Spurensuche Gartenschläfer

Spurensuche Gartenschläfer - Eine Schlafmaus verschwindet. Er ist der kleine Verwandte des Siebenschläfers, fühlt sich in Hausgärten, Weinbergen und Obstwiesen, aber auch in kühleren Hochlagen der Mittelgebirge wohl und ist durch seine „Zorro-Maske“ unverkennbar: der Gartenschläfer. Seine Bestände sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen, in vielen Regionen Deutschlands ist er bereits ausgestorben. Warum, ist völlig unklar.

Hier setzen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung an. Sie wollen den Ursachen für den Rückgang der Gartenschläfer auf den Grund gehen und anhand dessen ein wirkungsvolles Schutzkonzept entwickeln und umsetzen. Möglich ist das nur mit einer breiten Unterstützung von Freiwilligen beim Monitoring und bei den Schutzmaßnahmen. Alle gemeinsam für den kleinen „Superhelden“. Denn wenn eine scheinbar so anpassungsfähige Tierart verschwindet, was bedeutet das dann für unsere Artenvielfalt?

Eine Schlafmaus verschwindet. Der Gartenschläfer war ursprünglich in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas heimisch. Sein Verbreitungsgebiet reichte von der Atlantikküste Portugals und Frankreichs bis zum südlichen Ural in Russland und Finnland sowie bis Südspanien und Sizilien. Mittlerweile ist er jedoch in einigen Ländern Europas bereits ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. Allein in den letzten 30 Jahren ging die Verbreitung des Gartenschläfers europaweit um rund 50 Prozent zurück.

In Deutschland lebt heute ein großer Teil des weltweiten Gartenschläfer-Bestandes. Deshalb kommt Deutschland nach der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Art zu: Der Gartenschläfer ist eine sogenannte Verantwortungsart. Doch auch aus vielen Regionen in Deutschland werden zum Teil drastische Bestandsrückgänge gemeldet.

Erforschen und Schützen
Im Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ soll den Ursachen für den Rückgang der Gartenschläfer auf den Grund gegangen werden. Innerhalb von sechs Jahren – der Start war im Oktober 2018 – wollen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung herausfinden, welche Faktoren relevant für den Rückgang sind: Nahrungsgewohnheiten, und -angebote, Lebensraumansprüche und Klima, genetische Strukturen, Krankheiten, Fressfeinde und vieles mehr.
Mit Hilfe dieser Erkenntnisse soll anschließend ein wirkungsvolles Schutzkonzept für die Schlafmaus entwickelt und umgesetzt werden. Das Ziel des Projektes ist, die Bestände des Gartenschläfers in einem großen Teil seines Verbreitungsgebiets in Deutschland zu sichern.

Was haben wir vor?
Wir erfassen die aktuellen Bestände des Gartenschläfers.
Wir untersuchen die Ursachen für das Verschwinden des Gartenschläfers. Wir entwickeln ein bundesweites Schutzkonzept und regional angepasste Schutzmaßnahmen und setzen diese um.
Wir unterstützen die Wildtierauffangstationen, auch bei der fachgerechten Freisetzung der Tiere.
Wir gründen neue und vernetzen isolierte Gartenschläfervorkommen im einstigen Verbreitungsgebiet.

Citizen Science
Ein großes Netz von Freiwilligen unterstützt die Wissenschaftler*innen bei ihren Forschungsfragen: Durch die Kontrolle von sogenannten Spurtunneln, in denen die Fußabdrücke der Gartenschläfer aufgenommen werden, durch die Auswertung der Fotos aus Wildkameras sowie beim Sammeln des Kots von Bilch-Nistkästen für die Nahrungsanalyse. Ohne die Hand in Hand funktionierende Partnerschaft zwischen Forscher*innen und freiwilligen Naturschützer*innen wäre eine derart umfangreiche methodische Erfassung nicht möglich. Aus der Bevölkerung gibt es zudem zahlreiche Meldungen von Gartenschläfern, die dazu beitragen die aktuelle Verbreitung des Gartenschläfers in Deutschland aufzuzeigen.

Projektregionen
So unterschiedlich die Lebensräume des Gartenschläfers sind, so unterschiedlich müssen auch die Projektgebiete sein – der windige und kalte Fichtenbestand im Harz, die warmen sonnigen Weinberge am Rhein oder die städtischen Gärten von Wiesbaden. Nur so können wir den Ursachen für sein Verschwinden auf die Spur kommen. Die Projektgebiete umfassen sowohl das wahrscheinliche Verbreitungszentrum im Südwesten Deutschlands als auch die derzeitigen Randgebiete des Gartenschläfervorkommens. Damit finden sich auch die verschiedenartigen Lebensräume des Gartenschläfers im Projekt wieder. So können die Populationen und Bedingungen der einzelnen Gebiete gut miteinander verglichen werden. Zudem sind in den Randgebieten der Verbreitung die Rückgänge deutlicher und schneller spürbar, also vermutlich leichter zu erfassen.

Steckbrief des Gartenschläfers (Eliomys quercinus)
• Zuordnung: Nagetier aus der Familie der Bilche (Schlafmäuse)
• Größe: Körperlänge 12-17 cm, Schwanzlänge 10-14 cm
• Gewicht: 60-90g, im Winter bis über 130g
• Nachwuchs: meinst nur ein Wurf pro Jahr, vier bis sechs Junge, mit etwa 40 Tagen sind diese selbständig
•Lebensweise: nachtaktiv, ausgedehnter Winterschlaf
• Nahrung: Der Gartenschläfer ist ein Allesfresser: v.a. Insekten, Spinnen, Würmer, Schnecken und Eier aber auch Früchte, Samen und Knospen

Seine Vorliebe für Früchte wird ihm gelegentlich auch zum Verhängnis, denn der kleine Bilch wird als lästig empfunden, etwa in Gärten, im Wein- oder Obstbau. Er nascht gerne von Beeren und anderem Obst und kann in der Paarungszeit auch schon mal recht laut werden. Sind geeignete Einschlüpfe vorhanden, fühlen sich Gartenschläfer auch im Haus wohl und bedienen sich dann gern an Vorräten. In den Regionen, in denen der Gartenschläfer in Siedlungen vorkommt, ist es deshalb kaum vorstellbar, dass er vom Aussterben bedroht sein könnte. Ermöglicht wird dieses Projekt durch die Förderung im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Spurensuche Gartenschläfer ist ein Artenschutzprojekt, das in erster Linie zum Stopp des Artenrückgangs beitragen möchte.
Es ist das erste bundesweite Projekt zu der Verantwortungsart Gartenschläfer.

„Verantwortungsarten“ sind Arten, für die Deutschland aus globaler Perspektive eine besondere Verantwortlichkeit zugemessen wird, weil sie nur hier vorkommen, ein bedeutender Teil der Weltpopulation hier vorkommt oder die Art weltweit gefährdet ist. Bei diesen Arten sind besondere Anstrengungen erforderlich, um den Weltbestand zu sichern. Ihr Schutz hat einen hohen Stellenwert im Naturschutz.“ (BfN, Internetseite).
Es dient dem Schutz sowie der Entwicklung der biologischen Vielfalt regional genetisch unterschiedlichen Gartenschläferpopulationen sowie weiterer Arten, die deren Lebensraum teilen.

Es operationalisiert die Nationale Biodiversitäts-Strategie, indem es am konkreten Beispiel Gartenschläfer die verschiedenen Facetten der Biodiversität (innerartlich, überartlich, regional, national, europaweit) gegenüber Öffentlichkeit und Politik durch Öffentlichkeitsarbeit verdeutlicht.

Weiterhin gibt es zahlreiche Einbindungen und Überschneidungen zu lokalen und regionalen Konzepten zur Umsetzung der Nationalen Biodiversitäts-Strategie wie zum Schutz von Höhlenbäumen, Programmen zum Schutz des Gartenrotschwanzes, Nisthilfen für Fledermäuse und Vögel etc.

Video:


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Dokumente

Flyer ´Spurensuche Gartenschläfer´

 

Besuchen Sie uns

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.

Kaiserin-Augusta-Allee 5
10553 Berlin

Öffnungszeiten: 9:00-16:00 Uhr, freitags 9:00-13:00 Uhr

Frau Mechthild Klocke
Tel.:+493027586471
mechthild.klocke@bund.net
http://www.gartenschlaefer.de

 

Weitere Infos

Justus-Liebig-Universität Gießen; Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.
Berlin

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