BLÜHINSELN - Blüten für Bestäuber in der Stadt

Blühinsel ist ein Kooperationsprojekt der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG), der Landesanstalt für Bienenkunde Universität Hohenheim (LAB) und den Wirtschaftspartnern Selecta one und Floricultz. Ziel des Projektes ist Biodiversität im urbanen Raum zu erhalten und zu fördern. Damit dies gelingen kann müssen sowohl die Bedürfnisse der Bestäuberinsekten aber auch die der Stadtbevölkerung berücksichtigt werden. Die Projektpartner tragen dazu mit ihrer jeweiligen, ganz unterschiedlichen Kompetenz bei.

Die LVG Heidelberg ist als Landesanstalt des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg für das Versuchswesen im Gartenbau verantwortlich und arbeitet eng mit der gartenbaulichen Beratung und der beruflichen Praxis zusammen. Die LAB ist als Einrichtung der Universität Hohenheim für die angewandte Forschungstätigkeit in der Bienenkunde verantwortlich. Fachliche Betreuung von Imkern sowie bienenkundliche Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten gehören ebenso zu ihren Aufgaben wie eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit.Selecta one (Klemm + Sohn GmbH & Co. KG) ist ein führender Züchter, Produzent und Vermarkter von vegetativ vermehrbaren Zierpflanzen. An 11 Standorten mit über 2.000 Mitarbeitern weltweit, werden aktuell rund 60 Züchtungsprogramme bearbeitet.Tätigkeitsschwerpunkte von Floricultz sind die Durchführung bzw. projektbegleitende Beratung von Züchtungsprogrammen sowie die Betreuung von Anbauversuchen. Biologische Vielfalt in der Stadt stärken:
Auf den Versuchsflächen der LVG Heidelberg werden seit vier Jahren Zierpflanzen auf ihren Nutzen für Bestäuberinsekten untersucht. Damit können erstmals weit über 100 Zierpflanzenarten und -sorten auf ihre Attraktivität für Insekten bewertet werden. Die Bestimmung der Bestäuberinsekten wird von Wissenschaftlern der LAB Hohenheim durchgeführt, so dass nun auch eine Zuordnung von Insekten und Pflanzen möglich ist.
Mit Hilfe einer biologisch wirtschaftenden Gärtnerei wurde ein innovatives Pflanzensortiment für kleine Flächen im dichtbesiedelten Raum zusammengestellt, das die biologische Vielfalt in der Stadt fördert. Selecta one entwickelte mit "Nature Garden" ein neues Vermarktungskonzept und stellt damit sicher, dass diese Zierpflanzen auch im Gartenfachhandel und in den Gartencentern erhältlich sind. Floricultz untersucht, welche Merkmale insektenfreundliche Pflanzen auszeichnen, damit diese Eigenschaften für innovative Neuzüchtungen in Zukunft verstärkt berücksichtigt werden können. Der Praxistest im Stuttgarter Raum:
Nur in wenigen Studien wurden bisher Zierpflanzen auf Insektenfreundlichkeit untersucht. Die Beobachtungen wurden dabei häufig nur an einem zentralen Versuchsbeet durchgeführt und lassen keine Rückschlüsse auf standortspezifische Umweltfaktoren zu. Deshalb wurden in den beiden zurückliegenden Jahren in Stuttgart an zehn verschiedenen Standorten gleichgestaltete Hochbeete mit Blumen und Stauden bepflanzt. Vereine, Schulen und Privatpersonen konnten sich um eine Teilnahme bewerben, unter der Voraussetzung dass über die Sommerperiode eine Pflege der Hochbeete sichergestellt wurde. Die Hochbeete wurden auf Grünflächen, Grünstreifen oder Hinterhöfen aufgestellt, der Anteil an versiegelten Flächen im Umkreis von 250 m lag damit zwischen 52% und 94 %. Bei der Zusammensetzung des Sortiments wurde darauf geachtet, ein buntes, abwechslungsreiches und robustes Blühbeet zu gestalten. Die Pflanzen wurden regional von einer Biozierpflanzengärtnerei kultiviert. Das Pflanzensortiment enthält sowohl typische einjährige Beet- und Balkon Arten wie die Fächerblume (Scaevola), den Zauberschnee (Euphorbia hypericifolia), Dahlia und Strohblumen (Bracteantha) aber auch mehrjährige Stauden wie das Mädchenauge (Coreopsis) oder strauchige Pflanzen wie Lavendel (Lavandula angustifolia) und Salbei (Salvia).
Öffentlichkeitsarbeit: Infotafeln informieren an den Hochbeeten über den Stadtversuch. Gruppen werden auf Anfrage geführt, speziell für Kinder ist die Vielfalt und das Zusammenspiel von Blüten und Bestäubern auf kleinstem Raum ein beeindruckendes Erlebnis. Auf Sitzungen und Fortbildungen der baden-württembergischen Imker- und Gartenbauvereine, in der Gartenwerkstatt der Stadtgärtner Stuttgart, in SWR 3 natürlich, bei Hohenheimer und Heidelberger Tagen der offenen Tür und vielen weiteren Veranstaltungen werden Vorträge und Führungen zu einer bestäuberfreundlichen Gestaltung von Beeten, Balkonen und Terrassen gehalten. Poster ergänzen die Veranstaltungen und werden auf Anfrage, wie auch der Flyer, an Vereine oder Privatpersonen auch zum Selbstdruck weitergegeben.
Auf universitärer Ebene werden die Ergebnisse im Rahmen von Masterarbeiten und einer Dissertation aufgearbeitet und veröffentlicht. https://www.netzwerk-laendlicher-raum.de/themen/eip-agri/eip-datenbank/; http://www.lvg-heidelberg.de/pb/,Lde/Aktuelle+Projekte; https://www.facebook.com/Urbanes-G%C3%A4rtnern-Gablenberg-262119330825499/ Langfristigkeit:
Das Kooperationsprojekt ist im Rahmen der Europäischen Innvoationspartnerschaft bis Ende 2020 langfristig angelegt. Darüberhinaus ist bereits ein Folgeprojekt aus Landesmitteln bis Mitte 2022 bewilligt. Im Rahmen dieser zukünftigen Forschungsarbeiten soll u.a. ein Handlungsleitfaden für eine insektenfreundliche Gestaltung auf kommunalen Flächen und Privatgärten erarbeitet werden, der für Bestäuberinsekten sowohl deren Nahrungsansprüche als auch entsprechende Strukturen für Nestbau und Überwinterung berücksichtigt.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Projektergebnisse: Jeweils im Zeitraum von Juni bis August wurden die an den Pflanzen der Hochbeete vorkommenden Bestäuberinsekten beobachtet und gezählt, zusätzlich an drei weiteren Terminen Wildbienen gefangen und bis auf die Art bestimmt. Während die Fächerblume überwiegend für Honigbienen attraktiv war, fanden sich an den Blüten des Zauberschnees vor allem viele verschiedene Wildbienenarten aus den Gattungen der Masken- und Schmalbienen (z.B. Hylaeus difformis und Lasioglossum laticeps). Am Salbei konnten die Gartenwollbiene (Anthidium manicatum), zwei Hummelarten (Bombus terrestris und B. pascuorum) sowie Garten-Blattschneiderbienen (Megachile willughbiella) beobachtet werden. Die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae) versorgte sich auch an den Dahlien mit Pollen. An den zehn Standorten in Stuttgart konnten 31 Wildbienenarten erfasst werden. Es wurden somit gut 15% der für das Stadtgebiet Stuttgart bekannten Wildbienenarten an den Hochbeeten nachgewiesen. Darunter waren auch zwei Rote Liste Arten (L. minutulum und B. humilis). Insekten können also in der Stadt geeignete Pflanzensortimente gezielt als Nahrungsquelle nutzen. Auch kleine Flächen von nur 1 m² können Insekten anlocken und damit die biologische Vielfalt im urbanen Raum unterstützen und fördern, gerade auch in Stadtteilen mit einem hohen Anteil an versiegelten Flächen.


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Dokumente

Blüten für Bestäuber - Empfehlungen für Balkon, Terrasse und Hausgarten

Blüten für Bestäuber - der Praxistest im Stuttgarter Raum

 

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