Einzigartige Vielfalt im Allerbachtal

IDie Grünländer im Tal der Rappbode und ihrer Zuflüsse zählen zu den artenreichsten Lebensräumen im Harz. Wie alle Kulturbiotope sind sie auf eine dauerhafte pflegliche Nutzung durch den Menschen angewiesen. Ein spezielles Harzer Kleinod ist die Bachaue des Allerbachs zwischen Tanne und Trautenstein. Besondere Bodenverhältnisse lassen hier unzählige Arten gedeihen, die man sonst kaum noch antrifft. Die Liste der hier vorkommenden seltenen und geschützten Pflanzenarten ist lang. Gemeinsam mit dem Forstbetrieb Oberharz startete der Landschaftspflegeverband Harz e.V. 2008 eine Rettungsaktion für die Artenvielfalt im Gebiet. Die seit vielen Jahren aufgegebene Nutzung hatte aus einst buntblühenden Wiesen artenarme monotone Brachen werden lassen. Unser Ziel war die Revitalisierung von Berg- und Feuchtwiesen und die Sicherung der Standorte gefährdeter Arten. Inzwischen erfolgt durch den Verein seit über 10 Jahren mit spezieller Kleintechnik eine an die Biotope angepasste Pflege. So wird ein Stück biologische Vielfalt und attraktive Heimat in Sachsen-Anhalt für die Zukunft gesichert.

Bei den Projektflächen handelt es sich um wertvolle Bereiche des Offenlandes in einem 4 km langen Tal inmitten von Fichten- und Erlenforsten mit einem Flächenumfang von ca. 13 ha. Sie gehören zum FFH-Gebiet „Harzer Bachtäler“. Für die biologische Vielfalt im Gebiet und im Landkreis sind diese von herausragender Bedeutung. Da es sich um Kulturbiotope handelt, ist eine Nutzung oder Pflege für den Erhalt der biologischen Vielfalt unerlässlich. Das Projektgebiet beinhaltet 5 Teilflächen, auf denen Pflegemaßnahmen umgesetzt werden. Noch in den 1990er Jahren wurde im Allerbachtal auf den Wiesen Heu geerntet. Dann wurde die landwirtschaftliche Nutzung aufgegeben da sie auf den schwierigen Standorten unrentabel und für den Einsatz von Großtechnik ungeeignet war. Artenreiche Wiesen verwandelten sich Stück für Stück in eintönig grüne Brachen. Konkurrenzschwache Arten wurden verdrängt. Weiden, Erlen und Fichten eroberten die seggenreichen Nasswiesen mit einer Vielzahl seltener und gefährdeter Pflanzen.
2008 begannen wir mit den ersten Pflegemaßnahmen. Unser Vorteil - der Landschaftspflegeverband Harz e.V. verfügt über vereinseigene Spezialtechnik zur Wiesenpflege auf Klein- und Splitterflächen. Zunächst wurden die Wiesen von unerwünschten Gehölzen und Altgrasauflagen befreit. Es folgte eine jährliche Mahd. Diese muss, je nach Witterung, auch teilweise in Handarbeit erfolgen. Wir orientieren uns vor allem an der traditionellen historischen Nutzung der Wiesen. Das Mähgut konnte anfangs noch nicht verwertet werden. Aber sehr schnell stellten sich die ersten sichtbaren Erfolge ein. Geeignete Teilbereiche der Wiesen dienen heute wieder der Futtergewinnung. Regionale landwirtschaftliche Betriebe, die sich auf die Zucht der vom Aussterben bedrohten Harzer Rinderrasse „Rotes Höhenvieh“ spezialisiert haben, verwerten Heu oder Silage aus dem Allerbachtal.
Naturschutzfachlich ist das Allerbachtal von herausragender Bedeutung. Die Pflege wurde daher wissenschaftlich begleitet. Biologische Vielfalt in Zahlen: Bei regelmäßigen Vegetationsaufnahmen wurden seit 2010 insgesamt 285 Pflanzenarten im Projektgebiet nachgewiesen, 2019 waren es allein 237, davon 23 Arten die auf der Roten Liste Sachsen-Anhalts geführt werden. Zu Beginn der Vegetationsaufnahmen im Jahr 2010 waren es 203 Pflanzenarten. Stark gefährdete Arten wie die Floh-Segge (Carex pulicaris) oder das Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris) haben hier letzte Rückzugsgebiete und sind daher innerhalb des Schutzgebietes und überregional von besonderer Bedeutung. Die Analyse ergab weiterhin, dass sich durch die Wiederaufnahme der Pflege aus relativ undifferenzierten Wiesenbrachen eine Vielzahl von Biotoptypen des Offenlandes entwickelten. Durch die Pflege wurden gesetzlich geschützte Biotoptypen wie Bergwiesen, Borstgrasrasen, Feucht- und Nasswiesen sowie Sümpfe und Röhrichte erhalten und gesichert. Als Kulturbiotope ist eine Aufrechterhaltung der Nutzung oder Pflege für ihren Fortbestand essentiell.
Vier FFH-Lebensraumtypen mit ihrem typischen Arteninventar gibt es mittlerweile beständig: Berg-Mähwiesen (6520), Artenreiche montane Borstgrasrasen (6230*), Pfeifengraswiesen (6410) sowie naturnahe Kalk-Trockenrasen (6210).
Ein wichtiger Indikator für den sehr guten Zustand der Biotope ist die hohe Artenzahl an Schmetterlingen. Im Jahr 2010 wurden Vorkommen von 50 Arten festgestellt. Von April bis September werden seit 2017 vor allem Tagfalter und Widderchen erfasst. Die bisherige Auswertung ergab, das inzwischen 73 Schmetterlingsarten (davon 44 Tagfalter-, 4 Widderchen- und 24 Nachtfalterarten) im Projektgebiet heimisch sind. Bei einem Drittel handelt es sich um in Deutschland geschützte Arten.
Die finanziellen Mittel für die aufwendige Erstpflege und die begleitende Erfolgskontrolle wurden vor allem durch Projektförderung aus dem ELER-Fond der Europäischen Union aufgebracht. Eine weitere wichtige Unterstützung erfahren wir durch den Landesforstbetrieb. Im Rahmen des Projektes „49 Förster - 49 Arten“ steht eine der Leitarten des Allerbachtals, die Floh-Segge, als Patenkind des Revierförsters im Fokus. Nach der aufwendigen Erstinstandsetzung der Wiesen sind wir optimistisch, dass die weitere Pflege durch den Verein und damit ein Stück biologische Vielfalt im Harz und Sachsen-Anhalt auch zukünftig gesichert werden kann.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Naturschutzfachlich ist das Allerbachtal von herausragender Bedeutung. Seit 2010 wurden insgesamt 285 Pflanzenarten im Projektgebiet nachgewiesen, 2019 waren es allein 237, davon 23 Arten die auf der Roten Liste Sachsen-Anhalts geführt werden. Stark gefährdete Arten wie die Floh-Segge oder das Sumpf-Läusekraut haben hier letzte Rückzugsgebiete und sind daher auch überregional von besonderer Bedeutung. Weitere seltene und gefährdete Arten, die von dem Projekt profitieren sind Berg-Wohlverleih, Wiesen-Iris, Igel-Segge , Gelb-Segge, Herbst-Zeitlose, Breitblättriges Knabenkraut, Weichhaariger Pippau, Geflecktes Knabenkraut, Heide-Nelke, Schmalblättriges Wollgras, Teufels-Abbiss, Trollblume und Kleiner Baldrian. Durch die Wiederaufnahme der Pflegehaben sich aus relativ undifferenzierten Wiesenbrachen eine Vielzahl von Biotoptypen des Offenlandes entwickelten. Durch die Pflege wurden gesetzlich geschützte Biotoptypen wie Bergwiesen, Borstgrasrasen, Feucht- und Nasswiesen sowie Sümpfe und Röhrichte gesichert. Vier FFH-Lebensraumtypen mit ihrem typischen Arteninventar gibt es mittlerweile beständig: Berg-Mähwiesen, Artenreiche montane Borstgrasrasen, Pfeifengraswiesen sowie naturnahe Kalk-Trockenrasen. Im Jahr 2010 wurden Vorkommen von 50 Schmetterlingsarten festgestellt. Inzwischen sind 73 Schmetterlingsarten hier heimisch, ein Drittel davon sind in Deutschland geschützte Arten.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

 

Besuchen Sie uns

Geschäftsstelle Landschaftspflegeverband Harz e.V.

Rosentalstr. 12b
38899 Hasselfelde

Öffnungszeiten: nach Vereinbarung

Frau Kerstin Rieche
Tel.:03945971607
lpv-harz@t-online.de
http://www.lpv-harz.de

 

Weitere Infos

Landschaftspflegeverband Harz e.V.
Hasselfelde

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld