Initiative Schulwald

Die Bedeutung des Ökosystems Wald unterliegt seit 70 Jahren starken Schwankungen. Vom Holz- und Geldlieferanten über gesellschaftliches Desinteresse hin zu einem Ort mit großer Bedeutung für das Klima, die biologische Vielfalt, die menschliche Gesundheit, den Rohstoffmarkt und für vieles mehr. Ziel des Bildungskonzeptes Schulwald ist es seit 70 Jahren durch angepasste Konzepte, den Kindern und Jugendlichen die ganzheitliche Bedeutung der natürlichen Vielfalt am Beispiel des Ökosystems Wald näher zu bringen. Sie erforschen mit Regenwürmern biologische Kreisläufe, erkunden die Artenvielfalt im Laufe der Jahreszeiten oder kommen zur Ruhe abseits ihrer medialen Kinderwelt und entwickeln so ein Verständnis für die gesellschaftliche Bedeutung der Wälder. Darüber hinaus werden Konzepte gelehrt, welche Einblicke in die Beschaffenheit der Natur vermitteln. Hierbei geht man der Frage nach, welche mathematische, künstlerische, sprachliche oder auch historische Zusammenhänge die Natur vermitteln kann. Der neue LehrplanPLUS bietet eine Basis um vordefinierte Unterrichtseinheiten im Wald abhalten zu können. Die Natur wird somit durch den Schulwald Teil des pädagogischen Konzeptes.

Um Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen geben zu können und somit den Anforderungen der Schulen an die Lehrinhalte gerecht zu werden, bedarf es einer stetigen Weiterentwicklung des SDW-Schulwald-Gedankens. Deshalb entstanden in den vergangenen 70 Jahren immer wieder neue Bildungskonzepte für den Schulwald.
1949 stand der Schutz der Waldfläche vor dem gewaltigen Holzhunger der Nachkriegsjahre im Vordergrund. Anfang der 70er Jahre wurde die Forderung nach mehr Ökologie deutlicher formuliert und ein Außengelände für den Biologieunterricht gefordert. Hier stand nicht mehr nur der Wald, sondern auch Teiche, Moore, Waldränder und Wiesen im Mittelpunkt. In den Jahren 2014 bis 2017 wurden bayernweit Fortbildungen mit dem Titel „Auf in den Schulwald“ abgehalten. Ziel hierbei war es, alle für den Erhalt der Schulwälder notwendigen Akteure an einen Tisch zu bringen. Gemeinsam mit erfahrenen Försterinnen und Pädagoginnen wurden Fragestellungen erörtert, um den Schulen den Weg in den Wald zu erleichtern. Hintergrund dieser Zielsetzung waren die Erkenntnisse vieler wissenschaftlicher Untersuchungen und Beobachtungen aus der Praxis: Kinder und Jugendliche haben immer weniger Bezug zu ihrer natürlichen Lebensumwelt. Spielen in der Natur, Erforschen und Entdecken mit allen Sinnen ist für viele Kinder nur selten bzw. gar nicht mehr möglich. Vielen Eltern fehlt ebenso dieser Bezug. Zudem ermöglichen schulische und außerschulische Bildungsangebote nur sehr selten den direkten Kontakt mit dem Wald.
Ohne diesen unmittelbaren Kontakt können Kinder jedoch keine Beziehung zur Natur aufbauen. Im weiteren Leben ist es dann oft nicht mehr möglich Herausforderungen wie Klimawandel, Artenschwund und Ressourcenverknappung richtig zu bewerten. Den Menschen fehlt das Verständnis für ein Leben im Einklang mit der Natur.
Seit dem Jahr 2018 wurde eine weitere bayernweite Fortbildungsreihe entwickelt, die in den kommenden Jahren 2019 bis 2022 auf die Ergänzung des LehrplanPLUS im Wald abzielt. Die Verankerung der Bildung für nachhaltige Entwicklung im LehrplanPLUS bietet den Lehrkräften zum einen die Möglichkeit, den Schulwald in das pädagogische Konzept zu übernehmen. Zum anderen gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte in den einzelnen Fächern um die biologische Vielfalt für Lehrende und Lernende begreifbar zu gestallten. Der Wald als Bildungsraum kann durch diese Fortbildungsreihe einen wesentlichen Beitrag leisten: das im Klassenzimmer theoretisch erworbene Wissen wird in konkrete Handlungen umgesetzt. Jede Unterrichtseinheit wird in die drei Phasen - Vorbereitung, Vertiefung und Nachbereitung – unterteilt und mit den Gestaltungsmöglichkeiten des Waldes verknüpft. Beispielsweise werden die Grundlagen der Symmetrie im Fach Mathematik aus dem Lehrplan der 3. und 4. Jahrgangsstufe im Klassenzimmer vorbereitet. Die anschließende Vertiefung erfolgt im Wald. Hier werden unterschiedlichste Formen (z.B. von Blättern) gesammelt, abgepaust und aufbauend Symmetrieachsen eingezeichnet. Die Nachbereitung erfolgt wiederum im Klassenzimmer. Weitere Beispiele sind zahlreiche Vertiefungsmöglichkeiten aus den Fächern Heimat- und Sachkunde, Englisch, Deutsch und selbstverständlich Sport und Gesundheitserziehung. Für jede Altersstufe wird die Vielfalt der Biodiversität erlebbar und vor allem begreifbar.
Die explizite Forderung des LehrplanPLUS, die Zusammenarbeit mit Experten und die Nutzung außerschulischer Lernorte anzustreben, wird den Wald als Bildungsraum in Zukunft für Schulen noch deutlich wichtiger werden lassen. Eine aktuelle Umfrage bei kooperierenden Grund- und Mittelschulen hat den großen Bedarf erneut bestätigt. Der Schulwald kann zu vielen Anlässen und Themen aufgesucht werden. In der Verbindung von Wissen und Handeln werden komplexe Zusammenhänge greifbarer. Durch selbsttätiges, forschend-entdeckendes Lernen wird das Erleben von Selbstwirksamkeit möglich. Schülerinnen und Schüler bauen eine Beziehung zu „Ihrem“ Wald auf und lernen die Vielfalt als Grundsatz des Lebens zu schätzen. Hierdurch erfolgt auch eine Einbindung des Waldes in die außerschulische Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen.
Weitere Zielgruppen sind Familien der Kinder, die den Wald im Sinne eines lebenslangen, generationsübergreifenden Lernens nutzen. Der Schulwald als Ort der Begegnung steht außerdem regional für Kinder in Ferien- oder Freizeitprogrammen zur Verfügung. Darüber hinaus nutzen Lehrkräfte die Schulwälder für eigene Fortbildungsveranstaltungen. Einige Schulwälder werden ebenso durch einen barrierefreien Zugang für Menschen mit Behinderung als Bildungs- und Erholungsraum geöffnet.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Im Laufe der Jahreszeiten verändert sich das Schulwaldareal oft wöchentlich. Das Leben in der Natur ermöglicht einen genauen Blick auf das Werden und Vergehen. Artenvielfalt bei Insekten und Pflanzen wird ebenso erkannt, wie grundlegende biologische Zusammenhänge. Selbst gepflanzte Bäume (z. B. der Baum des Jahres) sind hier ebenfalls zu nennen: mit entsprechenden Projekten kann der Baum über ein oder sogar mehrere Jahre begleitet werden. Je nach Alter lernen Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Baumarten, die zahlreichen Symbionten und die genetische Vielfalt kennen. Sie können sich mit der Komplexität von Ökosystemen am Beispiel Wald oder dem Waldrand auseinandersetzen. An manchen Orten vermittelt ein Bienenstock im Wald eindrücklich die Biodiversität als Lebensgrundlage des Menschen.


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