Der Rotmilan - Charaktervogel der Rhön

Der Rotmilan ist ein echter Europäer, für den Deutschland eine ganz besondere Verantwortung trägt. Schätzungsweise die Hälfe des Weltbestandes brütet regelmäßig in Deutschland und hierzulande wiederum zählt die Rhön zu einem der wichtigsten Brutgebiete.

Leider hat seit Beginn der 1990er Jahre die Anzahl der brütenden Paare stark abgenommen. Um diesem negativen Trend entgegenzuwirken wurde im Jahr 2014 im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen das länderübergreifende Artenschutzprojekt „Rotmilan in der Rhön“ ins Leben gerufen. Die Kulisse umfasst insgesamt rund 4.900 km², davon 2.400 km² UNESCO-Biosphärenreservat, mit einem jährlichen Bestand von bis zu 400 Revierpaaren.

Im Rahmen des Projektes wird der Bestand seit 2014 alljährlich mit über 100 engagierten, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern erfasst. Es wird darauf geachtet, dass bestehende Regelungen zum Schutz der Brutstandorte eingehalten werden. Zeitgleich wird gemeinsam mit landwirtschaftlichen Partnerbetrieben erprobt, durch welche Maßnahmen die Nahrungssituation in der Agrarlandschaft für den Rotmilan und andere Greifvögel verbessert werden kann. Für die wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens ist der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) als Projektpartner zuständig.

Der Rotmilan ist einer der eindrucksvollsten heimischen Greifvögel, der bereits durch sein Äußeres einfach von anderen Arten unterschieden werden kann. Wesentliches Merkmal ist der tief gegabelte Schwanz, der ihm auch den Beinamen Gabelweihe eingebracht hat. Als besonderer Sympathieträger wurde der Rotmilan zur Leitart der Rhöner Kulturlandschaft. Sein Rückgang ist nur ein Beispiel für den vorschreitenden Verlust biologischer Vielfalt in der Rhön, der aufgrund der sich stetig verschlechternden Umweltbedingungen auch hier Einzug hält.

Sein größtes Problem: Zur Zeit der Jungenaufzucht im Frühsommer wird oftmals die Nahrung knapp. Ist zu wenig Nahrung verfügbar, wirkt sich dies besonders nachteilig auf den Bruterfolg eines Jahrgangs aus. Wo mancherorts aufgrund guter Bedingungen zwei oder drei Rotmilane das Nest verlassen, fangen Paare andernorts erst gar nicht an zu brüten oder verlieren einen Teil der Brut im Laufe der Saison. Hinzu kommen die regional teils hohen Verluste durch Nesträuber wie Uhu, Habicht und Waschbären.

Der Fokus der Landwirtschaft liegt zu häufig auf dem Anbau schnell wachsender, ertragreicher Kulturen wie Winterweizen und Raps. Diese versperren den Rotmilaneltern jedoch schon relativ früh im Jahr die Sicht auf ihre Beute, weshalb diese Flächen als Jagdgebiet im Laufe des Jahres relativ schnell uninteressant werden. Zudem wird seit Jahren ein genereller Verlust der biologischen Vielfalt im Offenland deutlich, der sich beispielsweise im dramatischen Rückgang der heimischen Insekten- und Vogelwelt ausdrückt. Diese negativen Entwicklungen tragen wiederum zur allgemeinen Verschlechterung der Nahrungssituation für den Rotmilan und andere Greifvögel bei.

Was gilt es also zu tun? Im Rahmen des Projektes „Rotmilan in der Rhön“ wurde ein Katalog mit verschiedenen rotmilanfreundlichen Fördermaßnahmen entwickelt. Maßnahmen wie die Anlage von sogenannten Rotmilanfenstern und Blühflächen oder Altgrasstreifen verbessern den Strukturreichtum einer meist monotonen Landschaft. Sie dienen Kleinsäugern, Vögeln und Insekten als Rückzugsgebiete und erhöhen somit die Artenvielfalt in der Fläche und damit auch das Nahrungsangebot für den Rotmilan.

Um dies genauer zu untersuchen, wird die Anzahl der Mäuse und Singvögel auf den Maßnahmenflächen mit konventionell bewirtschafteten Flächen verglichen. Zudem wird betrachtet, ob Maßnahmenflächen tatsächlich häufiger von Rotmilanen und anderen Greifvögeln zur Jagd genutzt werden.

Ein weiteres wichtiges Projektziel ist die alljährliche Kartierung des Bestandes und der Schutz besetzter Brutstandorte. Denn gerade zu Beginn der Brutzeit sind die Rotmilanpaare besonders empfindlich. Werden Sie während dieser Zeit durch ungewohnte Störungen aufgescheucht, führt dies nicht selten zum Abbruch der Brut. Da das Projektgebiet sowohl das Biosphärenreservat Rhön als auch das weitere Umland umfasst, ist das Auffinden besetzter Revier- und Brutstandorte keine leichte Aufgabe. Die Umsetzung dieser Mammutaufgabe ist lediglich durch das große Engagement der mittlerweile über 100 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer möglich, die sich alljährlich an der Frühjahrskartierung beteiligen. Mit ihrer Arbeit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Brutstandorte und sind gleichzeitig Projekt-Botschafter in der Fläche. Organisiert werden die Freiwilligen von der Projektleitung, die sich für die Durchführung dieser zentralen Aufgabe von EUROPARC Deutschland zu Freiwilligenkoordinatoren ausbilden ließ.




Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die durch menschliche Nutzung entstandene Offenlandschaft bietet einer Vielzahl heimischer Arten Nahrungs-, Brut- und Rückzugsmöglichkeiten. Die jedoch meist intensive landwirtschaftliche Nutzung mit häufigen Mahden im Grünland, intensiver Güllung und dem oft übermäßigen Einsatz von Spritzmitteln lässt Flora wie Fauna der Offenlandschaft stetig verarmen. Die Landwirte selbst sehen in Anbetracht der aktuellen Marktpreise oft kaum eine Alternative zur Intensivierung.

In der Offenlandschaft ist der Rotmilan mehr ein Sammler als ein Jäger. Jede Bewirtschaftung der Fläche vereinfacht ihm das Auffinden von Nahrung. Doch auch für ihn stellt der Rückgang der Artenvielfalt und Artenhäufigkeit ein Problem dar.

Das Artenhilfsprojekt Rotmilan in der Rhön ist ein spezielles artenbezogenes Förderprogramm, das sich mit Störungen im direkten Nestumfeld sowie der zunehmenden Nahrungsknappheit im Offenland auseinandersetzt. Im Rahmen des Projekts fanden bereits zahlreiche Ortstermine mit Waldbesitzern und Flächenbewirtschaftern statt. Maßnahmen wurden beraten, begleitet, gefördert und evaluiert. Die im Laufe des Projekts gewonnenen Erkenntnisse können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die bestehenden Agrarumweltprogramme zu verbessern und zu ergänzen. Sie sind ein wesentliches Instrument, das gewährleisten muss, dass sich Landbewirtschafter Naturschutz „leisten können“ und wollen. Das Projekt ist damit ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der Biodiversität im Offenland.


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Dokumente

Broschüre des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Titel: Der Rotmilan - Charaktervogel der Rhön

Broschüre des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Titel: Maßnahmen zur Förderung des Rotmilans - Rotmilan-Projekt Rhön

 

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julian.oymanns@br-rhoen.de
https://biosphaerenreservat-rhoen.de/rotmilanprojekt

 

Weitere Infos

Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise, Landkreis Fulda, Hessische Verwaltungsstelle des UNESCO-Biosphärenreservates Rhön
Gersfeld

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