Biotoppflege Energieberg Georgswerder

Im Rahmen des auf der gesicherten Deponie Georgswerder beheimateten Projekts wird eine rund 1,6 ha große, ehemalige Sandfläche zu einem strukturreichen (Halb-) Trockenrasen mit Ruderalstrukturen im Randbereich und angrenzendem, lichten Gehölzbestand entwickelt. Ziel ist der Erhalt und die Entwicklung einer großen Artenvielfalt, insbesondere mit Blick auf die Insektenwelt. Inzwischen haben sich hier zahlreiche Arten mit hohen Lebensraumansprüchen neu angesiedelt. Unser Projektpartner ist die Abteilung Altlasten und Bodenschutz im Naturschutzamt der Freien- und Hansestadt Hamburg.
Öffentliche Führungen werden gemeinsam mit der Stadtreinigung Hamburg durchgeführt, welche auf dem Energieberg ein Informationszentrum betreibt.

Angelegt wurde die Fläche, welche auch einen zentral gelegenen Tümpel besitzt, im Rahmen der Deponiesanierung in den 1990er Jahren. Hierbei wurden verschiedenste Sande mit z. T. hohen Lehm-, Ton- und/oder Schluffanteilen verwendet. Dies führte zu einer schnelleren Sukzession als gewünscht, außer der zweischürigen Mahd wurden rund 20 Jahre lang keine weiteren Pflegemaßnahmen durchgeführt. So entwickelte sich aus dem ursprünglichen Sandrasen weitgehend eine Hochstaudenflur mit zahlreichen aufkommenden Gehölzen.
Die 2016 gestarteten Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sorgen mit regelmäßiger, kleinteiliger Mahd mittels Handbalkenmäher und Abtrag des Mähguts für die rasche Aushagerung der Fläche, die gezielte Entnahme von Gehölzentnahme und Luzernen sorgt für Offenboden. Besonders dicht von Gehölz- und Luzerneaufwuchs betroffene Flächen werden mit logistischer Unterstützung durch die Behörde für Umwelt und Energie maschinell bearbeitet, die entstandenen offenen Bodenstellen werden mit magerem Sand, Kies und Geröll verfüllt. Kleinteilig wird hier eine regional produzierte Trockenrasensaat ausgebracht. So entsteht eine blütenreiche Mähwiese, durchsetzt mit wärmebegünstigtem Offenboden. Die Sandfelder werden von unzähligen Bienen zum Nestbau genutzt, auch die vorhandenen steilen Sandabbrüche sind gut besetzt. Die Kiesbereiche werden von xerothermophilen Heuschrecken wie der Blauflügeligen Sandschrecke bewohnt, während 25 der insgesamt 36 in Hamburg vorkommenden Tagfalterarten die Blüten der Wiese besuchen und sich zum Teil auch hier fortpflanzen, wie z. B. der Mauerfuchs. Die Zahl der registrierten Insektenarten hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, darunter zahlreiche Arten der Roten Listen. Im Mai 2019 konnte z. B. erstmals der in Hamburg seit mindestens 60 Jahren als ausgestorbene Wegerich-Scheckenfalter nachgewiesen werden, im Juli fanden sich dann zwölf Gespinnste voller Raupen der Art (siehe Video unten).
Die Entwicklung der Fläche lässt sich an den beigefügten Luftaufnahmen gut nachvollziehen.
Unterstützt werden wir bei den Arbeiten zeitweise von Teilnehmern einer AGH-Maßnahme für langzeitarbeitslose, die hier eine sinnvolle Arbeit in der Natur verrichten können. Für größere Maßnahmen unterstützt uns die Umweltbehörde mit schwerem Gerät.
Die Projektfläche ist der Öffentlichkeit nur während weniger Führungen pro Jahr zugänglich, welche wir in Kooperation mit der Stadtreinigung Hamburg durchführen, die auf dem Energieberg ein Informationszentrum betreibt. Die Termine finden sich hier:
https://www.neuntoeter-ev.de/termine/

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Insekten stellen die mit Abstand größte Klasse im Tierreich. Sie erfüllen wichtige Funktionen, zum Beispiel in der Nahrungskette oder als Bestäuber in der Pflanzenwelt. Die Masse der Insekten ist ebenso wie deren Vielfalt in zahlreichen Gebieten Deutschlands in den vergangenen Jahrzehnten massiv zurückgegangen. Grade Großstädten wie Hamburg kommt hier eine besondere Bedeutung zu, da es in den Flächenländern kaum noch größere, weitgehend Pestizid- und Düngemittelfreie Landstriche gibt. Leider schreitet hier jedoch die Bebauung und Versiegelung zügig voran.
Hier bieten Sonderstandorte wie Deponien und Spülfelder die seltene Möglichkeit, wertvolle Lebensräume längerfristig zu erhalten. Unser Projekt zeigt, dass sich Arten- und Individuenzahl bei entsprechender Pflege der Flächen positiv entwickeln können. Mittelfristig möchten wir die zuständigen Behörden zum Umdenken bei der Pflege aller Deponieflächen bewegen, um hier Inseln der Artenvielfalt zu schaffen!

Video:


Bild 1
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Bild 4

 

Besuchen Sie uns

Projektfläche Energieberg Georgswerder

Fiskalische Straße 2
21109 Hamburg

Öffnungszeiten: Projektfläche nur bei speziellen Führungen besuchbar

Herr Torsten Demuth
energieberg@neuntoeter-ev.de
https://www.neuntoeter-ev.de/projekte/biotoppflege-energieberg/

 

Weitere Infos

Neuntöter - Verein für Forschung und Vielfalt e. V.
Hamburg

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