Das Waldlabor Köln: Ein Experiment mit Wald im urbanen Raum

Das Waldlabor, ein Gemeinschaftsprojekt von Toyota Deutschland, RheinEnergie und Stadt Köln, ist das jüngste Beispiel einer über 100 Jahre andauernden Waldvermehrung in Köln, die auf einer vorrausschauenden Grünplanung beruht, deren Anknüpfungspunkt das Kölner Grünsystem mit dem Äußeren und Inneren Grüngürtel ist. Der Name „Waldlabor“ verdeutlicht, dass es sich um ein Experiment handelt. Anhand von vier Waldformationen werden die verschiedenen Funktionen von Wald im urbanen Bereich exemplarisch dargestellt. Mit dem „Energiewald“ aus schnell wachsenden Baumarten, die alle drei bis fünf Jahre geerntet werden, wird beispielhaft die Möglichkeiten zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einem Erholungsgebiet gezeigt. Es wird auch getestet, wie die radikale Veränderung des Landschaftsbildes nach der Ernte von der Großstadtbevölkerung akzeptiert wird. Der „Klimawald“ besteht aus Gehölzflächen trockenheitsresistenter Baumarten, die der Klimaerwärmung standhalten können. Diese Versuchsfläche stößt wegen des Klimawandels auf besonderes Interesse der Öffentlichkeit. Die dritte Komponente, der „Wandelwald“, besteht aus Baumfeldern, die ineinanderfließen, so dass sich kontinuierlich neue Waldeindrücke ergeben. Der ästhetische Aspekt von Wald wird hier in den Vordergrund gestellt. Im „Wildniswald“ wird eine Fläche der freien Waldentwicklung überlassen. Der Kontrast zwischen dem planmäßig angelegten „Wandelwald“ und der durch die Natur bestimmten Waldentwicklung, wird hierdurch erlebbar.

Im Waldlabor wird der Frage nachgegangen, welche Baumarten angesichts des Klimawandels geeignet sind um in Zukunft einen gesunden und stabilen Wald zu entwickeln. Aufgrund einer wissenschaftlichen Expertise des Forstbotanikers Prof. Roloff, TU Dresden, zur Eignung von Baumarten im Klimawandel für den Raum Köln, wurden 12 Baumarten (Sandbirke, Spitzahorn, Winterlinde, Hainbuche, Esskastanie, Elsbeere, Mehlbeere, Flaumeiche, Vogelkirsche, Walnuss, Robinie, Küstentanne) ausgewählt, die gut bis sehr gut für einen "Klimawald" geeignet sind. Aus der Palette der vorgeschlagenen Baumarten wurden für den Klimawald Elsbeere, Mehlbeere, Flaumeiche, Walnuss und Küstentanne ausgewählt. Im Wandelwald wurden Sandbirke, Esskastanie, Elsbeere, Vogelkirsche, Küstentanne, Douglasie und Eibe gepflanzt. Im Energiewald wurde eine breite Palette von Balsampappel-, Schwarzpappelhybriden und Weidensorten gepflanzt, um die unterschiedliche Eignung unter Kölner Standortbedingungen zu testen. Eine Teilfläche wurde mit Esskastanie, Robinie und Flatterulme aufgeforstet, um eine niederwaldartige Bewirtschaftung mit längeren Umtriebszeiten zu erproben. Eine exotische Besonderheit stellen die Anpflanzungen des Blauglockenbaums (Paulownia tomentosa) dar. Diese asiatische Baumart wird aufgrund ihres schnellen Wachstums für Energieholzplantagen, auch unter unseren Klimabedingungen empfohlen. Im Waldlabor wurde ein Sortenversuch angelegt und ein Einart-Hain mit dieser Baumart gepflanzt.

Entscheidend für die Verwirklichung des Waldlabors war das große Interesse auf das das Projekt schon bei der Planung bei den Bürgerinnen und Bürgern stieß. Es bot sich deshalb an das Waldlabor über ein breit angelegtes Spendenprojekt umzusetzen. Dazu wurde das Projekt „Ein Wald für Köln“ entwickelt. Gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Köln e.V. wird Menschen, die etwas für die Umwelt tun möchten, die Möglichkeit geboten, die Anlage von neuem Wald mit einer Spende zu unterstützen. Die Aktion findet eine große Resonanz. Am 21. März 2010, dem „Internationalen Tag des Waldes“, trafen sich Hunderte von Menschen zur Einweihung und ersten großen Pflanzaktion im Waldlabor. In nur drei Bauabschnitten konnte die gesamte Fläche des Wandelwaldes bis Ende 2012 mit den Spendengeldern aufgeforstet werden. Im Rahmen der Aktion wird seitdem auch an anderen Stellen im Stadtgebiet neuer Wald aufgeforstet. Das große bürgerschaftliche Engagement war ein wesentlicher Grund für die Unterstützung des Projektes durch die Toyota Deutschland GmbH und den regionalen Energieversorger RheinEnergie AG. Die beiden Firmen finanzierten den Klimawald und den Energiewald.

Die Anlage des Wildniswaldes begann im Jahr 2012 mit der Einstellung der landwirtschaftlichen Nutzung. Schnell entwickelte sich auf der Fläche eine üppige Sukzesssionsflora mit Weiden und Birken. In diesen Bestand wurden im Frühjahr 2015 Gruppen von Buchen gepflanzt, um die langfristige Waldentwicklung in Richtung der natürlichen Vegetation zu unterstützten. Seitdem wird die Fläche der Natur überlassen.

Die Standortverhältnisse im Waldlabor bieten günstige Voraussetzungen für die Waldentwicklung. Entsprechend gut war das Wachstum der Gehölze in den vergangenen Jahren. Allerdings braucht die Waldentwicklung noch einige Jahre Zeit, bis die Bäume ihre volle Wirkung entfalten und als Wald erlebbar werden.

Dies gilt nicht für den „Energiewald“, der nach vier Jahren bereits seinen ersten Lebenszyklus abgeschlossen hatte. Im Februar 2014 fand die erste Ernte mit einem Mähhäcksler statt. Die Bäume trieben danach schnell wieder aus dem Stock aus. Aufgrund des guten Wachstums konnte deshalb im Jahr 2018 erneut geerntet werden. Die geernteten Hackschnitzel wurden in Biomasseheizkraftwerken zur Energieerzeugung eingesetzt, wodurch ein Energieäquivalent von 240.000 Litern Heizöl ersetzt wurde. Anlässlich der Ernte führte der Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen eine sozialempirische Begleitforschung durch, um Erkenntnisse über die Akzeptanz der ersten Beerntung bei den Besuchern zu gewinnen. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass man produktive, bewirtschaftete Vegetationsformen in die Gestaltung der Erholungslandschaft einbinden kann. Wichtig ist jedoch die Kommunikation, um den Energiewald in seinen Besonderheiten zu erklären, damit die Besucher den Energiewald nicht nur als grüne Naturkulisse verstehen, sondern als sich wandelnden, öffentlichen Ort, der mit den Themen Klima und Energie verbunden ist, begreifen.

Die Themen des Waldlabors werden mit Informationstafeln und Führungen, die sich an interessierte Laien und Fachleute von Universitäten oder andere Institutionen richten, vermittelt. Der Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen organisiert im zweijährigen Turnus vor Ort eine Waldlaborwerkstatt, bei der Studierende die Möglichkeit bekommen durch Interventionen neue landschaftsarchitektonische Räume entstehen zu lassen, die die Vielschichtigkeit der Thematik sichtbar machen.


Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Waldlabor vermittelt vielfältige Aspekte der biologischen Vielfalt. Im Rahmen des Klimawaldes werden Baumarten getestet, die zum Aufbau klimastabiler Wälder verwendet werden können, um heimische Waldökosysteme zu stabilisieren. Die Biodiversität im Bereich des Äußeren Grüngürtels wird durch die Anlage von Wald in Verbindung mit extensiv gepflegten Wiesenflächen und einer „Wildnis“ bereichert. Bei der Baumartenwahl wurden seltene heimische Baumarten wie die Elsbeere und Flaumeiche berücksichtigt, deren Verwendung im Wald der Zukunft als klimastabile Baumarten im Waldlabor propagiert wird.

Im Energiewald wird gezeigt, wie eine Fläche zur Energieholzproduktion in eine urbane Erholungslandschaft eingebunden werden kann und gleichzeitig die Biodiversität verbessert wird. Durch die Anlage der Fläche in enger Verbindung mit Wald und extensiv genutzten Wiesenflächen ist ein abwechslungsreicher Landschaftsraum entstanden, der auch während der Erntephase genügend Rückzugsräume für Tiere bietet. Die extensive Bewirtschaftung der Plantage ohne Einsatz von Dünger und Pestiziden zeigt die Vorteile für die Bodenökologie und die Tier- und Pflanzenwelt gegenüber dem Maisanbau zur Energiegewinnung.
Der Wildniswald bietet die Möglichkeit zu beobachten, wie sich Natur ohne Pflegeeingriffe entwickelt. Diese Beispielfläche dient zur Vermittlung der Notwendigkeit von unbeeinflussten Naturentwicklungsflächen, die als „Wildnis“ zur Verbesserung der Biodiversität in der Stadt beitragen können.


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Waldlabor Köln

Willy-Brandt-Platz 2
50679 Köln

Öffnungszeiten: keine. Das Waldlabor ist immer zugänglich

Herr Markus Bouwman
Tel.:0221 221 25151
markus.bouwman@stadt-koeln.de
http://www.koeln-waldlabor.de

 

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