Erfassung der Flora und Fauna im Naturpark Moor

Die Naturschutzzonen des Internationalen Naturpark Moor im deutsch-niederländischen Grenzgebiet sollen auf ihr Artinventar hin untersucht werden. Um hier nachhaltig zu wirken, wird unter Einbindung ehrenamtlicher und hauptberuflicher Kartierer eine Ersterfassung durchgeführt um eine Datengrundlage zur biologischen Vielfalt zu schaffen. Die Daten fließen in eine Datenbank ein, die öffentlich zugänglich sein soll und eine weitere Erfassung in den Folgejahren durch ehrenamtliche Kartierer zulässt. Eine fotografische Dokumentation, eine Publikation und eine Ausstellung im Emsland Moormuseum präsentieren die Ergebnisse.

Bereits um 1880, verstärkt aber seit 1950 war die Landschaft im Emsland gravierenden Eingriffen ausgesetzt, die alle den Anspruch verfolgten, die Moore des Raumes urbar zu machen und dessen Ressourcen zu nutzen. Diese Erschließung ging einher mit der Zerstörung einer Landschaft, die hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten einen sicheren Lebensraum bot. Daran konnte auch das niedersächsische Moorschutzprogramm, welches in den 1970er Jahren den Torfabbau und die Folgenutzung nach Torfabbau neu regelte, nicht mehr viel ändern.

Ursprüngliches Hochmoor als Naturraum oder Lebensraum für Tiere existiert in Deutschland seit über 90 Jahren nicht mehr. Dennoch stützt sich die gesamte museale und naturkundliche Pädagogik und Darstellung oftmals auf überholte Vorstellungen einer längst verschwundenen bzw. überformten Tierwelt in einer veränderten, degenerierten Hochmoor(ähnlichen)-Vegetation.

Die wenigen Flächen, die heute noch eine Hochmoorvegetation aufweisen, sind inzwischen als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Innerhalb einer immer intensiver genutzten Agrarlandschaft bilden diese Gebiete wertvolle Rückzugsräume auch für Feld- und Wiesentiere, während sie im Kern einen Teil ihres vormaligen Artinventars beherbergen.

Die naturräumlichen Gegebenheiten in den zum Naturpark gehörigen Schutzgebieten, bilden die Basis der geplanten Forschungsarbeit. Diese wurde als das Projekt „Kartierung der Flora und Fauna“ seit 2015 am Emsland Moormuseum entwickelt und konnte 2018 im Rahmen von LEADER finanziert werden. Sie läuft bis Sommer 2021. Im Rahmen des Projekts soll unter Einbindung ehrenamtlicher und hauptberuflicher Kartierer ein Netzwerk entstehen, das die standorttypische biologische Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten dokumentiert. Neben direkten Angestellten des Landkreises Emsland und des Emsland Moormuseums arbeiten Experten vom NABU, der Ameisenschutzwarte, aber auch viele begeisterte Ehrenamtliche aus dem Emsland und der Umgebung, als auch aus den Niederlanden an dem Projekt mit.

Für die Fauna soll eine Übersicht der in den Schutzgebieten vorkommenden Moorbewohner erstellt werden. Im Fokus stehen hierbei die Tierarten der Vögel, Reptilien, Amphibien, Ameisen, Libellen, Heuschrecken, Schmetterlinge, Webspinnen, Wildbienen, Käfer und in Einzelgebieten Fledermäuse. Das Schwerpunktthema der UN-Dekade 2019/2020 „Insekten schützen - gemeinsam für die Vielfalt der Natur“ findet besondere Beachtung im vorliegenden Projekt, da sich unter den Insekten einige wertbestimmende und extrem spezialisierte Hochmoorarten finden lassen, die als Indikatorarten eine gute Einschätzung der Qualität ihres Lebensraums ermöglichen. Bedauerlicherweise gibt es hierfür kaum Datenmaterial als Basis.

Bereits vorhandene Erfassungen (z.B. einzelne Brutvogelkartierungen) sollen mit in die Untersuchung aufgenommen werden. Alle Ergebnisse sollen mit wenigen Einschränkungen (gefährdete Arten) offen kommuniziert werden und für die Forschung und weiterführende Projektarbeiten von jedermann, jederzeit abrufbar sein.

Bei der Erfassung der Flora werden die Biotoptypen kartiert. Flächen mit Vorkommen von einer oder mehrerer Arten folgender Liste werden auf ihre Pflanzengesellschaften hin untersucht: Sphagnum pulchrum (RL-N 2), Sphagnum medium (RL-N 3), Narthecium ossifragum (RL-N 3), Trichophorum cespitosum ssp. germanicum (RL-N 3), Rhynchospora alba (RL-N 3), Vaccinium oxycoccus (RL-N 3), Andromeda polifolia (RL-N 3), Lycopodiella inundata (RL-N 3), Drosera intermedia (RL-N 3), Drosera rotundifolia (RL-N 3).

Faunistisch konnten bis dato einige interessante Entdeckungen verzeichnet werden. So wurden im Südlichen Versener Moor die Heidekraut-Bodeneule Xestia agathina (RL-N 1) und der Ginster-Streckfuß Gynaephora fascelina (RL-N 2) nachgewiesen. Andere bemerkenswerte Funde sind der Heidelaufkäfer Carabus nitens (RL-N 2), der Uferlaufkäfer Carabus clathratus (RL-N 2), die Hochmoor-Mosaikjungfer Aeshna subarctica elisabethae (RL-N 2) oder die arktische Smaragdlibelle Somatochlora arctica (RL-N 1), die im NSG Meerkolk nachgewiesen wurde. Der Moorfrosch Rana arvalis (RL-N 3) wurde in 9 von 10 NSGs nachgewiesen.

Die Untersuchungsergebnisse und eine fotografische Dokumentation durch Naturfotografen bilden die Grundlage für zukünftige Erfassungen. Der tatsächliche Status des Naturraumes Hochmoor im Naturpark Bourtanger Moor mit all seinen Degenerationen und Restitutionen dient dann als Basis für eine sachgerechtere Bewertung der Gebiete. Durch das Monitoring können Pflegearbeiten besser koordiniert werden. Die Umweltbildung in den musealen und touristischen Bereichen erhält verlässliches Datenmaterial - neue Vermittlungsansätze entstehen. Für die im Anschluss zu etablierende Dauerausstellungseinheit „Moorökologie“ des Emsland Moormuseums bilden die Untersuchungsergebnisse, Fotodokumentationen und erarbeiteten pädagogischen Ansätze eine Grundlage.


Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Kern des Projekts besteht aus grundlegenden Kartier- und Monitoring-Arbeiten der vorhandenen Flora und Fauna in den Hochmoorresten im Emsland. Da hierzu bis zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr wenig Datenmaterial vorliegt, leistet das Projekt fundamentale Grundlagenfoschung zum Artinventar der Region. Es werden das Verständnis der biologischen Vielfalt der Region gesteigert und die Ergebnisse öffentlichkeitswirksam kommuniziert. Die im Zuge des Projekts generierten Daten ermöglichen es das kurz- bis längerfristige Entwicklungspotential der untersuchten Flächen einzuschätzen, wobei nicht allein die Funktion als Reliktstandort von Hochmoorarten sondern auch die Funktion als Rückzugslebensraum für Offenlandarten der Felder und Wiesen Mitbeachtung findet. Hierdurch werden wertvolle Hinweise auf im Einzelnen anzusetzende Schutz- und Pflegemaßnahmen geliefert, die in Folgeprojekten angesetzt werden.


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Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 18:00 Uhr

Herr Johannes Weise
Tel.:05937 7099915
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