Wildbienenschutz in der Agrarlandschaft

Deutschlandweit ist der Wildbienenbestand dramatisch zurückgegangen. Die Rote Liste stuft mehr als 50 % der Wildbienenarten Deutschlands als gefährdet ein. Wildbienen spielen eine wichtige Rolle in der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Daher wollen wir im Verbundprojekt BienABest durch die Umsetzung und Standardisierung geeigneter Biodiversitätsmaßnahmen die Wildbienenvielfalt in Deutschland fördern. Hierzu werden heimische Wild- und Kulturpflanzen sowie Nisthügel für bodennistende Arten an ausgewählten Standorten angelegt. Außerdem werden diese Standorte zielgerichtet beobachtet, um die Auswirkungen der Maßnahmen bewerten zu können. Zudem ist die Ausbildung von Wildbienen-Sachverständigen genauso Bestandteil des Projektes wie die Erarbeitung von Technischen Regeln (VDI-Richtlinien). BienABest wird vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und von der Universität Ulm durchgeführt und leistet mit Biodiversitätsmaßnahmen einen direkten Beitrag zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt.


Projektziele: Das Verbundprojekt von VDI und Universität Ulm soll die biologische Vielfalt von Wildbienen in Deutschland schützen und steigern, indem langfristig neue Lebens- und Nahrungsgrundlagen in der Agrarlandschaft geschaffen werden.

BienABest verfolgt fünf Ziele:
1. Wildbienenschutz: Nahrungsangebot und Nistplätze für Wildbienen
Derzeit bedrohen ein Mangel an Nahrung und Nistplätzen den Wildbienenbestand. Besonders bedroht sind bodenbrütende Arten, da es in der Agrarlandschaft wenige offene Bodenflächen gibt. BienABest schafft Nahrungsquellen für Wildbienen und andere blütenbesuchende Insekten indem in der oft blütenarmen Agrarlandschaft Wildbienenweiden mit einheimischen Wildkräutern angelegt werden, die Pollen und Nektar über die gesamte Vegetationsperiode anbieten. Außerdem werden Nisthügel als Fortpflanzungshabitate für bodenbrütende Arten angelegt.

2. Entwicklung von Methoden zur bestandsschonenden Erfassung von Wildbienen
Um die Wildbienenvielfalt langfristig schützen zu können, bedarf es der Kenntnis des jeweiligen Wildbienenbestandes. BienABest erarbeitet eine bestandsschonende Bestimmungsmethode für Wildbienen, mit deren Hilfe möglichst viele Wildbienenarten lebend bestimmt werden können. Hierzu wird eine detaillierte Anleitung zur Bestimmung für Wildbienen (Feldbestimmungsschlüssel) und eine Bestimmungs-App entwickelt. Diese Methode ermöglicht auch den Vergleich von Daten bei einer Langzeitüberwachung.

3. Ausbildung von Wildbienen-Sachverständigen
In Deutschland gibt es immer weniger Expertinnen und Experten, die Wildbienen zuverlässig bestimmen können. BienABest bildet Wildbienen-Sachverständige und wissenschaftlichen Nachwuchs aus, die unter anderem die entwickelten Methoden zur Erfassung des Wildbienenbestandes anwenden und weitervermitteln können.

4. Projektbegleitende Standardisierung
Die entwickelten Methoden zur Erfassung und zum Schutz der Wildbienenvielfalt werden unter Beteiligung aller interessierten Kreise (Naturschutzverbände, Landwirtschaft, Wissenschaft, Wirtschaft, Behörden, Wildbienen-Sachverständige) von einberufenen Gremien in Technischen Regeln (VDI-Richtlinien) standardisiert.

5. Öffentlichkeitsarbeit
Durch eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit werden sowohl Fachleute als auch Bürgerinnen und Bürger über die Fortschritte von BienABest sowie die Wichtigkeit der Wildbienen informiert. Neben dem Internetauftritt (www.bienabest.de) und regelmäßigen Pressemitteilungen werden über die sozialen Medien Facebook (https://www.facebook.com/bienabest), Twitter (https://twitter.com/BienABest) und zeitweise über den VDI eigenen Instagram Kanal „VDI-Technikhelden“ (@vdi_technikhelden) speziell junge Menschen angesprochen. Ein besonderes Highlight ist ein Interview der BfN-Präsidentin Beate Jessel in den VDI-Nachrichten (https://www.vdi-nachrichten.com/Technik/Massiver-Artenschwund-in-Natur).

Projektfortschritt: In sieben Bundesländern (BB, BW, BY, HE, MV, NRW, RP) wurden bis Herbst 2017 an 20 Standorten in der Agrarlandschaft 180 Untersuchungsflächen eingerichtet und Nisthügel für die bodenbrütenden Arten angelegt. Pro Standort werden drei unterschiedliche Flächentypen untersucht, um Erkenntnisse über die idealen Nist- und Nahrungshabitate für Wildbienen zu gewinnen:

1. Naturnahe Flächen: Naturschutzgebiete, extensiv bewirtschaftete strukturreiche Wiesen oder Weiden
2. Wildbienenweiden: Neu angelegte Blühflächen aus regionalem und gebietsheimischem Saatgut
3. Konventionelle Kleinstrukturen: Ackerrandstreifen, Feldwege und deren Randbereiche

Die Untersuchungsflächen werden jährlich in fünf Begutachtungen von Wildbienensachverständigen kontrolliert und die Entwicklung der lokalen Wildbienenpopulationen wissenschaftlich analysiert. Die Ergebnisse des ersten Untersuchungsjahres zeigen, dass mehr Wildbienenarten und eine höhere Anzahl an Wildbienen gezählt werden konnten.

Begleitend zu den aktiven Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt haben seit Projektbeginn zwei Ausschüsse zur Standardisierung ihre Arbeit aufgenommen, die Konstituierung von zwei weiteren Ausschüssen folgt zeitnah:

- Richtlinie VDI 4340 Blatt 1: Biodiversität – Standardisierte bestandsschonende Erfassung von Wildbienen. Konstituiert am 29.11.2017
- Richtlinie VDI 4340 Blatt 2: Biodiversität – Feldbestimmungsschlüssel für Wildbienen
- Richtlinie VDI 4340 Blatt 3: Biodiversität – Etablierung von Wildbienenhabitaten in der Agrarlandschaft. Konstituiert am 30.11.2018
- Richtlinie VDI 4340 Blatt 4: Biodiversität – Schulungen für Freilanderhebungen

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Rund 80 % der heimischen Wild- und Kulturpflanzen sind auf die Bestäubung durch Wildbienen angewiesen. Dabei ist eine hohe Artenvielfalt von großer Bedeutung, da eine vielfältige Flora artenreiche Bestäuber benötigt. Von den ca. 585 verschiedenen Wildbienenarten Deutschlands sind 30 % auf einige, meist wenige Pflanzenfamilien oder -gattungen spezialisiert. Um den Menschen auch zukünftig ein vielfältiges Nahrungsangebot sichern zu können, müssen wir unsere wichtigsten Helfer, die Wildbienen, unterstützen und schützen. Die erarbeiteten Maßnahmen dienen dem Erhalt und Schutz der biologischen Vielfalt von Wildbienen: Die neu angelegten Nahrungs- und Nisthabitate an ausgewählten Standorten in ganz Deutschland bieten neue und verbesserte Lebensgrundlagen und sollen langfristig zur Erreichung des Ziels eines Biotopverbunds beitragen. Durch die Entwicklung einer bestandsschonenden Bestimmungsmethode werden bei einem Monitoring weniger Tiere aus dem Ökosystem zu Bestimmungszwecken entnommen. Insbesondere Arten mit kleinen Populationen können so besser geschützt werden. Die Ausbildung von Wildbienensachverständigen sichert die Artenkenntnis und das Verständnis über die ökologischen Zusammenhänge.

Das Projekt wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert und hat eine Laufzeit von sechs Jahren (2017-2023).

Video:


Bild 1
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Dokumente

Bestandsaufnahme 2018 - Mit dem Beginn der Wildbienensaison im Frühjahr startete die Erfassung von Wildbienen an den Projektstandorten

Pressemitteilung - BfN Präsidentin Frau Jessel besichtigt BienABest Standort in Obergailingen

Richtlinienausschuss zur bestandsschonenden Erfassung von Wildbienen nimmt seine Arbeit auf

Richtlinienausschuss zur Etablierung von Wildbienenhabitaten nimmt seine Arbeit auf

Kurzbeschreibung BienABest

 

Besuchen Sie uns

Verein Deutscher Ingenieure e.V. – Monitoring, Nahrungs- und Nisthabitate, Ausbildung, Standardisierung

VDI-Platz 1
40468 Düsseldorf

Öffnungszeiten: nach Absprache

Frau Dr Ljuba Woppowa
Tel.:0211/6214 - 314
woppowa@vdi.de
http://www.bienabest.de

 

Weitere Infos

Manfred Ayasse, Hannah Burger, Sabrina Krausch, Hans-Richard Schwenninger, Ulrich Neumüller (Universität Ulm), Ljuba Woppowa, Heike Seitz (Verein Deutscher Ingenieure)
Düsseldorf

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