Landgang - Biodiversität entlang des Main-Donau-Kanals

Das Biotopverbundprojekt der Regierung von Mittelfranken vernetzt Lebensräume entlang des Main-Donau-Kanals und fördert damit die Biologische Vielfalt. Kreuzottern, Grasmücken und Orchideen profitieren ebenso wie erholungssuchende Anwohner von der ökologischen Aufwertung der Kanaldämme und angrenzenden Flächen. Mit zahlreichen Partnern schaffen wir Trittsteine und erhalten langfristig Lebensräume und Artenvielfalt.

Der Main-Donau-Kanal ist eine ca. 170 Kilometer lange Bundeswasserstraße in Bayern und verbindet seit der Fertigstellung 1992 den Main bei Bamberg mit der Donau bei Kelheim. Vor allem der Ausbau eines 34 km langen Abschnitts der Altmühl und dessen Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt waren in den siebziger Jahren Gegenstand kontroverser Diskussionen.

Gerade in letzter Zeit rückt der Main-Donau-Kanal aufgrund seiner Funktion als Verbundachse für den Wasserabfluss, aber auch für die Biologische Vielfalt, wieder stärker in den Fokus. Geologische Voraussetzungen und geringe Niederschläge führen im Norden Bayerns zu Wassermangel, wohingegen Südbayern über ein gutes Wasserangebot verfügt. Durch eine Überleitung von Wasser aus Altmühl und Donau in den Rothsee und von dort in Rednitz, Regnitz und Main wird deren Wasserführung über den Main-Donau-Kanal stabilisiert.
Neben der Gegenüberstellung der positiven Aspekte und der naturschutzfachlich negativen Auswirkungen des Kanalbaus, stellt sich auch die Frage, wie der Status quo aus heutiger Sicht zu bewerten ist und welche Potentiale für die Biologische Vielfalt vorhanden sind.

Mit diesen Fragen hat sich die Regierung von Mittelfranken im Rahmen der Umsetzung des Biodiversitätsprogramms Bayern 2030 intensiv auseinander gesetzt.
Durch Beteiligung zahlreicher Experten, durch umfassende Kartierungen und naturschutzfachliche Bewertung der Lebensräume und des Arteninventars konnte ein Biotopverbundprojekt zur Vernetzung naturschutzfachlich wertvoller Flächen etabliert werden. Es wurden Pflegekonzepte entwickelt, die mit zahlreichen Projektpartnern kontinuierlich umgesetzt werden.

Das für den Unterhalt des MD-Kanals zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Nürnberg unterstützt unsere Bemühungen in vorbildlicher Weise, indem es unser Pflege- und Biotopverbundkonzept auf freiwilliger Basis beispielhaft umsetzt. Zahlreiche Maßnahmen, wie z. B. Strukturanreicherungen, Umstellung auf Mahd mit Mahdgutentfernung oder auch die Anpassung von Mahdterminen an naturschutzfachliche Zielsetzungen, führten über die letzten Jahre zu einer erheblichen Aufwertung der Dammflächen. Die Kosten des Flächenunterhalts sind trotz der Umstellung der Bewirtschaftung nicht gestiegen, die Artenzahlen jedoch deutlich. Dieser Aspekt unseres Projektes kann als best-practice- Beispiel zur Förderung der Biologischen Vielfalt in vielen Kommunen dienen.
Viele Arten profitieren von dieser angepassten Pflege und konnten in ihrem Bestand gefördert oder gesichert werden. So findet Deutschlands einzige stabile innerstädtische Kreuzotter-Population (Vipera berus) an einem Dammabschnitt des Kanals im Stadtgebiet Nürnberg ideale Lebens- und Standortbedingungen. Mit gezielten Pflegemaßnahmen wird der einzigartige Standort verbessert und langfristig geschützt, so wurden z.B. Nahrungshabitate sowie Sonnen- und Versteckplätze für die Tiere angelegt. Alle Bemühungen werden unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen umgesetzt; dazu zählen neben Freizeit und Erholung vor allem auch die Gewährleistung der Dammsicherheit und die Förderung der Biologischen Vielfalt. Der Uferdamm bietet wertvolle Lebensraumstrukturen und Rückzugsmöglichkeiten, wie artenreiche Wiesen, Gehölzinseln, Strauchriegel; die angrenzenden Wälder dienen den Kreuzottern als Jagdhabitat. Von den kreuzottergerechten Unterhaltsmaßnahmen durch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und den Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb Nürnberg, profitieren auch viele andere Arten wie der Wachtelweizen-Scheckenfalter, die Zaun- und Waldeidechse und Vogelarten wie Grasmücken und Goldammern, deren Bestände sich in den vergangenen Jahren nahezu verdoppelt haben.

Aus dieser erfolgreichen Kooperation entstand die Idee, die Zusammenarbeit von Behörden und Verbänden fortzuführen und auf den gesamten Kanal auszuweiten. Heute umfasst die Kulisse neben Dammbereichen insgesamt ca. 270 weitere Biotope, darunter Wiesen, Hecken, Streuobstbestände und Feuchtbereiche. Zu den Highlights zählen wertvolle Magerrasen und artenreiche Orchideenwiesen. Unter fachlicher Begleitung der Landschaftspflegeverbände Nürnberg, Schwabach und Mittelfranken werden diese Flächen unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten gepflegt und aufgewertet, sodass sie als Trittsteine in unserem Biotopverbundsystem entlang des gesamten Main-Donau-Kanals dienen und zum Erhalt der Biologischen Vielfalt beitragen.

Unter www.landgang.info finden sich alle Informationen zum Projekt. In der Datenbank sind alle Maßnahmen einzusehen und es besteht die Möglichkeit, eigene Flächen ins Projekt einzubringen.

Partner der Regierung von Mittelfranken im Projekt „Landgang“: LPV Mittelfranken, LPV Nürnberg, LPV Schwabach, Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Nürnberg, BaySF Forstbetrieb Nürnberg, Landesbund für Vogelschutz e. V., MDN Main-Donau Netzgesellschaft mbH, AELF Fürth, Stadt Nürnberg, Kommunen, Landwirte.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Projekt „Landgang“ liefert einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biologischen Vielfalt, indem ein überregionaler Biotopverbund entlang des Main-Donau-Kanals geschaffen wird, der die Lebensräume bedrohter Arten erhält und vernetzt. Interessierte Bürger*innen und Flächeneigentümer werden über die Seite www.landgang.info informiert und motiviert, sich für die Biologische Vielfalt einzusetzen.


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Dokumente

Artikel zum Projekt Landgang

 

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Biotopkomplex am Marthweg

Marthweg
90455 Nürnberg

Öffnungszeiten: immer

Herr Dr Stefan Böger

http://www.landgang.info

 

Weitere Infos

Regierung von Mittelfranken, Sachgebiet Naturschutz, Dr. Stefan Böger
Nürnberg

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