Natur nah dran

Von 2016 bis 2020 werden jährlich zehn Gemeinden in Baden-Württemberg mit bis zu 15.000,- Euro für die naturnahe Umgestaltung innerörtlicher Grünflächen gefördert. Das kommunale Personal wird bei der Anlage der Grünflächen und deren Pflege geschult. Zentraler Punkt ist die Verwendung von Wildpflanzen als optimale Nahrungsquelle blütenbesuchender Insekten. Eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit informiert über die Hintergründe der Förderung der Biodiversität.

Der NABU Baden-Württemberg führt das Projekt „Natur nah dran“ mit Förderung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft (UM) und gefördert durch die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes durch. Das Projekt sieht im Zeitraum von 2016 bis 2020 in jedem Jahr die finanzielle Unterstützung von zehn Gemeinden vor, die ausgewählte innerörtliche Grünflächen zu Lebensräumen für Insekten und andere Tieren umwandeln – im unmittelbaren Wohnumfeld der Menschen. Die Förderquote beträgt 50% bei einer maximalen Fördersumme von 15.000,- Euro pro Gemeinde.

Auf Initiative des Städtetages und des Gemeindetages Baden-Württemberg, die gemeinsam mit dem UM und dem NABU in der Auswahljury vertreten sind, konnten für die Jahre 2018 und 2019 jeweils drei zusätzliche Kommunen in die Förderung aufgenommen werden. Dies war Ausdruck der hohen Qualität der Bewerbungen und des großen kommunalen Interesses. Zudem ist die Förderung zusätzlicher Kommunen ein wirksamer Beitrag gegen das Insektensterben. Mit 72 Bewerbungen war das Feld der interessierten Städte und Gemeinden noch größer als in den vergangenen drei Jahren: Für 2018 waren 62, für 2017 schon 69 und für das erste Projektjahr 58 Bewerbungen eingegangen.

Die Gestaltung des „Siedlungsgrün“ geschieht in erster Linie durch den Einsatz von Wildpflanzen, um insbesondere blütenbesuchenden Insekten ein Nahrungsangebot zu machen, das ihren Ansprüchen gerecht wird. Dies ist zum Beispiel mit Blick auf spezialisierte Wildbienen der sicherste Weg, auch anspruchsvolle Arten zu unterstützen. Untersuchungen des NABU auf innerörtlichen Grünflächen konnten wiederholt belegen, dass es auf diese Weise gelingt, auch Wildbienen zu helfen, die aktuell auf der Roten Liste der gefährdeten Wildbienen zu finden sind. „Natur nah dran“ hilft somit nicht nur allgemein häufigen und anspruchsarmen Arten, sondern leistet einen veritablen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt im Siedlungsraum. Insbesondere blütenbesuchende Insekten profitieren stark von der Umgestaltung.

Durch die Vorbildfunktion der kommunalen Flächengestaltung wirkt das Projekt in die Bevölkerung hinein. Neben Pressemitteilungen, die den Städten und Gemeinden zur Verfügung gestellt werden informieren Informationstafeln an den umgestalteten Flächen über den Hintergrund der Initiative. Mittlerweile fragen auch Kommunen, die bislang nicht im Projekt gefördert wurden, ob Ihnen der NABU derartige Tafeln zur Verfügung stellen kann. Das verdeutlicht, dass das Interesse an der Umgestaltung des innerörtlichen Grüns im Sinne der biologischen Vielfalt steigt.

Im Laufe des Projekts hat es sich gezeigt, dass die besten Erfolge durch die Mitwirkung vieler gesellschaftlicher Gruppierungen in den Kommunen erzielt werden. Immer dann, wenn die Verwaltung durch lokale Naturschutzgruppen, Agenda-21-Initiativen, Schulen oder auch durch Vereine unterschiedlicher Prägung unterstützt – und auch motiviert – werden, ist nicht nur die aktive Gestaltung der Flächen von hoher Qualität. Auch – und nicht zuletzt – die Akzeptanz im Ort ist bei derartigen Konstellationen am größten. Dies wiederum ist die beste Gewähr für einen lang anhaltenden Projekterfolg.

Als grundlegende Voraussetzung für eine nachhaltige Stützung der biologischen Vielfalt in den Siedlungen basiert „Natur nah dran“ auf einem Konzept, das das kommunale Gartenpersonal für den speziellen Umgang mit Wildpflanzen schult. Dabei ist auch der vermittelte Perspektivwechsel wichtig. Schließlich sind viele der Pflanzen, die auf den „Natur nah dran“-Flächen gepflanzt bzw. gesät wurden, nach dem bisherigen Verständnis des pflegenden Personals eher im Reich der „Unkräuter“ zu verorten. Die Vermittlung der Grundlagen zur Bedeutung von Wildpflanzen und vor allem der Grundkenntnisse in der entsprechenden Flächenanlage und der Flächenpflege sind innovativ.

Insbesondere die Workshops zur gemeinsamen Flächenanlage in einer Pilotgemeinde, an der Delegationen aller geförderten Kommunen eines Jahrgangs teilnehmen sowie zwei ebenfalls gemeinsam durchgeführte Pflegedurchgänge in derselben Gemeinde, legen den Grundstein für eine nachhaltige Ergebnissicherung im Sinne der Biodiversitätsförderung.

Im Oktober 2018 fand ein „Vernetzungstreffen“ der geförderten Städte und Gemeinden aus den Jahrgängen 2016 und 2017 in Wendlingen bei Stuttgart statt, das sehr gerne angenommen wurde. Breiter Raum wurde dabei dem Erfahrungsaustausch eingeräumt. Dabei ging es sowohl um die praktischen Erfahrungen bei der Gestaltung und der anschließenden Pflege der Projektflächen als auch um Detailfragen zur Auswahl der Substrate, der Bestückung mit speziellen Stauden und nicht zuletzt zum Pflegeregime. (Weitere Informationen im Anhang)

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das vielfältige Angebot an Wildpflanzen als differenzierte Pollen- und Nektarquellen sorgt für neue Trittsteinbiotope im Siedlungsraum. Damit werden nicht nur blütenbesuchende Insekten mit unspezialisierten Ansprüchen gefördert. Vielmehr haben Studien an Wildbienen ergeben, dass auch Arten der Roten Liste (bezogen auf Baden-Württemberg) wirksam unterstützt werden. Selbst stark gefährdete Arten, wie die Schöterich-Mauerbiene konnten beobachtet werden. Dies belegt die Bedeutung derartiger Flächen für die biologische Vielfalt.

Video:
https://www.youtube.com/watch?v=91IFKfLQJUI


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Dokumente

2019-03-28 Text für UN-Dakade MK_CdM_AM_ohne Bilder.docx

 

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