Neue Lebensräume für Insekten und Pflanzen in Bio Obstplantagen

Wirtschaften in Harmonie mit der Natur und die Erhöhung und Erhaltung der biologischen Vielfalt ist seit 1985 unser Ziel. Neue Ideen und die zusätzliche Nutzung der Fahrgassen in unseren Obstanlagen zur Erhöhung der biologischen Vielfalt haben seit 2008 das Artenspektrum bei Pflanzen und Insekten vervielfacht. Erreicht haben wir das durch das Anlegen von ein -und mehrjährige Blühstreifen mitten in unseren Bio Obstanlagen und verschiedensten Nisthilfen. Dadurch geben wir ganzjährig vielen Insekten, Schmetterlingen, Spinnen, Wildbienen und Vögeln Nahrung und neuen Lebensraum.

Wirtschaften in Harmonie mit der Natur bedeutet für uns nicht nur schöne, gesunde und leckere Äpfel zu produzieren, sondern auch neue Lebensräume für Pflanzen, Insekten, Vögel, Schmetterlinge und vieles mehr zu schaffen. Bert Krämer vom Bio Hof Bölingen war 1985 Pionier für den biologischen Obstbau. Heute leistet er mit seinem Bio Hof Pionierarbeit in der Erhöhung und Erhaltung der biologischen Vielfalt auf Bio - Erwerbsobstbauflächen.
Auch wenn es in einer Bio Obstanlage von Natur aus eine größere Pflanzen – und Insektenvielfalt gibt, wollen wir durch unsere Maßnahmen die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren um das Mehrfache erhöhen. Die Pflanzenvielfalt wird durch Einsaaten und mehrmalige Pflege pro Jahr von uns geschaffen und erhalten. Erst dadurch haben wir das ganze Jahr über genügend Nahrung für Insekten, Vögel und andere Tiere.
Seit über 10 Jahren säen wir gezielt ein- und mehrjährige Blühstreifen mitten in unsere Obstanlagen. Insgesamt haben wir z.Zt. ca. 17 km Blühstreifen auf 10 ha Tafelobst. Diese Blühstreifen sollen durchgehend von April bis Oktober blühen und dadurch Insekten, Wildbienen, verschiedenen Vogelarten, aber auch Käfer und Spinnen ernähren. Denn nur durch das Vorhandensein von Pollen und Nektar können sich die Insekten ganzjährig in unseren Obstanlagen leben. Dort wo es Insekten gibt, siedeln sich auch schnell verschiedene Vogelarten an, denen wir durch unterschiedliche Nisthilfen Wohnraum geben. Als Nebeneffekt haben sich von alleine sehr viele Wildbienenarten ( ca. 25 verschiedene ) und Nützlinge für unsere Obstanlagen dauerhaft angesiedelt. Die Hauptmenge der vorhandenen Insekten, Schmetterlinge und Käfer sind aber indifferent und freuen sich über einen neuen Lebensraum mit genügend Nahrung.
In einer Obstanlage haben wir die Möglichkeit 20 Jahre lang, ohne Veränderungen der Struktur, neue Lebensräume für Pflanzen, Insekten und Vögel zu schaffen.
Wir säen ca. 80 verschiedene Pflanzen ein, die in ihrer Zusammensetzung an eine Naturwiese, bzw. an Bauerngärten angelehnt sind. Wir haben unterschiedliche Wohnangebote für Wildbienen und Insekten. Durch Steinhaufen leben bei uns zeitweise Mauswiesel und Marder. In jeder Obstanlage hängen Nisthilfen für verschiedenste Vogelarten und Nistkästen für Falken. Mithilfe der Wiesel und der Falken, aber im Frühling auch durch den Fuchs kann die Mäusepopulation z.Zt. mit nur sehr geringen Schäden an den Obstbäumen auf einem niedrigen Niveau gehalten werden.
Die ältesten mehrjährigen Blühstreifen sind jetzt 11 Jahre alt. Über diesen langen Zeitraum wird die Pflanzenvielfalt geringer, da sie sich unseren Böden und dem Kleinklima anpassen. Um eine große Vielfalt bei den mehrjährigen Pflanzen zu erhalten, werden die meisten Blühstreifen nach ca. 6 – 8 Jahren erneuert. Dadurch gibt es unterschiedlich alte mehrjährige Blühstreifen in jeder Obstanlage. Diese mehrjährigen Blühstreifen werden 2 x im Jahr geschröpft ( geschnitten ), damit die Frühlingsblüher nicht den Sommer- und Herbstblüher das Licht und den Platz wegnehmen. Natürlich arbeiten wir in verschiedenen Intervallen, damit nie alle Blüten gleichzeitig geschnitten werden und damit das Futterangebot plötzlich verschwindet.
Die einjährigen Blühstreifen werden das ganze Jahr über nicht geschnitten und blühen dadurch durchgehend bis zum ersten Frost. Da sie im frühen Frühjahr eingesät werden, blühen sie etwas später als die mehrjährigen Blühstreifen, sind dafür aber im Sommer und Herbst vielseitiger und üppiger.
Durch diese vielseitigen Maßnahmen haben wir die Biodiversität in unseren Obstanlagen in allen Bereichen deutlich erhöhen und artenreicher machen können. Da eine sensible Dauerkultur wie der Obstbau durch Schädlinge und Mäuse stark geschädigt werden kann, haben wir immer wieder mit wissenschaftlichen Institutionen zur Bestimmung von Tieren und Pflanzen zusammengearbeitet. So hatten wir die Uni Bonn bei den Bienenpopulationen als wissenschaftlichen Begleiter und die Uni Hohenheim, sowie das DLR Rheinpfalz bei der Pflanzen- und Insektenbestimmung gewinnen können. Daher wissen wir, dass sich weit über 20 Wildbienenarten in unseren Obstanlagen angesiedelt haben. Schmetterlinge, wie z.B. die spanische Flagge, aber auch Bläulinge und andere Arten sind mehrfach gesichtet worden. An warmen Tagen wimmelt es vom Kleinstinsekt bis zum Heupferd in den Blühstreifen. Wir haben schon viel erreicht und neue Wege aufgezeichnet, aber es gibt noch viele Fragen und jedes Jahr ändern wir Kleinigkeiten, um das System zu verfeinern.
Heute kommen Obstbauern aus ganz Europa, um sich unsere Blühstreifen anzuschauen und zu diskutieren. Für Wanderer und Fahrradfahrer haben wir Schautafeln an unseren Obstplantagen angebracht. Dadurch haben wir unsere Arbeiten anschaulich erklären können und viele Gartenbesitzer anregen können, die Biodiversität in ihren eigenen Hausgärten zu erhöhen.
Wirtschaften in Harmonie mit der Natur und die Erhöhnung und Erhaltung der biologischen Vielfalt ist unser Ziel.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die Landwirtschaft kann durch den Einsatz verschiedener Pflanzenschutzmittel ihre Nutzflächen kaum für die Erhöhung der Biodiversität verwenden. Auch der Bio Anbau bietet wenig langjährigen Lebensraum für Pflanzen und Insekten. Aber durch das zusätzliche Angebot eines reichhaltigen, dauerhaften, blühenden Bereiches auf unseren Nutzflächen ohne Ertragsminderung und mit bestimmten Arbeitsabläufen können wir auf unseren Bio Flächen einen zusätzlichen Beitrag zur Erhöhung der Pflanzen- und Insektenvielfalt leisten. Durch begleitende Untersuchungen ist dies mehrfach bestätigt worden. Durch Führungen und Schautafeln können wir unsere neuen Wege zur Erhöhung der Biodiversität anderen Berufskollegen, aber auch Schulklassen und Privatpersonen erklären, vermitteln und sichtbar machen.


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53501 Grafschaft

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Herr Bert Krämer
Tel.:02641-21821
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