Biodiversität von Steinbrüchen

Ein wichtiges Ziel des Projekts ist die Erstellung eines Leitfadens mit Handlungsempfehlungen zum biodiversitätsfördernden und nachhaltigen Management von Steinbrüchen in Mitteleuropa. Neben Maßnahmen, die auf eine generelle Verbesserung der Habitatqualität in Steinbrüchen abzielen soll ein weiterer Fokus auf Maßnahmen zur Erhöhung der Konnektivität der Habitate liegen. Alle vorgeschlagenen Maßnahmen werden explizit vor dem Hintergrund des aktuellen Klimawandels erarbeitet und beinhalten Anpassungsmaßnahmen an diesen.

Der rezente Biodiversitätsverlust hat weltweit ein bislang unbekanntes Ausmaß erreicht. Trotz großer Anstrengungen des Naturschutzes setzt sich diese dramatische Entwicklung fort. Als Hauptverursacher des globalen Artensterbens gilt der Mensch, insbesondere durch massive Änderungen der Landnutzung.
Lange Zeit wurden Steinbrüche mit Landschaftszerstörung und Verlusten der Artenvielfalt gleichgesetzt. Entsprechend ist es immer noch häufige Praxis Steinbrüche nach Abschluss der Abbautätigkeit zu verfüllen und aufzuforsten. Erst seit Ende der 1990er-Jahre sind Steinbrüche und ihre Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt stärker in den wissenschaftlichen Fokus gerückt.
In Deutschland fehlen generell zukunftsfähige Konzepte zur Erhaltung der Artenvielfalt, die sowohl die Auswirkungen des Landnutzungs- als auch des Klimawandels hinreichend berücksichtigen. Dies gilt auch für Steinbrüche, die aufgrund des globalen Baubooms und damit zusammenhängend einer stark gestiegenen Nachfrage nach Baumaterial – wie Zement oder Steinen – eine zunehmend größere Bedeutung erlangen.
Daraus resultiert folgende Zielsetzung für das Projekt in Westfalen und östlich angrenzenden Regionen Niedersachsens und Hessens:
Biodiversitätsanalyse: Ermittlung der Biodiversität der Indikatorgruppen Pflanzen (Armleuchteralgen, Höhere Pflanzen), Wildbienen, Amphibien und Vögel mit hinreichender Stichprobenanzahl in Steinbrüchen bzw. Steinbruchgewässern im Vergleich zu heterogenen Ausschnitten der Landschaft und zu Kalkmagerrasen bzw. Gewässern in der Normallandschaft.
Handlungsempfehlung: Erarbeitung eines Leitfadens mit Handlungsempfehlungen zum biodiversitätsfördernden und nachhaltigen Management von Steinbrüchen in Mitteleuropa.
Wissenstransfer: Vermittlung der gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse durch intensive Öffentlichkeitsarbeit und Publikationstätigkeit auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Projekt leistest aufgrund folgender Punkte einen substanziellen Beitrag zum Schutz des nationalen Naturerbes und der biologischen Vielfalt:
Großflächigkeit: Aufgrund der Großflächigkeit des Ökosystems in bestimmten Regionen Europas (z.B. in den Teiluntersuchungsgebieten des Projektes) haben Steinbrüche einen großen Einfluss auf die Diversität auf der Landschaftsebene (Gamma-Diversität). Durch Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in Steinbrüchen kann die biologische Vielfalt größerer
Landschaftsausschnitte somit nachhaltig gefördert werden.
Flächendynamik: Der Einfluss von Steinbrüchen auf die Biodiversität nimmt aktuell weiter zu, da die Abbaufläche ebenfalls wächst. Für Konzepte zum nachhaltigen Biodiversitätsschutz in Steinbrüchen besteht also dringender Handlungsbedarf.
Repräsentativität: Westfalen und östlich angrenzende Regionen sind eines der Zentren des Gesteinsabbaus in Europa. Die hier gewonnenen Erkenntnisse haben daher europaweite Relevanz für den Biodiversitätsschutz in Steinbrüchen.
Gefährdung: Steinbrüche sind jüngst aufgrund ihrer Bedeutung für den Biodiversitätsschutz stärker in den wissenschaftlichen Fokus gerückt. Für wärmeliebende und gefährdete Arten aus den Gruppen der Spinnen, Libellen, Heuschrecken und Tagfalter ist die große Bedeutung von Steinbrüchen inzwischen klar nachgewiesen. Für die Indikatorgruppen (Pflanzen, Wildbienen, Amphibien und Vögel) des Projektes ist eine ähnliche Bedeutung zu erwarten.


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Dokumente

Zwischenergebnisse

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