Ökologische Vielfalt in Obstanlagen

Im Rahmen dieses über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderten Verbundprojektes werden Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen im Obstbau in enger Zusammenarbeit mit Praxisbetrieben umgesetzt, in Bezug auf ihre Wirksamkeit geprüft und soweit erforderlich optimiert.
Ziel ist, die bestehende Artenvielfalt in Obstanlagen langfristig weiter zu fördern und zu erhöhen. Es gibt drei Teilbereiche, für die jeweils moderne Managementverfahren entwickelt werden, um die Biodiversität in Obstanlagen zu steigern: den integrierten Erwerbsobstbau, den ökologischen Erwerbsobstbau und Streuobst-Junganlagen. Die Maßnahmen werden zunächst in Pilotbetrieben erprobt und von hier aus im Schneeballprinzip weiterverbreitet. Sie umfassen u. a. die Begrünung von Fahrgassen mit speziell konzipierten Blühmischungen, die Ansaat von Hochstaudensäumen am Anlagenrand, das Pflanzen von Kleinsträuchern sowie das Anbringen von Nisthilfen. Erfolgreich erprobte Methoden sollen langfristig sowohl in die Ausbildung angehender Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter eingehen, als auch die Basis für die Erarbeitung von Leitlinien für den integrierten Anbau bzw. der Richtlinien der Öko-Verbände darstellen.

Strukturreiche Obstbauflächen sind potentiell wichtige Rückzugs-, Nahrungs- und Lebensräume für ein breites Spektrum an Arten. Das Verbundprojekt mit den Partnern Universität Hohenheim, Universität Bonn, Landesverband Sächsisches Obst e.V., Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V., Öko-Obstbau Norddeutschland e.V. und Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee erhebt die Potenziale für die Förderung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen im Erwerbsobstbau und setzt zielführende Maßnahmen in enger Zusammenarbeit mit den Obstbaubetrieben in sechs Obstbauregionen um. Es gibt drei Betriebsformen, für die jeweils moderne Managementverfahren entwickelt werden, um die Biodiversität in den Projektregionen zu steigern: den integrierten Erwerbsobstbau, den ökologischen Erwerbsobstbau und Streuobst-Junganlagen.
Das Projekt wurde maßgeblich auf Initiative der Obstbauern selbst ins Leben gerufen. Die Bundesfachgruppe Obstbau und die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. sind im Projekt eingebunden. Das hohe Engagement der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, die die Maßnahmen auf eigenes Risiko in ihren Betrieben etablieren und an ihrer Entwicklung zur Praxisreife intensiv mitarbeiten, ist eine wesentliche Grundlage für den Projekterfolg.
Zum Projektende sollen Maßnahmenkataloge erstellt werden, die in die Ausbildung von Beraterinnen und Beratern sowie von angehenden Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern eingebunden werden können.
Für die Charakterisierung und Bewertung der Maßnahmen auf der Basis von Leitarten bzw. Leitartengruppen werden derzeit in einer Arbeitsgruppe erste Kriterien erarbeitet und Maßnahmensteckbriefe erstellt. Durch die Verwendung eines Punktesystems können die Ergebnisse zur Bewertung von Naturschutzleistungen verwendet werden.
Für junge Streuobstanlagen sollen ebenfalls Empfehlungen für Maßnahmen erstellt werden. Die Herausforderungen an das Management sind dort oft ähnlich wie in Öko-Anlagen.
In Pilotbetrieben (17 ökologisch wirtschaftende Betriebe mit 21 Anlagenpaaren und 20 integriert wirtschaftende Betriebe) werden wichtige Maßnahmen zur Erhöhung der biologischen Vielfalt wie Blühstreifen in der Fahrgasse, Hochstaudensäume am Anlagenrand, „Ankerpflanzen“, d.h. Kleinsträucher am Reihenanfang und -ende sowie Nisthilfen für Wildbienen und Vögel umgesetzt und über die Erfassung von relevanten Leitartengruppen in Bezug auf Aufwertungseffekte intensiv evaluiert. Obstbaufachlich wird das Auftreten von Nützlingen und Schädlingen untersucht, naturschutzfachlich das Auftreten naturschutzrelevanter Artengruppen wie Wildbienen, Heuschrecken und Tagfalter erhoben. Neben den Pilotbetrieben sind sogenannte Ringbetriebe in das Projekt eingebunden. Diese werden beraten und setzen entsprechende Maßnahmen ebenfalls um. Allerdings sind die Ringbetriebe nicht in das detaillierte Monitoring des Aufwertungserfolges einbezogen. Inzwischen beteiligen sich in den verschiedenen Anbauregionen insgesamt 88 Öko-Betriebe Betriebe und mehr als 40 IP-Betriebe aktiv am Projekt (Stand 01.08.2019). Dies ermöglicht die Gewinnung eines breiten Spektrums an Erfahrungen und daraus die Entwicklung fundierter und praxistauglicher Empfehlungen. Durch die Einbindung der Ringbetriebe werden die Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität so schnell wie möglich in die breite Praxis eingeführt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die individuelle naturschutzfachliche Beratung der Betriebe. Hierbei werden unter Berücksichtigung der obstbaulichen Rahmenbedingungen weitere ökologische Aufwertungen besprochen und umgesetzt, z.B. Planung von Bewässerungs-teichen, Baumhecken, Fehlstellen-Management oder der eigene Bauerngarten.
Ende 2019 wird eine erste Empfehlung für Einsaatmischungen für die jeweiligen Anbausysteme auf Basis der Erhebungen und Erfahrungen in den ersten drei Projektjahren herausgegeben. Ab Herbst 2020 sind erste Beraterschulungen geplant.
Mehr Informationen auf https://biodivobst.uni-hohenheim.de/index.html.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch die enge Kooperation zwischen Obstbau und Naturschutz und die Schaffung einer fundierten fachlichen Grundlage für verbindliche Mindeststandards für Aufwertungen, die auf Praxisbetrieben erarbeitet und evaluiert wurden, wird die biologische Vielfalt in Agrarlandschaften und besonders in obstbaulich geprägten Kulturlandschaften wesentlich gefördert.
Obstanlagen sind nicht zuletzt aufgrund des vielfältigen Nahrungsangebots für viele Insektenarten ein potentielles Habitat, so dass die Vielfalt und die Anzahl der Insekten durch Fördermaßnahmen in hohem Maße positiv beeinflusst werden kann.
Auch die Erhöhung der Strukturvielfalt, die durch die verschiedenen Maßnahmen entsteht, kann wesentlich zur Erhöhung der biologischen Vielfalt in der Kulturlandschaft beitragen.
Eine bessere Management-Anleitung zur Etablierung von Streuobst-Junganlagen trägt dazu bei, dass der weiteren Abnahme der Streuobstfläche als Folge von Nutzungsaufgabe gezielt entgegengewirkt wird.


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Dokumente

Flyer Projektbeschreibung Öko-Anbau

Flyer Anbausystem Integrierter Anbau

 

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70593 Stuttgart

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https://biodivobst.uni-hohenheim.de/

 

Weitere Infos

Universität Hohenheim, 70593 Stuttgart, Universität Bonn, Landesverband Sächsisches Obst e.V., Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V., Öko-Obstbau Norddeutschland e.V. und Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee
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