Bergische Hotspots der Biodiversität

In unserer eher artenarmen Region stellen klassische Streuobstwiesen mit hochstämmigen, meist altem Obstbaumbestand mit über 500 Tier- und Pflanzenarten wahre Hotspots der Artenvielfalt dar. In den letzten Jahrzehnten sind die meisten dieser Streuobstwiesen verschwunden, oder monokulturellen Spalier-Obstplantagen gewichen. Daher leistet unsere Pflege dieser Kulturlandschaften einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und Wiederherstellung der Biodiversität im Bergischen Land.

Der NABU Rhein Berg e.V. betreut drei in sich verschiedene Streuobstwiesen mit ca. 350 Streuobstbäumen. Auf allen drei Streuobstwiesen wurden verschiedene Methoden eingesetzt, um den oben genannten Missständen entgegen zu wirken und die biologische Vielfalt zu fördern.

Aber alle drei Streuobstwiesen haben natürlich eines gemeinsam: Alte, bergische Streuobstbaum-Sorten als Hochstämme. Die Unterflur wird auf den drei Streuobstwiesen jedoch unterschiedlich gestaltet, genau wie die Förderung der biologischen Vielfalt.

Auf der ersten Streuobstwiese wird die Unterflur ausschließlich durch Pferdebeweidung gepflegt. Zudem sind auf dieser Streuobstwiese neben Pferden auch ein Bienenhaus mit Honigbienen zur aktiven Bestäubung z.B der Obstblüten im Frühjahr beheimatet. Weiterhin sind Insektennisthilfen und Vogelnistkästen an den Bäumen angebracht und erfreuen sich jährlich mit großem Zuspruch durch Insekten und Vögel. Auf der mit ca. 2 1/2 ha größten Obstwiese sind auch verteilt in alten Obstbäumen drei Steinkauz-Röhren als Nisthilfe für den streng geschützten Steinkauz angebracht.

Die zweite Streuobstwiese wird von Hand gemäht und in 2016 wurde die Unterflur partiell umgebrochen um durch Aussaat regionaler Blumen und Gräser (sog. Regio-Saaten) die Fläche ökologisch weiter aufzuwerten. Ziel dieser Aktion war es, durch Erhöhung des Blühaspektes – besonders in den Sommermonaten – neue Nahrungsquellen für die Insekten, insbesondere die Wildbienen zu schaffen. Bis 2018 konnten wir mindestens 12 Blühpflanzen nachweisen, die vorher dort nicht mehr zu finden waren und eine hervorragende Nahrungsgrundlage für unsere heimischen Wildbienenarten darstellen. Da Wildbienen nur einen Flugradius von wenigen hundert Metern haben, war es folgerichtig Nisthilfen auf der gesamten Fläche aufzustellen. Das Mahdgut wird manuell an die Seiten verbracht und dient als Heimat verschiedenster Insekten und Tiere. Des Weiteren sind dort Honigbienen-Beuten, Vogelnistkästen sowie eine Insektennisthilfe beheimatet.

Die Vogelnistkästen wurden durch unsere Naturschutzjugend (NAJU) hergestellt und eine weitere, große Insektennisthilfe soll in 2019 in Zusammenarbeit mit dem lokalen städtischen Bauhof erstellt und aufgestellt werden und löst dann die kleineren Nisthilfen ab. Weitere Wildblumenwiesen-Flächen werden in der Unterflur auch mit Hilfe des lokalen städtischen Bauhofes realisiert. Hierzu ist zu sagen, dass der NABU Rhein Berg e.V. eine sehr gute Zusammenarbeit mit Städten im Kreisgebiet pflegt.

Im Weiteren dient diese Streuobstwiese auch als Lehrfläche für Schulkinder. Unter anderem wurden in der Vergangenheit Begehungen mit Schulklassen durchgeführt, welche dann Aufgaben zur Schärfung der Wahrnehmungssinne durchführen mussten. Zum Beispiel aufzählen von verschiedenfarbigen Blühpflanzen, zählen von Schmetterlingsarten, als auch die Untersuchung von Totholz uvm.

Als positiven Nebeneffekt war zu verzeichnen, dass die Kinder sich dadurch auch mit einem naturnahen Schulgarten beschäftigt haben und am Ende durch den Naturschutzbund (NABU) auch als „Schmetterlingsfreundlicher Garten“ ausgezeichnet wurden (als erster Schulgarten in NRW).

Die dritte Streuobstwiese wird in der Unterflur durch Schafe gepflegt, einmal im Jahr wird Heu gemacht und diese Streuobstwiese wird seit 8 Jahren nicht gedüngt (außer dem natürlichen Schafsdünger). Zu beobachten ist, dass die abgemagerte Wiese mittlerweile wieder einen reichen Schatz an Pflanzenvielfalt zu Tage fördert. Weiter ist hier hier eine gute Mischung von Jung- und Altbäumen zu verzeichnen was auch der Insektenvielfalt zugutekommt.

Neben den Schafen sind auf dieser Streuobstwiese Wildbienen (rote Mauerbiene) mit einer großen Wildbienen-Nisthilfe (mit Platz für ca. 13.000 Kokons) beheimatet. Eine Photovoltaik-Anlage sowie eine Regenwasserzisterne sorgen für eine nahezu autarke Bewirtschaftung der Schafe.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Mit der Bewirtschaftung und Schaffung der aktuell drei Streuobstwiesen-Biotopen im Rheinisch Bergischen Kreis leistet der NABU Rhein Berg e.V. einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zum Erhalt der Vielfalt im Rahmen der Biodiversitätskonvention. Wir möchten gerade mit unseren Lehrflächen den Kindern eine biologisch artenreiche Umgebung näherbringen und somit das Bewusstsein der Kinder für die Natur schärfen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Zusammenarbeit mit den städtischen Bauhöfen, hier können wir die Kommunen sensibilisieren und somit im besten Fall auch wieder ein Stück mehr für die biologische Vielfalt schaffen (in dem die Bauhöfe Wildblumenwiesen anlegen uvm.).


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