BioWild-Projekt

Das bundesweite Projekt „Biodiversität und Schalenwildmanagement in Wirtschaftswäldern“ – kurz BioWild-Projekt – wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert. Im Projekt werden in 6 Jahren (2015 – 2021) von Wissenschaftler*innen der Universitäten Dresden, Göttingen und München sowie der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft die Auswirkungen verschiedener Schalenwildbestände (Reh-, Rot-, Dam-, Muffel- und Schwarzwild) und Jagdstrategien auf die Diversität von Gehölzen und krautigen Pflanzen sowie die damit verbundenen Ökosystemleistungen untersucht und bewertet. Der Untersuchungsraum umfasst auf großer Waldfläche – rund 25.800 Hektar in 5 Bundesländern – die am häufigsten vorkommenden Waldgesellschaften in Deutschland. Zur Untersuchung der Waldentwicklung – in Abhängigkeit vom jeweiligen Jagdregime – wurden insgesamt 248 Weisergatterpaare, bestehend aus je einer gezäunten und einer ungezäunten Fläche à 100 Quadratmetern, angelegt.
Nach vorläufigen Ergebnissen zeigen sich signifikante Unterschiede im Schalenwildeinfluss zwischen einzelnen Untersuchungsregionen und aufgrund unterschiedlicher Jagdstrategien.

Unser Beitrag zur Erhaltung und Nutzung von Biodiversität
Im BioWild-Projekt wird der Einfluss verschiedener Waldbewirtschaftungsformen einschließlich Jagdstrategien auf die biologische Vielfalt, genauer die Pflanzendiversität und die Habitatqualität für Wildtiere in Wirtschaftswäldern erfasst und bewertet. Hierfür werden interdisziplinär eine große Anzahl von Einflussvariablen aufgenommen und deren Beitrag zur Erklärung von unterschiedlichen Vegetationszuständen und -entwicklungen ermittelt. Hierfür geht das Projekt von folgenden Annahmen aus:
• Dauerhaft kann die biologische Vielfalt in Wäldern nur sichergestellt werden, wenn das Bewusstsein dafür bei den wichtigsten Akteuren, den Waldbewirtschafter*innen und Jäger*innen, gegeben ist. Das Projekt setzt vor diesem Hintergrund verstärkt auf Kommunikation und Bewusstseinsbildung zwischen diesen und weiteren Akteursgruppen.
• Durch Synchronisation der Jagd- und Schonzeiten auf alle Schalenwildarten und einer daraus resultierenden Einführung einer insgesamt viermonatigen Jagdruhezeit in besonders sensiblen Zeiten (bei geringem Nahrungsangebot im Spätwinter und in der Reproduktionszeit im Frühsommer) soll die Jagd einerseits tierschutzgerechter und andererseits effektiver werden.
Erste Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigen, dass sich Baumarten wie Buche und Eichen unter starkem Schalenwildeinfluss signifikant schlechter verjüngen. Unsere Modellierungen zeigen außerdem, dass das betriebliche und gesamtgesellschaftliche Risiko von Holzertrag und weiteren wichtigen Ökosystemleistungen des Waldes (z.B. Kohlenstoffspeicherung oder Trinkwasserspende) unter anderem mit einer größeren Baumartendiversität gesenkt werden kann. Bei hohen Wildbeständen kann diese nur unter großen Schwierigkeiten erreicht werden.
Multiplikationswirkung
• Besonders die Akteure vor Ort in den 5 Projektregionen werden in Informations- und Entscheidungsprozesse eingebunden und dienen als wichtige Multiplikatoren. Außerdem finden regionale und überregionale Informationsveranstaltungen mit Wissenschaftler*innen, Politiker*innen und anderen Akteuren (Jagdbehörden, Kreisjägermeistern etc.) statt.
• Unsere Kommunikationsstrategie umfasst darüber hinaus ein umfangreiches Onlineangebot unter www.biowildprojekt.de. Die dort veröffentlichten Inhalte wurden bereits über 40.000-mal abgerufen.
• Wissenschaftliche und sonstige Publikationen: Insgesamt wurden mehr als 30 Beiträge in verschiedenen Sprachen veröffentlicht. Außerdem gab es bereits über 30 projektbezogene Beiträge in der Tagespresse, in Zeitschriften, im Radio bzw. online.
Einbeziehung der Akteure
• Partizipativer Ansatz: Innerhalb des Verbundprojekts wurden alle Projektbeteiligten bereits vor der Antragsstellung als Partner einbezogen und liefern dem Projekt wichtige Daten (z.B. Waldbewirtschaftungsziele, Inventurdaten, Jagdstrategien, laufendes Monitoring der Jagdstrecken). Die Akteure in den Pilotregionen erhalten vom Projekt Entscheidungshilfen und Umsetzungsvorschläge.
• In jeder BioWild-Region stellt ein Verantwortlicher das Bindeglied zwischen den Projektpartnern und den lokalen Akteuren dar und sorgt u. a. für den reibungslosen Informationsfluss zwischen den verschiedenen Projektebenen.
• Es finden regelmäßig Informations- und Austauschveranstaltungen sowie Waldbegänge mit allen Interessierten vor Ort statt. Dabei werden auch dem Projekt kritisch gegenüberstehende Akteure gehört und nach Möglichkeit eingebunden.
Innovationen
• Der Einfluss von Schalenwildbeständen und Jagdstrategien auf die Biodiversität von Wäldern wurde bundesweit noch nie umfassend untersucht. Als Projektergebnisse werden innovative Vorschläge für einheitliche Managementkonzepte (Forschung und Umsetzung) erwartet.
• Statistisch objektivierte Auswahl von Weiserflächen.
• Aufnahme einer Vielzahl potentiell erklärender Variablen.
• Vegetations- und Wilddaten werden für 3 verschiedene Jagdvarianten bereitgestellt.
• Einer der 3 Jagdvarianten (Änderungsvariante) liegen neue wildbiologische Erkenntnisse zugrunde.
Sicherstellung von Ansatz und Finanzierung
Mit dem BioWild-Projekt stellen wir Akteuren wie Waldeigentümer*innen, Jäger*innen und politischen Entscheidungsträger*innen nachvollziehbar und objektiv erhobene Informationen zur Situation der Waldvegetation und dem Wildeinfluss zur Verfügung. Diese können als Entscheidungshilfe für die Kommunikation zwischen Waldbesitzenden und der Jägerschaft dienen, denn sie sind Grundlage für die Übernahme einer gemeinsamen Verantwortung für waldbaulich und waldökologisch orientierte Jagdstrategien. Dieser Ansatz wird aktuell durch eine Finanzierung über Bundesmittel (ca. 2 Mio. €) sowie über einen Eigenanteil von rund 0,6 Mio. € sichergestellt. Durch die konsequente Einbindung lokaler und überregionaler Akteure wird auch nach Projektende sichergestellt, dass die BioWild-Inhalte in den Pilotregionen weiter fortbestehen und als Kristallisationspunkte für die Weiterentwicklung einer nachhaltigen Jagd in Deutschland fungieren.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Nationale Biodiversitätsstrategie (NBS) weist auf die Bedeutung der Wälder für den Erhalt der natürlichen Vielfalt und Dynamik hin. Bäume und Sträucher der natürlichen Vegetation sollen sich, ebenso wie die krautige Vegetation, ganz überwiegend natürlich verjüngen. Angepasste Schalenwildbestände sind hierfür ein ganz entscheidender Faktor. Schalenwild äst selektiv und kann dadurch die natürliche Artenvielfalt der krautigen und holzigen Pflanzen beeinflussen. Durch Wildverbiss entmischen sich Wälder. Hierdurch steigt im Klimawandel das Risiko großflächiger Waldverluste und somit die Wahrscheinlichkeit der Zerstörung wertvoller Waldökosysteme. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen geht hervor, dass Schalenwild einen signifikanten Einfluss auf die biologische Vielfalt in Wäldern hat. Doch nur intakte und naturnahe Wälder können langfristig als Refugium für gefährdete Arten dienen, dazu beitragen Kohlenstoff dauerhaft zu speichern und die Effekte des Klimawandels abzumildern. Hieran anknüpfend dient das BioWild-Projekt der praktischen Umsetzung der NBS mittels der Entwicklung von repräsentativen Methoden zur Erfassung und Bewertung der Gefährdung von verbissbelasteten Wäldern sowie der Entwicklung von Verfahren zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung von Ökosystemfunktionen. Teil des Projekts ist darum die Einführung einer modernen, effizienten und tierschutzgerechten Jagd sowie die umfassende Bewertung von Wildeinflüssen auf Ökosystemleistungen.


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Dokumente

Gesamtübersicht über BioWild-Projekt (u. a. Ziele, Eckdaten, Projektpartner, Pilotregionen)

Effizienter und tierschutzgerechter jagen im Rahmen des BioWild-Projekts

Vegetationsaufnahmen: Erfassung der biologischen Vielfalt

Vegetationsaufnahmen: Erfassung der biologischen Vielfalt

 

Besuchen Sie uns

BioWild-Projektbüro

Wormbacherstr. 1
57392 Schmallenberg

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9.00 bis 13.00 Uhr

Herr Stefan Schneider
Tel.:0 29 72 / 98 49 379
waldwild@anw-deutschland.de
http://www.biowildprojekt.de

 

Weitere Infos

Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft; TU Dresden; Universität Göttingen; TU München
Schmallenberg

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