Sonderwettbewerb Soziale Natur

Interkultureller Garten Braunschweig

Der Interkulturelle Garten wurde 2007 auf dem Gelände der Kleingartenanlage „Heideland e.V.“ in Braunschweig eröffnet. Er besteht aus zwei zusammengelegten Kleingärten in einer überwiegend durch deutsche Kleingärtner betriebenen Gartenanlage. Der Garten wird seit 2017 von ROOTS Förderverein Interkultureller Garten e.V. im Auftrag der Stadt Braunschweig, Fachbereich Soziales und Gesundheit, Büro für Migrationsfragen betrieben.
Das Konzept wurde erstellt für die Zielgruppe der in Braunschweig lebenden Geflüchteten sowie deren Familien, um in diesem informellen Umfeld wieder soziale Bindungen und das Gefühl der Zugehörigkeit für sie aufbauen zu können.
Als Treffpunkt bietet der Garten nicht nur den Flüchtlingen und Migranten aus unterschiedlichen Herkunftsländern sondern auch anderen Gärtnern, Angehörigen, Freunden, Nachbarn und Unterstützern eine Plattform für Austausch und gemeinsame Aktivitäten. Sie alle verbindet die gemeinsame Liebe zu diesem Garten. Ein Treffpunkt, der zum Austausch und zu gegenseitigem Verständnis beiträgt und vor allem den Blick für die Lebenslagen von Geflüchteten schärft. Der Garten bietet Raum für viele Aktivitäten. Gemeinsam mit anderen werden Gartenfrüchte angebaut und geerntet, Erfahrungen ausgetauscht und angewendet und das Einsetzen für eine gemeinsame Sache gestärkt. Es gibt - neben gärtnerischen Tätigkeiten - die Möglichkeit, sich zu entspannen, miteinander zu reden und zu kochen oder an Veranstaltungen und Informationsangeboten teilzunehmen.

In allen wichtigen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere dem existenziell wichtigen Bereich der Gesundheit bestehen für die Geflüchteten hohe Hürden. Sie haben es mit ihren sehr individuellen Voraussetzungen und speziellen Problemlagen, ihrer marginalisierten gesellschaftlichen Position und den fehlenden Partizipationschancen für sich und ihre Familien deutlich schwerer in die bestehenden Integrationsmaßnahmen eingebunden zu werden.Für alle Geflüchtete gilt: Flucht und Vertreibung sind eine sehr viel stärkere Belastung und persönlichere Beeinträchtigung als jede andere Form von Migration. Sie ist oft von Erfahrungen extremer physischer und psychischer Gewalt begleitet.
Gesundheitliche Beeinträchtigungen entstehen durch psychosoziale Belastungen der Verfolgung im Heimatland und andere fluchtbezogene gesundheitliche Beanspruchungen.
Das Projekt setzt deshalb an einem an den Ressourcen der Geflüchteten orientierten Arbeitsansatz an, der Geflüchtete mit ihren Potenzialen und Talenten, die sie mitbringen, stärkt, ihnen Gelegenheit gibt, ihre eigene Kompetenzen zu erproben und ihnen, Wertschätzung und das Gefühl gibt, Willkommen zu sein.
Im Interkulturellen Garten begegnen sich Menschen unterschiedlicher ethnischer, kultureller und sprachlicher Herkunft, verschiedener Lebensformen und Altersgruppen. Geflüchtete können in diesem informellen Umfeld wieder soziale Bindungen und das Gefühl für Zugehörigkeit aufbauen. Er bietet einen geschützten räumlichen Bereich, in dem sich Geflüchtete sicher fühlen können. Zugleich ist er ein Betätigungsfeld: hier bauen Geflüchtete Gartenfrüchte an oder ernten sie, tauschen Erfahrungen aus und wenden sie an und entwickeln für sich durch weitere Aktivitäten neue Handlungsspielräume. Neben den gärtnerischen Tätigkeiten werden Informationstage zu Themen beispielsweise Garten- und Kräuterkunde, Gesundheit, ergänzt durch gesellschaftspolitische Tagesseminare oder verschiedene Feste, regelmäßigen Erzählcafés, Exkursionen, Angebote zur Gewaltprävention und Sofortmaßnahmen am Unfallort angeboten.
Um die Teilhabe von Geflüchteten am gesellschaftlichen und kulturellen Leben in Braunschweig zu stärken und ihr gesellschaftspolitisches Engagement zu fördern, werden sehr unterschiedliche Maßnahmen auf den Weg gebracht. Kooperationen mit Künstlern oder öffentlichen Organisationen, die Durchführung von Projekten wie „Was ist Heimat, Identität und Interkulturalität?“ oder „Veranstaltungsreihe Gesundheit“, die Teilnahme an Fussballturnieren oder Sommerfesten sind ein wichtiges Lernfeld für Geflüchtete. Hier werden sie selbst zu Akteuren oder auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen eingebunden, die das Kennenlernen, die Kontakte mit anderen und ihre Anerkennung und Wertschätzung fördern.Gärtnern bringt die Menschen zusammen. Der Interkulturelle Garten – als Ort der biologischen Vielfalt – bietet auch Nachbarn, Familienangehörigen, anderen Kleingärtnern und Freunden die Möglichkeit sich auszutauschen und gemeinsame Aktivitäten zu entwickeln. Auch und vor allem neu zugewanderte Geflüchtete haben die Chance außerhalb ihres unmittelbaren häuslichen Umfelds Kontakte zu knüpfen, unabhängig von ihren Sprachkenntnissen und ihrer sozialen Herkunft. Der Umgang mit Pflanzen ist vielen vertraut oder kann leicht erlernt werden. Die Hemmschwelle, einfach mit zu machen, ist niedrig. Im Garten ist mehr als frische Luft. Hier findet Austausch statt, hier wird Eigenverantwortung und Gestaltung praktiziert und man kann Initiative, Identifikation und Integration wachsen sehen.Als Mittelpunkt für den kommunaktiven Austausch und den sozialen Zusammenhalt untereinander spielt im Garten die familiäre Atmosphäre und der regelmäßige Tagesablauf eine wichtige Rolle. Spielregeln für ein solidarisches Miteinander, Achtsamkeit und Respekt im Umgang untereinander, aber auch Rituale wie das gemeinsame Kochen und miteinander essen tragen beispielsweise dazu bei, Geflüchteten Halt und Orientierung zu bieten.Dieser Personenkreis hat einen besonderen Bedarf an medizinischer und therapeutischer Versorgung sowie sozialer Beratung. Neben der persönlichen Zuwendung der Mitarbeiter*innen, die quasi Brücken zu gesundheitlichen und sozialen Netzen herstellen, sind Beratung und Hilfen zur Alltagsbewältigung ein weiterer wichtiger Faktor für die gelingende gesunde Integration. Während der Gartensaison ist der Interkulturelle Garten 4 x wöchentlich geöffnet und die Besucher*innen werden überwiegend von Honorarmitarbeiter*innen sowie von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen betreut, die ein erhebliches Engagement in dieses Projekt einspeisen. Die Honorar- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen haben selbst einen Migrationshintergrund und können teilweise auch auf die Erfahrungen der eigenen Fluchtgeschichte zurückgreifen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Interkulturelle Garten bietet den Besucher*innen die Möglichkeit, sich selbst als produktiv zu erfahren und anderen mit dem eigenen Erfahrungswissen auf Augenhöhe zu begegnen.
Gerade die Erfahrung, dass Naturräume mit einem ökologischen Gestaltungsspielraum auch und gerade in einem urbanen Lebensraum wie der Stadt Braunschweig, vorhanden sind, und dass diese von Gruppen in Anspruch genommen werden können, die bislang nur wenig Kontakt zur hiesigen Ökologiedebatte haben, ermöglicht eine neue Form der zielgruppenspezifischen Umweltbildung. Hier können sie, unterstützt durch zwei Mitarbeiter (qualifiziert als Fachberater im Kleingartenwesen), den sparsamen Umgang mit Wasser, die ökologische Düngung, den biologischen Pflanzenschutz sowie den sachgemäßen Umgang beim Kompostieren, Mülltrennung und vieles mehr erfahren. Der Anbau verschiedenster Gemüse- und Obstsorten sowie die Pflege der Kräuterspirale mit Heil- und Wildkräutern wird von dem Personenkreis der Geflüchteten gern in Anspruch genommen.
Die gemeinsame praktische Arbeit im Interkulturellen Garten ist, gerade wegen der unterschiedlichen Traditionen aus den verschiedenen Herkunftsländern, ein „Voneinander lernen“ und zum Nutzen aller Besucher*innen. Der Interkulturelle Garten ist ein Biogarten in dem es darum geht, gesundes und schadstofffreies Obst und Gemüse anzubauen sowie die biologische Vielfalt der Natur zu erleben und zu erhalten.


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Besuchen Sie uns

Interkultureller Garten im Kleingartenverein Heideland e.V

Osterbergstr
38112 Braunschweig

Öffnungszeiten: in der Saison: dienstags, mittwochs, donnerstags und samstags von 14 – 19 Uhr

Frau Martina Krüger // "Roots" Förderverein Interkultureller G

https://www.gartenfreunde-braunschweig.de/der-interkulturelle-garten

 

Weitere Infos

Roots Förderverein Interkultureller Garten e.V. im Auftrag der Stadt Braunschweig
Braunschweig

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