Sonderwettbewerb Soziale Natur

"Alle Vögel sind schon da" - eine Präventionsmaßnahme des LBV

Vogelbeobachtung fördert das Wohlbefinden – mit dieser Grundannahme aus der Biophilia-Hypothese des Soziobiologen Edward Wilson werden in Seniorenheimen Vogelfutterstationen aufgestellt und die BewohnerInnen angeleitet, Vögel zu beobachten. Mehr noch als das Wohlbefinden (oder die psychosoziale Gesundheit) werden so auch die kognitiven Ressourcen und die Mobilität gefördert. Als Präventionsmaßnahme wird dieses innovative LBV-Projekt von den Pflegekassen finanziert und wissenschaftlich von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt begleitet.

Das persönliche Wohlbefinden ist Grundvoraussetzung für eine gute Lebensqualität, auch im hohen Alter. Mit der neuen Präventionsmaßnahme „Alle Vögel sind schon da“ wird in Bayern ein Angebot für Bewohner in vollstationären Pflegeeinrichtungen geschaffen, mit dem sie ihre persönlichen Aktivitäten durch Vogelbeobachtung bereichern können. Dazu werden Vogelfutterstellen im Außenbereich der Pflegeeinrichtungen aufgestellt und die Bewohner darin unterstützt, heimische Vögel regelmäßig zu beobachten und ggf. zu bestimmen. Deutschlandweit zum ersten Mal werden derartige Maßnahmen auch wissenschaftlich begleitet, um die Wirksamkeit zu dokumentieren. Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml unterstützt das Projekt als Schirmherrin.
Die Zahl immer älter werdender pflegebedürftiger Menschen in vollstationären Pflegeeinrichtungen nimmt stetig zu. Bei zum Beispiel altersbedingt eingeschränkter Mobilität oder Vorliegen einer Demenzerkrankung fallen häufig mögliche soziale Außenkontakte und die direkte Begegnung mit der Natur weg. Damit ist vor allem ein Verlust von Lebensqualität verbunden. Ziel des Präventionsprogrammes ist es, durch Vogelbeobachtung an neu geschaffenen Vogelfutterstellen diesen Umständen entgegenzuwirken und einen Beitrag zum Erhalt der psychosozialen Gesundheit, der Mobilität und der kognitiven Ressourcen zu leisten. Um die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu erhalten oder sogar zu steigern, bieten sich einfache, in den Tagesablauf eingebettete, geistige und körperliche Aktivitäten an.

Der Projektansatz ist von sozialer Verantwortung geprägt. Um die Ziele zu erreichen, arbeitet das Team des LBV eng mit den vollstationären Pflegeeinrichtungen zusammen. Als Auftakt findet in jeder teilnehmenden Einrichtung eine Veranstaltung des LBV für die Bewohner und interessierte Angehörige sowie Betreuer statt, die über das Thema Vogelbeobachtung und -fütterung informiert. Die biologische Vielfalt wird aufgezeigt, indem zehn Vogelarten mittels Bilder, Gesang und kleiner Geschichten vorgestellt werden. Der Vortrag ist stark auf die Zielgruppe orientiert, einfach gehalten und auf eine halbe Stunde beschränkt.
Gemeinsam werden anschließend Vogelfutterstellen aufgestellt, die vom Haus aus durch die Fensterscheibe ganzjährig beobachtet werden können. Und – sofern die Gegebenheiten vor Ort dies ermöglichen – auch in den Außenanlagen, um die Bewohner dorthin „zu bewegen“. Der LBV stellt den Einrichtungen anschauliches Vogelbestimmungsmaterial zur Verfügung. Außerdem werden Bildungsmaterialien entwickelt, mithilfe derer das „Vogelthema“ auch in die Beschäftigungstherapie aufgenommen werden kann. Ein Bestimmungsbuch speziell für SeniorInnen ist bereits fertig, geplant ist ein Memospiel und ein Sammelordner mit verschiedenen Aktivierungsmöglichkeiten. So wird Biodiversität und biologische Vielfalt auch im Heimalltag verankert.
Um die Vogelbeobachtung als dauerhaftes Angebot zu etablieren, bilden Pflegekräfte und Bewohner ein Team, das sich um die regelmäßige Vogelfütterung kümmert. So kann ein in diesem Umfeld mögliches Naturerlebnis geschaffen werden. In der Biographiearbeit mit dem Betreuungspersonal können Erinnerungen gerade bei Demenzkranken reaktiviert werden und es werden über das Medium „Vögel“ Menschen erreicht, die auf andere Aktivierungen kaum ansprechen.
Wissenschaftlich begleitet wird die Präventionsmaßnahme durch das Fach Psychologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt unter Leitung von Prof. Dr. Elisabeth Kals (Sozial- und Organisationspsychologie). Mit diesem Präventionsprojekt sollen erstmals Untersuchungsergebnisse zur Wirksamkeit der Vogelbeobachtung auf die psychosoziale Gesundheit, die Mobilität und die kognitiven Ressourcen erlangt werden.

Projektpartner: Die Maßnahme wird vom LBV durchgeführt und von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wissenschaftlich begleitet. Die finanzielle Förderung des Projektes übernehmen die Pflegekassen der AOK Bayern, des BKK Landesverband Bayern, der IKK classic, der KNAPPSCHAFT sowie der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau – SVLFG. Die Stiftung Bayerisches Naturerbe des LBV übernimmt die Kosten einer Vogelfutterstation je teilnehmender vollstationärer Pflegeeinrichtung. Dadurch ist die Teilnahme an dem Präventionsprogramm für die Einrichtungen kostenlos.

Öffentlichkeitsarbeit: Das Projekt wird auf einer regelmäßig aktualisierten homepage vorgestellt, über die sich interessierte Einrichtungen auch bewerben können (www.lbv.de/allevoegel).
Aufgrund des sozialen Ansatzes und der Betroffenheit fast aller Menschen mit dem Thema „Lebensqualität und Wohlbefinden im Alter“ stößt das LBV-Projekt auf ein überaus großes Medieninteresse nicht nur in Printmedien, auch im Fernsehen und im Radio (siehe Pressezusammenstellung).
Die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung, Landesverband Bayern e.V. trägt als Kooperationspartner auch zur Verbreitung bei.
Derzeit liegt den Kassen ein interner Zwischenbericht vor

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Ältere Menschen haben oft eine wesentlich größere Artenvielfalt in der Natur erlebt, sei es an Insekten, Lebensräumen (Streuwiesen, Hecken, Feldraine – Stichwort Flurbereinigung) oder eben an Singvögeln. Gerade zu Vögeln haben nahezu alle BewohnerInnen von Pflegeeinrichtungen über alle sozialen Hintergründe und verschiedene Biographien hinweg einen Bezug. Denn Vögel zumindest im Winter zu füttern ist schon lange üblich, und der Frühling mit dem ersten Vogelgesang weckt Erinnerungen. Natürlich kann über Vogelfütterung nicht der Artenschwund eingedämmt werden und mehr als geschätzt maximal 20 verschiedene Arten profitieren auch nicht von dieser Maßnahme. Es profitieren die SeniorInnen, die so die Möglichkeit haben, zumindest einen Teilbereich der biologischen Vielfalt der Vogelwelt erleben zu können. An manchen Standorten kann dieser durchaus größer sein, wie Fotos aus dem AWO-Pflegeheim Wendelstein belegen. Aber selbst wenn nur wenige Arten kommen, kann doch die biologische Vielfalt innerhalb der Individuen und das Verhalten im Zusammenspiel mit anderen Arten beobachtet werden. Beispiele dafür: männliche Kohlmeisen sind umso durchsetzungskräftiger, je breiter und farbstärker der schwarze Streifen auf ihrer Brust ist (Individuenvielfalt kann wahrgenommen werden). Die kleinere und lebhafte Blaumeise weicht aus, wenn die „stärkere“ Kohlmeise zur Futterstelle kommt (das Verhalten der Arten untereinander kann beobachtet werden).

Video:


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Dokumente

Zusammenstellung der Presseberichte aus dem Jahr 2018 einschließlich Fernseh- und Rundfunkbeiträge

 

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Landesbund für Vogelschutz, Landesgeschäftsstelle

Eisvogelweg 1
91161 Hilpoltstein

Öffnungszeiten: 9:00 - 17:00 und nach Vereinbarung

Frau Kathrin Lichtenauer
Tel.:0917447757245
allevoegel@lbv.de
http://www.lbv.de/allevoegel

 

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