Warum wir bunte Äcker brauchen

Ackerwildkräuter haben sich seid tausenden von Jahren an die Bewirtschaftung der Äcker durch den Menschen angepasst und sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturlandschaft geworden. In den letzten Jahrzehnten führte die Intensivierung der Landwirtschaft zu einem starken Verlust der biologischen Vielfalt in Agrarökosystemen. Dadurch steht heute beispielsweise jede zweite Ackerwildkrautart in mindestens einem Bundesland auf der Roten Liste für gefährdete Arten. Dabei sind Ackerwildkräuter als Primärproduzenten von besonderer Bedeutung und sie erhöhen die biologische Vielfalt des Ökosystems. Unser Projekt untersucht verschiedenste Ökosystemfunktionen seltener Ackerwildkräuter und versucht eine Antwort auf die oft gestellte Frage nach dem Nutzen dieser Arten zu beantworten.

Welche Ökosystemfunktionen haben seltene Ackerwildkräuter?
Die Intensivierung der Landwirtschaft führte zu einem starken Verlust der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft. Ackerwildkräuter, welche als Primärproduzenten wichtige Funktionen von Ökosystemen übernehmen, sind durch die Intensivierung des Managements besonders stark davon betroffen. Dies hat zur Folge, dass auch Nahrungsquellen und Nisthabitate für viele Insektenarten verloren gehen und es zu einem Rückgang vieler Insektenarten kommt. Bislang gibt es aber kaum Erkenntnisse, die den Schutz der stark rückläufigen, seltenen Ackerwildpflanzen wissenschaftlich belegen. Unser an der Technischen Universität München angesiedeltes Projekt untersucht deshalb in Zusammenarbeit mit der Biobauern Naturschutz GmbH, der Seidlhof Stiftung und der Bayrischen Kulturlandstiftung die Funktionen von seltenen Ackerwildkräutern in der Münchner Schotterebene. Auf zehn landwirtschaftlichen Praxisbetrieben und in einem großen Parzellenversuch wurden dafür Flächen mit und ohne Einsaat von zehn seltenen und konkurrenzschwachen Ackerwildkrautarten angelegt. Der zusätzliche Vergleich mit und ohne Einsaat von Kulturpflanzen soll zeigen, inwieweit solche Maßnahmen in die reguläre Bewirtschaftung integriert werden können („land sharing“) oder ob die Trennung von Schutz- und Nutzflächen („land sparing“) größere Erfolge verspricht. Ein Vergleich mit handelsüblichen Blühmischungen soll zeigen, welche Vor- und Nachteile die Einsaat seltener Ackerwildpflanzen gegenüber praxisüblichen Naturschutzmaßnahmen bringt.
Folgende Ökosystemfunktionen seltenes Ackerwildpflanzen werden untersucht:
1. Ihr Beitrag zur pflanzlichen Vielfalt der Agrarlandschaft.
2. Der Einfluss seltener Ackerwildkräuter auf die Abundanz und Diversität von Bestäubern. Besonderer Fokus liegt dabei auf Wildbienen und Schwebfliegen.
3. Die Auswirkungen von seltenen Ackerwildkräutern auf die biologische Schädlingskontrolle im Acker. Hierfür werden Schädlingen, wie Blattläuse und Nützlinge wie Schweb-, Florfliegen und Marienkäferlarven untersucht.
4. Die Veränderung der Bodenfruchtbarkeit und des Nährstoffhaushalts im Boden. Dabei werden die Abundanz und Biomasse von Regenwürmern, sowie die Nährstoffverfügbarkeit von Stickstoff, Kohlenstoff und Phosphor im Boden untersucht.
5. Die Produktivität (Wildpflanzenbiomasse und Kulturpflanzenertrag) in Parzellen ohne- und mit Einsaat seltener Ackerwildkräuter.
6. Den Einfluss der Ackerwildkräuter auf die Ästhetik des Landschaftsbildes.
Von der Theorie zur Praxis
Unser Versuchsdesign ist so konzipiert, dass sich daraus direkt Handlungsempfehlungen zur Integration der Ökosystemfunktionen von seltenen Ackerwildpflanzen in die Naturschutzpraxis ergeben. Der Kooperationspartner Biobauern Naturschutz GmbH wird dafür Interviews mit Landwirten durchführen, die Aufschluss geben sollen, unter welchen Bedingungen die Einsaaten seltener Ackerwildpflanzen akzeptiert wird und wo noch Verbesserungsbedarf besteht.
Zusätzlich werden in Kooperation mit den Naturschutzbehörden Vorschläge erarbeitet, wie ein Ackerwildkraut-fördernder Ackerbau in Agrarumweltprogramme integriert werden kann. Ziel ist es, die Projektergebnisse in die Naturschutzpraxis einzubinden und positive Ökosystemfunktionen der Ackerwildkräuter mit dem Schutz gefährdeter Arten zu verbinden.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Projekt „Ökosystemfunktionen seltener Ackerwildkräuter“ kombiniert den Schutz gefährdeter Arten, die Erhöhung der biologischen Vielfalt und die Verbesserung der Ökosystemfunktionen, wie z.B. die Habitatfunktion für viele Bestäuber, in Agrarlandschaften. Zusammenfassend kann die Einsaat seltener Ackerwildpflanzen zu einer deutlich nachhaltigeren Nutzung von Agrarflächen führen.


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Lehrstuhl für Renaturierungsökologie der Technischen Universität München

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Öffnungszeiten: Mo-Fr 8.00 bis 17.00 Uhr (Termine nach Absprache)

Frau Alina Twerski
alina.twerski@tum.de
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Alina Twerski, Dr. Christina Fischer und PD Dr. Harald Albrecht (Technische Universität München)
Freising

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