„Nah am Wasser und an der Natur“ die OWA Tegel in Berlin

Die Oberflächenwasseraufbereitungsanlage (OWA) Tegel reinigt seit 1985 das Wasser des Nordgrabens und des Tegeler Sees im Berliner Norden und trägt entscheidend zu dessen Erhalt als Naherholungsgebiet und Lebensraum für Tiere und Pflanzen bei. Seit 2018 bietet das Gelände der OWA zudem wertvolle Trittsteinsteinbiotope. Angelehnt an die Gebäudearchitektur – einem Schiff– wogt rund um die OWA ein Salbeimeer, es sprüht eine Gischt aus Wilder Möhre und Graukresse, eine Düne wird zur wertvollen Sandtrockenrasenfläche. Insekten und Wildbienen finden dort Nahrung und Unterschlupf. Die Berliner Wasserbetriebe haben im Projekt „OWA naturnah“ freiwillig rund 7.000 m² des Geländes umgestaltet, um die Biologische Vielfalt zu fördern. Damit sind sie – angestoßen durch das Projekt „Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen“ – zu einem „Leuchtturm-Unternehmen“ geworden, das eine vorbildliche Gestaltung hinsichtlich ökologischer Qualität und Übertragbarkeit der Maßnahmen umsetzt. Die Planung wurde über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt des BMUB gefördert. Projektdurchführung: Heinz Sielmann Stiftung, Bodensee-Stiftung und Global Nature Fund (www.naturnahefirmengelaende.de/Leuchtturmunternehmen.html)
Wichtig war den Planern, dass überwiegend heimische Arten mit gebietseigener Herkunft gemäß ihrer natürlichen Vergesellschaftung eingesetzt werden. Eine fachgerechte Pflege fördert vielfältige Blühaspekte und Lebensraumstrukturen für unterschiedlichste Tierarten, insbesondere Insekten.

Nah am Wasser liegt die 1985 in Betrieb genommene Oberflächenwasseraufbereitungsanlage (OWA) Tegel. Genauer: direkt an Nordgraben und Tegeler Fließ und etwa 200 Meter vom Tegeler See entfernt. Hier wird das Wasser aus Nordgraben und Tegeler See so gründlich gereinigt, dass der Tegeler See es binnen weniger Jahre zum saubersten Badegewässer Berlins gebracht hat. Nordgraben und Tegeler Fließ sind im Norden Berlins wichtige Naherholungsgebiete und Lebensräume für bedrohte Arten. Seit 2018 ist die OWA nicht nur wasser- sondern auch naturnah: Die Berliner Wasserbetriebe haben rund 7.000 m² des Geländes umgestaltet, um die Biologische Vielfalt am Standort zu fördern. Mit dem Projekt „OWA naturnah“ sind die Berliner Wasserbetriebe zu einem „Leuchtturm-Unternehmen“ (www.naturnahefirmengelaende.de/Leuchtturmunternehmen.html) geworden, die – angestoßen durch das Projekt „Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen“ – eine besonders vorbildliche Gestaltung hinsichtlich ökologischer Qualität und Übertragbarkeit der Maßnahmen umsetzen. Die Umgestaltung wurde durch das BfN mit Mitteln des BMUB über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert. Das Projekt wird von Heinz Sielmann Stiftung, Bodensee-Stiftung und Global Nature Fund durchgeführt.
Die Architektur der OWA ist durch die Nähe zum Wasser geprägt: Sie ist einem Schiff nachempfunden. Dieses Thema greift die Freiflächenplanung auf. Maritime Elemente wie Meer, Brandung, Insel und Düne wurden in Vegetationsbilder übersetzt. Wichtig war den Planern, Arten gemäß ihrer natürlichen Vergesellschaftung einzusetzen. Zudem haben sie überwiegend heimische Arten mit gebietseigener Herkunft verwendet, darunter Zielarten des Berliner Florenschutzes. Damit bieten die Pflanzen einen Mehrwert über den Standort hinaus: Bei Bedarf liefern sie Samen für andere Orte in Berlin.
Die Pflanzen wurden in Abstimmung mit der Koordinierungsstelle Florenschutz der Stiftung Naturschutz Berlin und mit dem Büro des Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege ausgewählt. Auf diese Weise bildet das “OWA-Schiff“ mit seinem Gelände eine Arche für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
Das Gründach am „Schiffsheck“ erwartet Besucher mit blau blühenden Steppenrasenarten und bizarren Steppengräsern. Die nördlich an das Gebäude anschließende Wiese ist ein wogendes, blaues Meer. Bestandsprägend ist der Flaumhafer mit seinen silbern glänzenden Blüten. Blau blühende Kräuter wie Wiesen-Salbei, Vogelwicke und Glockenblumen setzen Akzente. Am „Bug des Schiffes“ sprüht Gischt in Form eines wilden Bewuchses aus Wilder Möhre, Sichelmöhre, Natternkopf und Graukresse. Eine ehemalige Baustelleneinrichtungsfläche wurde zur Düne entwickelt. Ihr basenreicher Sandtrockenrasen mit Steppen-Lieschgras, Gras- und Karthäuser-Nelke, Sand-Strohblume und Grünblütigem Leimkraut korrespondiert mit der Steppenpflanzung am „Schiffsheck“. Für Insekten ist auch der neue Schattsaum besonders attraktiv, der hauptsächlich im Frühjahr blüht. Auf einer ausgedehnten Pflasterfläche ist eine dauerblühende Insel mit Oregano ein Faltermagnet. In Randbereichen wurden Strukturelemente wie Stein- oder Totholzhaufen eingebracht und Nisthilfen für Wildbienen geschaffen.
Für das Projekt haben die Berliner Wasserbetriebe mit dem Berliner „Projekt Urbanität und Vielfalt“ zusammengearbeitet: Aktive des Projekts haben noch Ende 2018 weitere ca. 1000 Pflanzen wertgebender Arten wie Gras- und Heidenelke in die Bereiche der Düne und des Flockerdaches gesetzt.
Eine fachgerechte Unterhaltungspflege ist Bestandteil des Gesamtkonzepts. Durch z.B. kleinteilige, extensive und zeitlich variierende Mahd v.a. der Wiesenflächen - auch mit überwinternden Altgrasflächen - werden vielfältige Blühaspekte und Lebensraumstrukturen für unterschiedliche Tierarten, darunter insbesondere Insekten gefördert. Dies ist schon kurz nach der Umgestaltung sichtbar: Diverse Wildbienen, Heuschrecken und Tagfalter nutzen das zusätzliche erste Blütenangebot.
Auch die Beschäftigten schätzen das neue „Gesicht“ ihrer OWA. Sie einzubeziehen, war für die Akzeptanz und Identifikation mit der naturnahen Umgestaltung wichtig. Die OWA empfängt jährlich mehrere hundert FachbesucherInnen. Das Projekt „OWA naturnah“ fließt in die Besucherkommunikation mit ein, um Multiplikations- und Nachahmeffekte zu erzielen.
In Publikationen wie “Biodiversity in Good Company Initiative e. V. (Hg.): Unternehmen der Wasserwirtschaft – aktiv für die biologische Vielfalt“, an der die Wasserbetriebe aktiv mitgewirkt haben, nimmt das Projekt einen prominenten Platz ein. Im Internetauftritt der Wasserbetriebe www.bwb.de ist die Verantwortung gegenüber der Natur veranschaulicht.
Zum Unternehmen: Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) versorgen rund 3,5 Mio. Menschen in der Hauptstadtregion mit Trinkwasser und behandeln das Abwasser von ca. 4,1 Mio. Menschen. Das Unternehmen hat sich öffentlich zum Erhalt der Biodiversität (2008 Beitritt mit Eigenerklärung zum Countdown 2010) verpflichtet.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Durch die Umgestaltung der Freiflächen in der Oberflächenwasseraufbereitungsanlage Tegel, verbunden mit einer nachhaltigen und langfristig angelegten Pflege erhöhen sich am Standort die Vielfalt von qualitativ hochwertigen Lebensräumen und damit verbunden die Anzahl von heimischen, z.T. geschützten Arten der Berliner Flora und Fauna. Insbesondere die eingebrachten Zielarten des Berliner Florenschutzes mit Berliner Herkunft stellen eine besondere Qualität des floristischen Arteninventars dar. Besonders hervorzuheben ist auch die Möglichkeit der Gewinnung von Pflanzensamen für eine weitere Verbreitung der Zielarten des Florenschutzes im Stadtgebietes und damit der Bewahrung des genetischen Pools dieser Pflanzen. Das davon viele Tierarten, insbesondere diverse Insektenarten profitieren ist positiver Begleiteffekt. Neben den neu geschaffenen oder aufgewerteten sonnigen Trockenrasenbereichen mit „gelenkter“ Wildnis, artenreichen Wiesen, einem Schattsaum, oder den Strukturelementen wie Stein-oder Totholzhaufen werden auch bestehende Biotope integriert und verzahnt. So können z.B. durch Auslichtung des Uferbereichs Insekten des angrenzenden Nordgrabens als Wasserlebensraum die entstandenen offenen besonnten Flächen als Landlebensraum nutzen. Aber auch der bereits beheimatete Fuchs kann sich weiter wohl fühlen. Der Wert der Flächen als Trittsteine im Biotopverbund hat sich deutlich erhöht.


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Besuchen Sie uns

Oberflächenwasseraufbereitungsanlage (OWA) Tegel

Buddestraße 33
13507 Berlin

Öffnungszeiten: nach Anmeldung

Frau Petra Kalettka
Petra.Kalettka@bwb.de

 

Weitere Infos

Berliner Wasserbetriebe
Berlin

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