Sonderwettbewerb Soziale Natur

StadtAcker: Vielfalt in Natur und Nachbarschaft

Das Münchner Neubauquartier „Ackermannbogen“ mit 2.200 Wohnungen und rund 7000 Menschen liegt zwischen Schwabing und dem Olympiagelände. Mit einer rund 1.000 Quadratmeter großen Fläche steht den Bewohner*innen des Viertels seit 2017 der „StadtAcker“ zum gemeinschaftlichen Gärtnern zur Verfügung. Er ist eine Initiative des Quartiersvereins „Ackermannbogen e.V.“, der seit 2005 mit einem breiten Angebot nachbarschaftsfördernder Aktivitäten das Miteinander und den sozialen Zusammenhalt in Quartier stärkt.
Im Sinne von interkultureller Öffnung und Inklusion ist der StadtAcker explizit für Menschen konzipiert, die die existierenden nachbarschaftlichen Angebote bislang wenig nutzen, die aber über das vielschichtige Thema „Gärtnern“ ansprechbar sind und so stärker in das nachbarschaftliche Miteinander eingebunden werden.
Der „StadtAcker“ ist ein sozialer und ökologischer Experimentier- und Lernort. Parzellen für Einzelpersonen gibt es nicht. Das Bewirtschaftungskonzept wird gemeinsam erarbeitet. Schwerpunkte sind
• Gemüse-Mischkulturen, Nutzpflanzenvielfalt, ökolog. sinnvolle Fruchtfolge
• Bodenfruchtbarkeit durch verschiedene Kompostiermethoden
• insektenfreundliche Arten bei Sträuchern, Stauden und Blumen
• Anbau und Pflege von Kräutern, Beerensträuchern und Obstbäumen.
Mit diesem Konzept bietet der StadtAcker unterschiedliche Erfahrungsräume für soziales Miteinander und nachhaltigeres Alltagshandeln.

Hintergrund:
Der „StadtAcker“ wurde 2011 im Rahmen der Grünflächenplanung des Viertels vom Quartiersverein „Ackermannbogen e.V.“ beantragt. Die Initiative ging von interessierten Bewohner*innen aus, die sich von Anfang an engagiert an der Konzeption beteiligten. Die bestehende Infrastruktur des Quartiersvereins mit seinem lebendigen nachbarschaftlichen Netzwerk und die Vision eines grünen Lernorts für alle waren wesentliche Zutaten für die Geburt des Gemeinschaftsgartens. Bis Inbetriebnahme des StadtAckers wurden vielfältige Aktivitäten entwickelt, um die Gartenlust der Bewohner*innen am Leben zu halten; z.B. eine Filmreihe gekoppelt mit Vorträgen und Gesprächen, die Kursreihe „Sattes Grün auf kleinstem Raum“ für Balkongärtner und der „Club der grünen Daumen“.

Akteure und Strukturen:
Der „StadtAcker“ wurde von Anfang an so konzipiert, dass er offen ist für Alle. Interessierte mit wenig Zeit zum Gärtnern finden dort genauso einen Platz wie Aktive, die viel im Garten arbeiten. Wer keine gärtnerischen Ambitionen hat, kann ungestört die Pflanzenvielfalt genießen und gehört trotzdem dazu. Diese Offenheit wird durch eine gemeinschaftliche Bewirtschaftung der Fläche erreicht. Um möglichst viele in die Planungen einzubinden, wird mit basisdemokratischen Organisationsstrukturen experimentiert. Die Bereitschaft zum sozialen Lernen wird durch Kurse, z.B. zu GfK und Dialogverfahren, unterstützt.
Für 2018 und 2019 ist der StadtAcker im Rahmen der Nationalen Klimaschutz-Initiative ein Förderprojekt des BMU. Das ermöglichte die Besetzung einer halben Stelle zur Koordination der Aktivitäten. Dazu gehören u.a. eine Kommunikationsplattform im Intranet, regelmäßige Rundmails an ca. 100 Beteiligte und 14-tägliche Plenumstreffen im Garten. Ein monatlicher Newsletter geht an rund 500 Empfänger*innen. Zwei Mal pro Woche finden betreute Gartentage statt, um neuen Teilnehmer*innen das Mitwirken und Hineinwachsen in die Gemeinschaft zu erleichtern und um den Austausch untereinander zu fördern. Insgesamt engagieren sich 50-70 Nachbar*innen im StadtAcker. Zusätzlich sind eine Schulklasse und zwei Kindergruppen in die Gartenaktivitäten integriert.

Herangehensweise:
Vielfalt ist oberstes Prinzip im StadtAcker. Sie ist auf allen Ebenen erlebbar:
• biologische Vielfalt bei der Bepflanzung der Fläche, z.B. mit mehr als xy Blühpflanzenarten und xy Salatsorten…
• Thematische Vielfalt durch gezielte Einbindung der Interessen und Kompetenzen aus der Nachbarschaft bei Konzeption und Durchführung des Veranstaltungsangebots, das von Gartenkursen bis zu Kunstaktionen reicht.
• Methodische Vielfalt bei Kursen und Veranstaltungen
o Garten- und Küchenpraxis zum Mitmachen
o Informationsstände gekoppelt mit Verkauf ökologisch erzeugter Produkte, z.B. Äpfel von Streuobstwiesen eines regionalen Demeter-Bauern oder torffreie Erde von den Münchner Erdwerken
o Exkursionen mit Führungen, z.B. in ein Moorgebiet
o Aktionstage, z.B. „Klimaschutz – eine runde Sache“, ein Parcours beginnend vom Aufbau des Gartenbodens bis zum Klimaschutz auf dem Teller, mit Beratungs- und Imbiss-Ständen, Informationstafeln, Ratespielen und Quizfragen
o Verbindung von Vorträgen und Mitmachmöglichkeiten, z.B. Gruppenarbeit mit Arbeitsblättern
o Vorträge mit wissenschaftlichem Hintergrund, z.B. Biodiversität und Ökosystemfunktionen (Jena-Experiment)
• Soziale Vielfalt in der Gemeinschaft mit Menschen ganz unterschiedlichen Alters und aus ganz verschiedenen Milieus, die zusammenkommen, weil sie vermittelt über den StadtAcker gemeinsame Themen finden.

Wirkung
Die thematische und soziale Offenheit des StadtAckers ermöglicht die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, die angesichts so großer und komplexer Themen wie Klimawandel vor Resignation und Ohnmachtsgefühlen schützt. Der Austausch in der Gemeinschaft hilft, den eigenen Lebensstil zu reflektieren, persönliche Herausforderungen zu identifizieren und sich gegenseitig zu Wertediskussionen und Verhaltensänderungen zu motivieren. Der Bewusstseinswandel wird erreicht durch handlungsbezogene Wissensvermittlung und alltagsnahe Mitmach-Angebote, die einen konkreten Mehrwert bieten. Inhalte wie z.B. Konservieren & Einkochen vermitteln vielfach verloren gegangenes Wissen und bieten auch Nachbar*innen aus nicht-akademischen Kontexten die Möglichkeit ihr Praxiswissen einzubringen. Die damit verbundene Anerkennung stärkt das Gefühl von Zugehörigkeit und Gebraucht-Werden. Gerade in einem Neubaugebiet trägt dies stark zur Identifikation mit dem Quartier bei und erhöht

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Vielfalt beginnt im StadtAcker mit der Vielfalt der Akteure, die die buntgemischte Nachbarschaft repräsentieren und mit ihren unterschiedlichen Interessen, Erfahrungen, Kompetenzen und kulturellen Hintergründen den großen Reichtum an Möglichkeiten und Angeboten hervorbringen. Auch das vielgestaltige Erscheinungsbild des StadtAckers ist auf die verschiedenartige Neigung der Beteiligten zurückzuführen: Freut sich die eine Themengruppe an der Buntheit im Staudenbeet, kümmern sich die Insektenliebhaber um den Struktur-Reichtum der Lebensräume. Die Kompostgruppe legt Wert auf die Reichhaltigkeit des Bodenlebens, während den Gemüsefreunden der Erhalt der Sortenvielfalt von Nutzpflanzen am Herzen liegt. Im Fall eines Gemeinschaftsgartens ist der Mensch Bestandteil und Förderer der biologischen Vielfalt.
Vielfalt ist die Sprache der Natur, sie zu erleben ist ein menschliches Grundbedürfnis. Ursprünglich Teil der Natur, erfahren wir vielfach Naturentfremdung und suchen die Rückkoppelung mit ihr im Erlebnis von Wachstum, von Kreisläufen und Vielfalt. Deshalb empfinden wir Phänomene wie Vielfalt als einen kollektiven Wert, über den wir uns bei aller Unterschiedlichkeit hinweg einig sind. Das Erleben gemeinsamer Werte, gemeinsamer Verantwortung und Ziele ist eine Grundlage für den sozialen Zusammenhalt. In einem Gemeinschaftsgarten wie dem StadtAcker finden viele individuelle Geschichten über Naturbeziehungen zu einem gemeinsamen Narrativ und damit einem Grundkonsens zusammen.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

Dokumente

190228 Selbstverständnis.pdf

 

Besuchen Sie uns

Ackermannbogen e.V.

Rosa-Aschenbrenner-Bogen
80797 München

Öffnungszeiten: Di - Do, 10-14h, Fr 14-18h

Herr Konrad Bucher
Tel.:0176 - 50 20 96 88
konrad.bucher@ackermannbogen-ev.de
http://www.ackermannbogen-ev.de

 

Weitere Infos

Ackermannbogen e.V.
München

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld