Lebendige Bäche in Bayern

Im Rahmen des Projektes „Lebendige Bäche in Bayern - Beitrag zur Hochwasservorsorge und biologische Vielfalt“ wurden in 11 verschiedenen Projektgebieten über 100 km Gewässer III. Ordnung kartiert. Anhand der Ergebnisse wurde für jedes Projektgebiet ein Konzept erstellt, welches die aktuellen Beeinträchtigungen und angepasste Maßnahmenempfehlungen aufführt.
Der Wille zur Verbesserung des derzeitigen Zustandes der untersuchten Bäche wurde vor allem bei den Gemeindevertretern gestärkt. Auch zahlreiche Anlieger konnten überzeugt werden, sodass der Weg für die Umsetzung weiterer Maßnahmen geebnet wurde. Speziell bei Einzelgesprächen und gemeinsamen Besichtigungen vor Ort konnten Gemeindevertreter und Anlieger von der Wichtigkeit einzelner Maßnahmen für die biologische Vielfalt überzeugt werden. Die bereits umgesetzten und angestoßenen Maßnahmen werden öffentlichkeitswirksam begleitet, sodass weitere Kommunen und Anlieger zu einer naturnahen Gestaltung ihrer Fließgewässer animiert werden.
Die gesammelten planungs- und umsetzungsrelevanten Erfahrungen wurden in einer Praxisbroschüre zusammengestellt. Diese soll Gemeindevertreter dabei unterstützen, den Handlungsbedarf an ihren Bächen zu erkennen und aktiv Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung einzuleiten und umzusetzen. Die Verbreitung der Broschüre erfolgte unter anderem durch eine Empfehlung des Bayerischen Gemeindetags an sämtliche Kommunen Bayerns.
Die Zusammenarbeit mit den bisherigen und neuen Kommunen wird fortgesetzt.

Die Zuständigkeit für den Schutz und Erhalt der bayerischen Bäche liegt überwiegend bei den Gemeinden. Mit dem Projekt „Lebendige Bäche in Bayern - Beitrag zur Hochwasservorsorge und biologische Vielfalt“ des Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. - Verband für Arten- und Biotopschutz (LBV) sollen der Schutz und Erhalt Fließgewässer III. Ordnung stärker in den Fokus der Gemeinden gerückt werden. Zahlreiche Akteure, wie zum Beispiel die Gemeinden sowie die Fachbehörden der Wasserwirtschaft, des Naturschutzes, der Ländlichen Entwicklung und der Bayerischen Staatsforsten wurden dabei vernetzt. Durch verschiedene Pilotprojekte wurden seit 2015 umfassende planungs- und umsetzungsrelevante Erfahrungen erarbeitet und in einer Praxisbroschüre zusammengefasst. Diese Broschüre unterstützt Gemeindevertreter dabei, den Handlungsbedarf an ihren Bächen zu erkennen und aktiv Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung einzuleiten und umzusetzen. Anhand anschaulicher Praxisbeispiele finden sie hier Informationen zum strategischen Vorgehen in der kommunalen Gewässerentwicklung, zur fachlichen Unterstützung und zur Finanzierung von Planung und Umsetzung. Die Praxisbroschüre wurde unter anderem in einer Empfehlung des bayerischen Gemeindetages sämtlichen bayerischen Kommunen vorgestellt. Zum Download steht sie auf der LBV Homepage bereit: https://www.lbv.de/naturschutz/lebensraeume-schuetzen/baeche/
Im Laufe des Projektes war der LBV in 11 verschiedenen Projektgebieten in 6 Regierungsbezirken Bayerns und unterschiedlichen Naturräumen aktiv. In enger Kooperation mit den Gemeinden, den jeweils zuständigen Fachstellen sowie den Anliegern wurden die ausgewählten Gewässer speziell auf ihre Struktur hin begutachtet, wobei insbesondere gewässermorphologische Beeinträchtigungen betrachtet und analysiert wurden.
Auf Grundlage der Kartierungsergebnisse wurden Maßnahmenempfehlungen zur Verbesserung der Gewässerstruktur und zum schonenden Gewässer-Unterhalt erarbeitet und diese nach ihrer ökologischen Wirksamkeit und Umsetzbarkeit priorisiert. Der aktuelle Zustand der untersuchten Fließgewässer III. Ordnung inklusive deren Beeinträchtigungen sowie Maßnahmenempfehlungen zur Verbesserung der Gewässerökologie wurden in Konzepten für das jeweilige Projektgebiet zusammengefasst. Die Konzepte zeigen auf, wie Kommunen den Gewässerschutz im Zuge allgemeiner kommunaler Planung, als Ausgleichsmaßnahmen und in Verfahren der Ländlichen Entwicklung umsetzen können.
Von den vorgeschlagenen Maßnahmen profitieren nicht nur die Anwohner, die eine lebendigere Landschaft genießen können, sondern ganz besonders auch die biologische Vielfalt der Lebensräume in Bayerns Bächen und der angrenzenden Auen und somit zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Darüber hinaus kann ein Beitrag zur Hochwasservorsorge geleistet werden. Haben Bäche mehr Raum zur Verfügung und werden Aueflächen wieder angebunden, so können sie bei Hochwasser mehr Wasser in der Fläche zurückhalten
Während der bisherigen Projektlaufzeit konnten mit Beratung durch den LBV bereits erste Maßnahmen umgesetzt werden. In der Stadt Roding konnten Bachufer abgeflacht und dadurch der Kammerweiherbach besser mit seinem Umland vernetzt werden. In der Stadt Grafenau wurden ufernahe Waldabschnitte hin zu einem standorttypischen Baumbestand hin entwickelt. In der Gemeinde Dammbach wurden ausgewählte, sensible Bereiche des Dammbaches ausgezäunt, um sie vor Trittschäden durch Vieh zu bewahren. Im Markt Waldthurn wurde in Absprache mit den betroffenen Landwirten und allen relevanten Behördenvertretern die Durchgängigkeit des Vockhofbaches verbessert. Dafür wurden Querbauwerke entnommen und Verrohrungen ökologisch verbessert. 2020 sollen die Maßnahmen fortgesetzt werden. Der Markt Kohlberg arbeitet aktuell mit einem Umweltplanungsbüro zusammen, um den Eichelbach wieder lebendiger zu gestalten. Die Umsetzung ist für 2020 geplant. Im Markt Arnstorf wurde auf Anregung des LBV die Förderung für ein Umsetzungskonzept zur naturnäheren Gestaltung des Simbach beantragt. Im Jahr 2020 soll es erstellt und mit dessen Umsetzung begonnen werden. Die Stadt Grafenau konnte zuletzt mehrere Uferstreifen an Bächen ankaufen, hier sind ab 2020 Renaturierungsmaßnahmen geplant. Auch die Bayerischen Staatsforsten haben den Gewässerschutz stärker in ihren Betriebsabläufen verankert.
Die bisherigen Projektgemeinden sowie neu dazu gekommene, engagierte Kommunen und Privatpersonen werden weiterhin beraten und unterstützt. Im Jahr 2020 steht besonders die Zusammenarbeit mit dem Markt Titting im Zentrum des Projektes. Hier soll ein ausführliches Konzept zur Beweidung der Auen und zur Verbesserung der Gewässerstruktur des Morsbaches und des Esselbergbaches erstellt und mit der Umsetzung begonnen werden.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Von jeder einzelnen, umgesetzten Maßnahme an Bächen profitiert die biologische Vielfalt der Arten und Lebensräume, die Hochwasservorsorge, das Orts- und Landschaftsbild und damit die Lebensqualität einer Gemeinde gleichermaßen, ein klassischer Synergieeffekt.
Bäche sind Hotspots der biologischen Vielfalt: über 250 Pflanzen- und 1.500 Tierarten sind auf strukturreiche, saubere Fließgewässer angewiesen. Auch angrenzende Auen sind von herausragender Bedeutung für die Artenvielfalt, wenn sie sich in einem naturnahen Zustand befinden.
Naturnahe Fließgewässer bieten von den Quellen über die angeschlossenen Auen bis hin zur Mündung ins Meer eine Vielfalt an Lebensräumen und beheimaten eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten. Strukturreiche Gewässer mit Stromschnellen, strömungsarmen Bereichen, Totholz im Wasser und unterschiedlich grobem Gesteinsmaterial bieten ein kleinräumiges Mosaik an Lebensräumen. Nur in solchen natürlichen oder naturnahen Bächen mit sauberem Wasser fühlen sich viele Pflanzen, Insektenlarven, Krebse und Fische wohl. Diese hohe Struktur- und Artenvielfalt soll im Projekt „Lebendige Bäche in Bayern“ geschützt beziehungsweise entwickelt werden.
Besonders für Fische wie zum Beispiel die Bachforelle ist die Durchgängigkeit ihres Lebensraumes essenziell, die es ihnen ermöglicht sowohl bachaufwärts als auch bachabwärts zu schwimmen. Deshalb steht auch der Um- oder Rückbau von Staustufen und Wehren im Fokus des Projektes.


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Dokumente

Praxisbroschüre Lebendige Bäche in Bayern

 

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Frau Malvina Hoppe
Tel.:09174 / 4775 - 7363
malvina.hoppe@lbv.de
https://www.lbv.de/naturschutz/lebensraeume-schuetzen/baeche/

 

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