naturschutzorganisationen Stowarzyszenie Ekologiczne „Etna“ aus Polen und Lake Balaton Development Coordination Agency (LBDCA) vom Balaton-See in Ungarn. Gemeinsam wollen wir zeigen, dass man schon mit einfachen Mitteln viel bewegen kann.

Im Moment wird unser erster Leitfaden für geführtes Naturerlebnis fertiggestellt. Parallel wird die Projektwebseite entwickelt und die Infomaterialien werden vorbereitet. Mit dem Fertigstellen des ersten Outputs wird auch die Webseite freigeschaltet. Ab dann fängt die aktive Verbreitungsarbeit an, die über das Projektende hinaus geht.

Das Projekt ist nicht territorial gebunden. Die Ergebnisse können in allen Regionen Deutschlands, aber auch Europas verwendet werden.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Verständnis der Menschen für das Konzept der Biodiversität ist sehr unterschiedlich. Die Situation der biologischen Vielfalt in der EU 27 ist nicht sehr positiv. Selbst Länder wie Deutschland, die als "Pioniere" bei der Förderung der Biodiversität gelten, machen kaum spürbare Fortschritte. Laut der Umfrage des Bundesamtes für Naturschutz hat sich das Bewusstsein für den Begriff der Biodiversität seit 2005 nicht verändert und schwankte um 25%. Die TEEB-Studien (http://www.teebweb.org) für verschiedene europäische Länder zeigen, dass die Regierungen in Europa beginnen, den Wert der biologischen Vielfalt für die Menschen zu messen, aber das gemeinsame Verständnis ist im Allgemeinen schwach und die Erfüllung der EU-Strategien und -Vorschriften für die biologische Vielfalt ist extrem schlecht. Diese Beobachtungen deuten auf einen Mangel im Bildungssystem zur Biodiversität hin. Ein wichtiges Ziel hier ist, die Bedeutung der Biodiversität verständlich für alle zu machen und Informationen dazu – zugänglich für alle.
Das Projekt „Sicherstellung des Zugangs zu Umweltbildung und Naturerlebnis für Menschen mit Behinderung“ (kurz: Natur ohne Barrieren) konzentriert sich auf einem verbesserten Zugang zu Informationen zur Natur und Biodiversität für die Nutzergruppen, die leider noch oft beim Naturerlebnis ausgeschlossen sind.


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GNF Büro Berlin

Hackescher Markt 4
10178 Berlin

Öffnungszeiten: 9:00 - 15:00

Frau Katja Weickmann
weickmann@globalnature.org
http://nature-without-barriers.eu

 

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