Unsere Streuobstwiese: Ein wertvolles Kleinod der Biologischen Vielfalt

1983, also vor nunmehr 36 Jahren, erwarben mein Mann und ich eine Streuobstwiese, die eine wertvolle Fläche der biologischen Vielfalt darstellt. Wir bearbeiteten sie seitdem in Richtung Aushagerung für eine Vermehrung der Blütenpflanzen bei gleichzeitigem Erhalt der Bäume und ihrer Verjüngung durch Nachpflanzung und Schnitt. Ich möchte nun eine Foto-Dokumentation der dort sehr reichhaltig vorkommenden Pflanzen- und Tierwelt inclusive der Früchte anfertigen. Von dieser Zusammenstellung möchte ich weiterhin Vorträge anbieten.

Motivation für den Kauf unserer Streuobstwiese war bereits vor 36 Jahren der Wunsch, der Natur ein Refugium zu bieten, was 1983 in den Erwerb dieser Wiese mündete. Unsere Streuobstwiese ist 6600 qm groß, zwischen zwei Dörfern südlich des Göttinger Waldes, einem Kalkbuchenwald, gelegen, und abfallend nach Südosten geneigt. Oben und seitlich grenzt sie an einen Halbtrockenrasen, unten sowie an der anderen Seite an konventionell bewirtschaftete Felder. Der Boden ist oben als Kalkmagerrasen charakterisiert, im unteren Bereich ist er etwas lehmhaltiger. Die Wiese ist vollständig von einer Hecke umgeben, in der sich u.a. Weißdorn, Schlehdorn und Rosen befinden. Eine Schmalseite war zunächst offen, an der wir eine Benjeshecke mit geschichtetem Strauchschnitt anlegten. Bis diese Seite geschlossen war, hat es allerdings 30 Jahre gedauert. Unsere Kinder und Enkelkinder haben gerne hier gespielt und viel über Tiere, Pflanzen und Früchte gelernt.

Als Kalkmagerrasen (Mesobrometum) ist unsere Streuobstwiese seit 2006 als besonders geschütztes Biotop ausgewiesen, welches eine reichhaltige Pflanzen- und Tierwelt beherbergt. Auf ihr wachsen über 100 Blütenpflanzenarten, einschließlich der für Halbtrockenrasen charakteristischen Arten wie Knolliger Hahnenfuß, Rauhaariges Veilchen, Wiesensalbei, Fransenenzian, Mücken-Händelwurz, Bienen-Ragwurz und Fliegen-Ragwurz. Die niedersächsische Rote Liste führt Kalkmagerrasen (FFH-Typ 6210) als stark gefährdet auf (RL 2), und uns ist bewußt, dass wir mit diesem Doppelcharakter – basischer Halbtrockenrasen und Streuobstwiese – eine einzigartige Fläche biologischer Vielfalt bearbeiten. Leider sind inzwischen auch einige Stickstoffanzeiger wie die Gelbflechte vorhanden, die bereits junge Bäume überzieht. Das spricht für Stickstoffeintrag über die Atmosphäre.

Gemeinsam mit den Blüten der Obstbäume und der Hecke halten die Wiesenpflanzen ein reichhaltiges Nahrungsangebot für Wildbienen, Falter und andere Insekten bereit, in deren Gefolge auch Vögel und Säugetiere leben. Offene Stellen im Boden und Totholz begünstigen die Entwicklung der Insekten. Über 50 Falterarten zählen wir hier, darunter die für Kalkmagerrasen typischen Arten der Bläulinge, Widderchen und Dickkopffalter. Viele stehen auf der Roten Liste und sind streng geschützt wie der Kaisermantel, der große Perlmutterfalter oder der Schwalbenschwanz. Dasselbe gilt für unsere Wildbienen wie die Frühlings-Pelzbiene oder die fuchsrote Sandbiene sowie sämtliche Hummelarten und Hornissen.

Die Entwicklung der Vögel fördern wir durch Nistkästen in den Bäumen. Einige Vogelarten jedoch wie Rebhühner und Neuntöter, die ich vor 20 Jahren hier definitiv beobachtet habe, sind leider heutzutage völlig verschwunden. Nun können wir immerhin noch die für Streuobstwiesen typischen Vögel wie Trauerschnäpper, Gartenrotschwanz und Grünspecht beobachten. Letztlich sind noch genügend Nahrungsinsekten wie Spinnen, Heuschrecken und Baumwanzen vorhanden. Durch die Waldnähe sind auch etliche Waldtiere auf der Wiese, was wir mit Hilfe einer Wildtierkamera deutlich machen konnten. Darauf sehen wir Waldohreule und Buntspecht wie auch waldtypische Säugetiere einschließlich der Wildkatze. Feldhasen leben in der Hecke und Siebenschläfer in einem Nistkasten.

Die von den Vorbesitzern angepflanzten Bäume - Äpfel, Birnen, Zwetschen und Kirschen - waren zum Zeitpunkt des Kaufs etwa 30 Jahre alt, etliche davon Niedrigstämme. Sie hatten den Vorteil, dass man sie bequem pflücken und die Kinder in ihnen gut klettern konnten, doch den Nachteil, dass sie nicht alt werden. Viele von diesen Bäumen sind nun bereits abgestorben, und wir verjüngen den Streuobstaltbestand nachhaltig mit der Anpflanzung resistenter und langlebiger Hochstämme alter Sorten. Relativ zur Anzahl der Bäume ist der Ertrag wegen der kargen Bodenbeschaffenheit eher niedrig, zusätzlich teilen wir ihn uns mit den Tieren. Die Früchte sind klein, jedoch äußerst schmackhaft. Eine Jahresernte hat uns in der Regel ausreichend mit ausgesprochen delikaten Früchten und einzigartigem Saft versorgt.

Einmal im Jahr mähen wir die Wiese mit einem Balkenmäher portionsweise im Frühherbst, mulchen das Heu um die Bäume herum und ziehen den Rest in die Hecke, so dass die Wiese frei von Stockausschlägen und Verfilzung bleibt. Im Lauf der Jahre hagerte sie aus, so dass aus einer Löwenzahnwiese eine Orchideenwiese wurde. Die Bäume werden geschnitten, um auch ohne Dünger gute Fruchtbedingungen zu schaffen. Dabei ist die Ausbildung zum Baumwart durch den Landschaftspflegeverband Göttingen hilfreich. Mehr als 20 Jungbäume haben wir inzwischen nachgepflanzt, Totholz bleibt teilweise stehen oder bildet Holzhaufen. Käfer entwickeln sich darin, aber auch Zauneidechsen sonnen sich dort. Wir wollen diese einzig schöne Vielfalt erhalten, erfüllende Arbeit leisten und uns nicht nur an dem Obst, sondern auch an den ebenso vorkommenden Blindschleichen oder Fledermäusen erfreuen. Diese Streuobstwiese ist unser Paradies.


Bezug zur biologischen Vielfalt:

Unsere Streuobstwiese ist aufgrund ihrer vielfältigen Struktur und dem Verzicht auf Dünger, Insektizide und Pestizide per se ein artenreiches Biotop. Eine artenreiche Flora bedingt eine reichhaltige Fauna, und die wiederum bedingt eine gute Samen- und Fruchtbildung. Unsere Streuobstwiese in ein komplexes und eng miteinander verzahntes System der Biodiversität mit guten Nahrungs- und Brutbedingungen. Gerne würden wir noch eine weitere Wiese bearbeiten.


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Dokumente

Obstbaumliste Stand Februar 2019

 

Besuchen Sie uns

Streuobstwiese Groß-Lengden

Eulenloch 9
37075 Göttingen

Öffnungszeiten: nach telefonischer Absprache

Frau Dr Bettina Lange-Malecki
Tel.:0175 6424112
bettina@lange-malecki.de

 

Weitere Infos

Dr. Bettina Lange-Malecki, Werner Lange
Göttingen

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