Sonderwettbewerb Soziale Natur

Ein Garten für die Seele

Der 8000 Quadratmeter große Garten des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke bei Bremen verbindet soziale, therapeutische und die biologische Vielfalt fördernde Funktionen gleichermaßen. Für die Eltern der unheilbar erkrankten Kinder ist er eine willkommene und bunte Abwechslung zum Alltag, die Geschwister können sich in dem naturnah gestalteten Areal zwischen Stauden, Büschen, Sträuchern und Schnittblumen nach Herzenslust austoben. Die Mitarbeiter schöpfen in der Natur neue Kraft für die täglichen Aufgaben oder kommen mit Eltern und Kollegen ins Gespräch. Darüber hinaus wurde bei der Gestaltung viel Wert auf die biologische Vielfalt gelegt – da der Garten im Kinder- und Jugendhospiz auch einen therapeutischen Anspruch hat. Fühlen, riechen, hören, schmecken, sehen: Alle Sinne der Kinder werden durch die ganz unterschiedlichen Pflanzen angesprochen und stimuliert. Und selbst der schwierige Themenkomplex „Trauer, Tod und Abschied“ findet sich im Garten wieder – in Form von unterschiedlich gestalteten Erinnerungsbeeten für die verstorbenen Kinder und Jugendlichen.

Das Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz am Stadtrand von Syke, umgeben von Feldern und direkt am Wald gelegen, nimmt unheilbar erkrankte Kinder auf – gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern. Hier erhalten sie liebevolle Unterstützung, sodass die Familie anschließend gestärkt und mit neuen Kräften wieder nach Hause zurückkehren kann. Der insgesamt 8000 Quadratmeter große barrierefreie Garten im Löwenherz trägt dazu maßgeblich bei. Er wird von den erkrankten Kindern, ihren Eltern und Geschwistern sowie Besuchern und auch Mitarbeitern gleichermaßen gerne genutzt. Darüber hinaus ist er mit seiner Biodiversität eine willkommene Unterstützung bei der therapeutischen Arbeit.
Das beginnt bereits bei der Ankunft der Familien auf dem Gelände. Dort werden sie von üppig blühenden Staudenbeeten empfangen. Sie blühen von März bis November, sind farbenfroh und abwechslungsreich und ein wichtiger Lebensraum für Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Bedingt auch durch die Nähe zum Wald leben und nisten in den Büschen und Bäumen verschiedene Tier- und Vogelarten.
Die barrierefreien Wege durch den Garten laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein, Sitzplätze und Strandkörbe sind je nach Bedarf für Familien und Mitarbeiter Treffpunkt oder Rückzugsmöglichkeit. Der Garten mit seinen Stauden, Kräutern, einjährigen Schnittblumen und Rosen ist oft Gesprächsthema bei den belasteten Familien, sie kommen so auch auf andere Gedanken. Und entlang der Wege gibt es in den blühenden und dufteten Beeten immer etwas zu entdecken.
Eingebettet im Grün befinden sich Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Unter anderem eine Rutsche, ein Sand- und Wasserspielplatz, Schaukeln und das Highlight: ein im Boden eingelassenes Trampolin, auf dem Kindern, Eltern und Mitarbeitern liebend gerne hüpfen und springen. Ein ausgebauter Bauwagen und eine Feuerstelle laden zum Verweilen ein. Der fröhlich plätschernde Bachlauf hat eine entspannende und beruhigende Wirkung, dient Tieren und Insekten als Wasserquelle und wird von den Kindern gerne zum Spielen genutzt.
Ein Teilbereich des Gartens wurde gezielt zur Förderung der Sinneswahrnehmung bei den Jugendlichen und Kindern geplant und ist fester Bestandteil für Bewegung, Therapie und Aufenthalt – gleichzeitig bietet er eine biologische Vielfalt, die ihresgleichen sucht.
Schöne Sandsteinmauern grenzen die Hanglage zum Wald ab. Die Hochbeete sind so angelegt, dass die unzähligen Sinnespflanzen leicht zu erreichen sind. Diese wurden wegen ihrer stimulierenden Wirkung ausgewählt. Cola- und Olivenkraut, Thymian, Salbei, Lavendel, Teppichkamille, Ziermajoran, Lakritztagetes oder Pfefferminze verströmen bei zarten Berührungen einen unverwechselbaren Duft und erzielen so eine große Wirkung. Naschbeete mit Monatserdbeeren, Blaubeeren und Joster sowie vor den Pflegezimmern rankende Trauben und Kiwis fordern den Geschmackssinn heraus, während das Gehör vom Brummen und Summen der Insekten, den unterschiedlichen Windgeräuschen von Bäumen und Gräsern und den klappernden Früchten der Pimpernuss inspiriert wird. Kontrastreiche und farblich abgestimmte Pflanzkombinationen und ein Zusammenspiel verschiedenster Blattformen fordern die Augen heraus. Im Sommer leuchten bunte Schnittblumenbeete durch den ganzen Garten. Sonnenhut, Zinnien und Löwenmäulchen blühen um die Wette. Die Kinder und Jugendlichen können zudem unterschiedliche Blattoberflächen mit Händen und Füßen berühren. Zum Beispiel den Wollziest, die kitzlig-zarten Blätter der Teppichkamille oder die pieksigen Polsternelken.
Tod, Trauer, Abschied und Erinnerung – auch diese Themen finden sich im Löwenherz-Garten wieder. So ist das Erinnerungsbeet für die verstorbenen Jugendlichen mit einem Leuchtturm gestaltet – dieser symbolisiert das Thema des Jugendhospizes „Auf große Fahrt gehen“. Umrundet wird der Leuchtturm von Muscheln, Federgras und Strandflieder. Das Erinnerungsbeet der verstorbenen Kinder beherbergt bunte Steine, die von den Eltern in Gedenken an ihre Kinder selbst gestaltet wurden. Passend zum symbolischen Thema „Schmetterlinge“ wachsen dort ausschließlich Schmetterlingspflanzen: Gamander, Skabiose, Ziermajoran, Katzenminze und Schmetterlingsflieder.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Neben den therapeutischen und sozialen Funktionen kommt dem Garten des Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz eine weitere zentrale Rolle zu: Die Förderung der biologischen Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt. Die Streuobst- und Blumenwiese bietet wertvolle Rückzugsräume für Vögel und Insekten, Nahrungsquellen gibt es vom frühen Frühjahr bis in den späten Herbst hinein – dafür sorgt die üppige Blütenpracht der vielen Schnittblumen und Stauden. Im Fokus bei der Garten-Gestaltung steht immer auch der Gedanke, möglichst naturnah mit vielen heimischen Pflanzen und Gehölzen zu arbeiten – davon zeugen zum Beispiel Holunder, Haselnuss, Schlehe, Weißdorn, Felsenbirne und Kornelkirsche. Der reichhaltig bestückte „Küchengarten“ mit Liebstöckel, Bohnenkraut, Thymian, Oregano, Estragon, Rosmarin, Schnittlauch, Pimpinelle, Borretsch und Rauke zieht nicht nur Insekten an, sondern kann bei Bedarf von Mitarbeitern oder Eltern zum Verfeinern der Speisen genutzt werden. Und Salbei, verschiedene Minzsorten und Zitronenmelisse eignen sich hervorragend für einen frischen Tee. Der Löwenherz-Garten leistet somit nicht nur einen wichtigen Beitrag für die tägliche Arbeit mit den erkrankten Kindern und das Wohlbefinden von Eltern und Mitarbeitern – er fördert auf einer Fläche von 8000 Quadratmetern ganz explizit die biologische Vielfalt. Und das zu jeder Jahreszeit.


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Kinderhospiz Löwenherz e.V.

Plackenstraße 19
28857 Syke

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: 9 - 16 Uhr, Freitag: 9 - 13 Uhr; Der Garten des Kinderhospiz kann nur am Tag der offenen Tür (jedes Jahr am 3. Wochenende im September) besichtigt werden.

Frau Nicole Schmidt
Tel.:04242/59250
info@loewenherz.de
http://www.loewenherz.de

 

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Syke

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