Gartenvielfalt

Durch Kalt- und Heißaquise wurden in Beispielregionen Westfalen-Lippes alte Kulturpflanzenarten und -sorten ausfindig gemacht, gesammelt, dokumentiert, vermehrt und verbreitet, um einen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt zu leisten.

Recherche
Von 2011 bis 2014 wurde im LWL-Freilichtmuseum Detmold in Zusammenarbeit mit dem Büro für Vegetationskunde, Tierökologie und Naturschutz BfVTN ein Projekt zur Erhaltung von Kulturpflanzen durchgeführt. Das Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) untersuchte, in welcher Weise die Arten- und Sortenvielfalt von alten, lokalen Nutz- und Zierpflanzen, in den ländlichen Gärten der Region Westfalen-Lippe erhalten und verbessert werden kann.
Es wurde gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).
Die zentrale Bedeutung war dabei die Erhaltung und nachhaltige Entwicklung einer regional angepassten Sorten- und Artenvielfalt von Kulturpflanzen und deren genetischen Ressourcen. Zunächst stand der Aufbau einer Pflanzensammlung aus alten Sorten im Mittelpunkt. Für die Suche wurden unterschiedliche Methoden gewählt:
Recherchen in Archiven
Literaturrecherche
öffentliche Aufrufe zur Meldung alter Sorten über Presse, Flyer, Poster, Homepage
Fragebogenaktion über Landfrauenverbände, Heimatvereine
Eingegangenen Meldungen wurde durch Überprüfung vor Ort nachgegangen. In einem persönlichen Gespräch wurden Informationen zur Herkunft, zum Anbau und zur Nutzung der Kulturpflanzensorte abgefragt.
Parallel hierzu wurde eine Kaltakquise durchgeführt. Bei einer aktiven Suche wurde mittels Luftbildanalyse und Geländebereisungen nach alten, lokalen Kulturpflanzensorten in ausgewählten, ländlichen Gärten gesucht. Somit konnten auch Gartennutzer angesprochen werden, die sich der Bedeutung der alten Sorten nicht bewusst waren.
Für die Suche wurden repräsentative Beispielregionen in Westfalen- Lippe gewählt. Dabei wurde besonderer Wert auf eine weite geografische Streuung gelegt sowie auf einen hohen Differenzierungsgrad bezüglich der natürlichen Faktoren Klima und Boden. Topografisch bedingte Abgeschiedenheit von Tallagen und Einzelhoflage sind außerdem jeweils günstige Voraussetzungen für ein Überdauern alter, lokaler Kulturpflanzensorten in den dortigen Gärten.
Entnahme und Kultivierung
Die (wieder-)entdeckten alten, lokalen Kulturpflanzensorten aus den privaten ländlichen Hausgärten wurde mit der Zustimmung ihrer Besitzer in das Freilichtmuseum überführt. Das eingesammelte, vermehrungsfähige Pflanzenmaterial wurde in einem speziell dafür eingerichteten Anzucht- und Vermehrungsgarten angebaut, vermehrt und nach den Angaben der Spender selektiert. In einer Datenbank wurden alle Informationen zu Herkunft, Geschichte, Besonderheiten zum Anbau und gegebenenfalls Rezepte der Akzessionen, ebenso die Beobachtungen in den Anbaujahren im Museum gesammelt. Zu allen Akzessionen wurden Sortensteckbriefe erstellt und im Internet veröffentlicht.
Um eine nachhaltige Erhaltung der alten Landsorten zu gewährleisten, werden Vermehrungen der Akzessionen räumlich und zeitlich getrennt vermehrt. Wenn genügend Saatgut vorhanden ist, werden sie den verschiedenen Gärten des Museums zugeteilt, so es der Zeitschnitt und auch die Regionen der Gärten dies zulassen. Dadurch werden die Museumsbesucher auch auf das Thema biologische Vielfalt aufmerksam gemacht.
Die Lagerung des Saatguts erfolgt in bruchsicheren, schädlingssicheren Gefäßen, kühl, trocken und dunkel, ein Teil der Samen wird zur Sicherung tiefgefroren.
Verbreitung
Zur zusätzlichen Sicherung und Wiederverbreitung werden die Akzessionen an sogenannte Paten abgegeben. Sie erklären sich bereit die übernommenen Sorten in ihren Privatgärten anzubauen, zu vermehren und gegebenenfalls wieder etwas Saat- oder Pflanzgut abzugeben.
Nach dem Ablauf des Projektes „Förderung der Erhaltung regionaler Arten- und Sortenvielfalt von Kultur- und Zierpflanzen in ländlichen Gärten am Beispiel des LWL-Freilichtmuseums Detmold“ hat die Umweltstiftung Lippe das LWL-Freilichtmuseum Detmold drei Jahre im Folgeprojekt „Koordination der Erhaltung und Wiederbelebung von lokaler Agrobiodiversität in Westfalen-Lippe“ unterstützt.
In den letzten Jahren ist die Erhaltungsarbeit im LWL-Freilichtmuseum Detmold gewachsen und hat sich hier etabliert. Bis Mitte 2018 waren es ca. 400 Personen, die sich verantwortlich fühlten, das Aussterben der Sorten zu verhindern, bzw. die Wiederbelebung anzuschieben. 1300 Einzelportionen sind vom Museum aus vergeben worden. Von den 160 eingesammelten Akzessionen sind schon 114 Herkünfte an mehreren Standorten in der Vermehrung. So ist ein Netzwerk von vielen Interessierten im Raum Westfalen-Lippe entstanden.

Seit Juni 2018 gibt es eine Kooperation mit ProSpecieRara Deutschland. Ein Teil des gewonnenen Saatguts des Museums wird im Sortenfinder von PSR eingespeist. Dies steht interessierten Menschen überregional zum Anbau im Garten für den Genuss bereit. Aber auch SortenbetreuerInnen können mit Unterstützung eines Samenbaukurses diese alten Kulturpflanzensorten im eigenen Garten vermehren und für weitere Interessierte zur Verfügung stellen.
PSR arbeitet auch zusammen mit Produzenten und Händlern, um geeignete traditionelle Sorten wieder zu vermarkten.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Unter anderem durch die rapide Abnahme von Nutzgärten in den letzten 20 Jahren sind auch viele Kulturpflanzensorten und damit ein Stück biologische Vielfalt unwiederbringlich verloren gegangen. Um diesem Kulturpflanzenschwund etwas entgegen zu setzen, wurde das Projekt gestartet und durchgeführt. Neben der Erhaltung im Museum spielte die Abgabe an interessierte Gartenbesitzer eine große Rolle.


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LWL-Freilichtmuseum Detmold

Krummes Haus
32760 Detmold

Öffnungszeiten: 1.4. bis 31.10. Di bis So 9 - 18 Uhr

Frau LWL Freilichtmuseum

 

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Detmold

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