Blühende Industriegebiete

Industrie- und Gewerbegebiete sind heute meist durch kastenförmige Zweckbauten, Parkplätze und monotones Abstandsgrün gekennzeichnet.
Entsprechend gering sind die Artenzahlen bei Tier- und Pflanzenarten. In den oftmals großflächigen Industrie- und Gewerbegebieten mit zum Teil ungenutzten Vorhalteflächen bestehen große Potenziale für die biologische Vielfalt.
Ziel des Bildungs- und Beteiligungsprojektes ist es, die Auszubildenden für fachfremde Inhalte wie Natur- und Artenschutz, Gartenbau, Ernährung und künstlerische Gestaltung zu begeistern. Azubis werden in den betrieblichen Abläufen als Lernende, als Empfänger von berufsspezifischen Inhalten wahrgenommen und stehen in der Unternehmenshierarchie weit unten. Mit diesem Projekt soll die „Einbahnstraße“ durchbrochen werden. Die Azubis erhalten den Freiraum, in Eigenregie Ideen für die biologische Vielfalt zu entwickeln und sie der Belegschaft auf Augenhöhe zu präsentieren. Die Belegschaft erhält die Chance die Azubis als Quelle der Inspiration und Erneuerung wahrzunehmen. Nebenbei eignen sich die Azubis grundlegende Kenntnisse des Projektmanagements an und beschäftigen sich mit wichtigen, zukunftsfähigen Themen.
Das auf 24 Monate angelegte Langzeitprojekt beabsichtigt in moderierten Workshops für das jeweilige Unternehmen einen Masterplan für mehr biologische Vielfalt und für eine höhere Aufenthaltsqualität im Außenraum zu entwickeln und diesen nach Abstimmung mit der Unternehmensleitung auch praktisch umzusetzen.

Mit dem Projekt „Blühende Industriegebiete“ wird erstmals im Rahmen eines Bildungsprojektes angestrebt, in Abstimmung mit zunächst vier Unternehmen, ein vorhandenes Industriegebiet schrittweise ökologisch aufzuwerten.
Wichtige Akteure sind dabei die Azubis, die beispielsweise in der Mittagspause einen Tee aus frischen Kräutern genießen, nach den selbst gepflanzten Paprikas, Chilis und Tomaten sehen oder sich im Freien an den Hummeln auf der Apfelblüte erfreuen und im Herbst Mirabellen und Zwetschgen ernten.
Mit dem Projekt „Blühende Industriegebiete“ soll der Themenkomplex „biologische Vielfalt“ in der beruflichen Ausbildung erprobt werden.
Die Bildungsinhalte werden durch Besichtigungen, Exkursionen und Kreativ-Workshops abwechslungsreich gestaltet.
Meilenstein 1, Vorplanungsphase: Eine Potenzialstudie ermittelte in Zusammenarbeit mit den ansässigen Betrieben und Grundstückseigentümern Flächen, die sich für eine Begrünung eignen. Vor Beginn der praktischen Umsetzungsphase des Projektes haben im Frühjahr und Sommer 2018 Biologen die Kartierungen von nistenden Vögeln und Reptilien mit Hauptaugenmerk auf die Mauereidechse vorgenommen. Seit Mai 2019 werden derzeit die Wildbienen in 4 Rundgängen auf den Unternehmensflächen erfasst.
Der Internetauftritt zum BIG-Projekt ist im Frühjahr 2018 erstellt worden.

Meilenstein 2, Bildungsphase: Zu den folgenden Themen werden in Zusammenarbeit mit den zahlreichen in Freiburg vorhandenen zivilgesellschaftlichen Institutionen und Experten Bildungseinheiten erstellt: Natur- und Artenschutz mit besonderem Fokus auf Mauersegler, Mauereidechse und Wildbienen, relevante Biotoptypen wie Streuobst, Trockenmauern, Halbtrockenrasen, Begrünungsmodule wie Dachbegrünung, vertikale Begrünung, Kräuter-, Gemüse-, Beerensträucher und die Themen Freiraumgestaltung, Regenwassernutzung. Mit einer Auftaktveranstaltung wurde das Projekt öffentlichkeitswirksam am 8. Mai 2018 im Kundenzentrum der Badenova erfolgreich gestartet. Im Juni, Juli und September 2018 fanden zwei Busexkursionen und eine Fahrradtour zu beispielhaften Projekten mit Azubis und Ausbildungsleitern statt. So besuchten wir z.B. Gründächer in der Nordwestschweiz, den Stadtteil Zürich-Oerlikon mit seinen großen begrünten Konversionsflächen und in Freiburg den WandelGarten als Urban Gardening-Projekt, den Abwasserzweckverband, ein Unternehmen mit einem Belegschaftsgarten, einen Solarhersteller mit einer Solartankstelle für E-Fahrzeuge und deren Regenwasserteichanlage.
Meilenstein 3, Planungsphase: In Abstimmung mit den Ausbildungsleitern erarbeiten Azubi-Teams in moderierten Workshops, für das jeweilige Unternehmen Vorschläge für die Freiraumgestaltung und für die Förderung der biologischen Vielfalt.
Bereits am 1. August 2018 wurde bei der TDK-Micronas ein Urban Gardening-Workshop durchgeführt mit dem Ziel die Situation im Eingangsbereich der Lehrwerkstätten zu verbessern.
Am 7. September 2018 ging es beim Workshop „Wohlfühlinsel“ mit den Azubis der FWTM um die Entwicklung eines Pausen-Treffpunktes auf dem großräumigen Gelände der Neuen Messe Freiburg.
Am 21. September 2018 fand zusammen mit der Ornithologin ein Vogel-Workshop in der Lehrwerkstatt der TDK-Micronas statt.
Für den 14. Dezember 2018 hatte die Badenova die Azubis zu einem Business Canvas eingeladen. Im Vorfeld zur Präsentation der eigenen Ideen vor dem Unternehmensvorstand hinterfragten die Azubis ihre Ideen und entwickelten diese weiter.
Am 1. Februar 2019 wurde bei der ASF der Workshop „Wohlfühlinsel“ gestartet mit dem Ziel den Außenraum der Kantine neu zu gestalten.
Am 1. Juli 2019 fand bei der ASF ein Workshop „Wallpainting“ zusammen mit einem Künstler statt. Für den Freisitz soll zum Thema Artenvielfalt ein Wandbild entstehen.
Meilenstein 4, Umsetzungsphase:
Bei der TDK-Micronas wurde im Mai 2019 ein Rasenstück im Eingangsbereich mit einer Größe von ca. 250qm vertikutiert. Die Azubis rechten den Rasenfilz ab und säten das Rasenstück mit regional geerntetem Saatgut ein, das vom Umweltamt der Stadt Freiburg zur Verfügung gestellt wurde.
Bei der ASF wurden die Ergebnisse des Azubi-Workshops in die Planung des zu erweiternden Kantinenaußenbereiches einbezogen. Derzeit ist ein GaLa-Bauunternehmen beauftragt die Neugestaltung des Freisitzes vorzunehmen.
Beim Energieversorger Badenova haben im Mai die Azubis und dual Studierenden zusammen mit dem Hausgärtner und gärtnerisch interessierten Mitarbeiter*innen Hochbeete aus vorgefertigten Holzelementen errichtet. Mittlerweile konnte das erste Gemüse bereits geerntet werden.
Meilenstein 5, Ausstellung: Mit allen beteiligten Azubis wird in den Wintermonaten eine Ausstellung geplant und vorbereitet. Mit Postern, Projektfilmen, Installationen und begleitenden Führungen präsentieren die Projektteams ihre umgesetzten Ideen im Rahmen der Ausstellungseröffnung.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

In Baden-Württemberg werden 447km², in der Bundesrepublik 3.437km² Boden gewerblich und industriell genutzt. Auf die gesamte Bundesfläche bezogen wird ein Anteil von 1% in Anspruch genommen. Naturschutzgebiete nehmen im Vergleich 3,9% der Fläche ein. Somit wäre die landes- oder bundesweite Ökologisierung der Gewerbe- und Industrieflächen ein großer Gewinn für Land und Bund. Seltene Arten machen nicht Halt vor Industriegebieten und fordern neue Bündnisse für die biologische Vielfalt und den Biotopverbund."Blühende Industriegebiete" setzt auf Partizipation und Vernetzung der Azubis, der Belegschaften, zivilgesellschaftlicher Akteure, des gesamten Industriegebietes und der Freiburger Bevölkerung und wird durch die geplanten Aktivitäten zu einem großen verbindenden Bildungs- und Kommunikationsprojekt für die biologische Vielfalt.


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