Sonderwettbewerb Soziale Natur

Draußenschule

Die Draußenschule ist ein Projekt, bei dem die teilnehmenden Schulklassen im gesamten Schuljahr einmal pro Woche den Klassenraum verlassen und regionale Natur- und Kulturräume aufsuchen. Die wöchentlichen Draußentage sind Teil der Unterrichtsarbeit und verfolgen neben fachlichen auch soziale Lernziele. So gelingt es, auch diejenigen Grundschulkinder während ihrer Unterrichtszeit handlungsorientiert an Naturphänomene heranzuführen, die sonst nur wenige oder keine Naturerfahrungen machen. Die Kinder erleben sich draußen als Gemeinschaft unter völlig anderen Vorzeichen als im Innenraum.

Im Raum Hamburg haben in den vergangen zehn Jahren über 5000 Schüler*innen aus rund 10 Grundschulen an dem Projekt „Draußenschule“ teilgenommen. Dabei wird das Projekt stets an das jeweilige räumliche und soziale Umfeld der einzelnen Schulen ausgerichtet. An einer Schule, die in einem einkommensschwachen Stadtteil Hamburgs liegt, mit nur wenig Naturflächen in der Nähe, ist die „Draußenschule“ anders organisiert als beispielsweise an einer Schule am Hamburger Stadtrand oder in einem der Vororte im ländlichen Raum. Die eine Schule in der Stadt hat einen Park mit Teich in der Nähe, die andere liegt dörflich und ist umgeben von Wäldern, Mooren und Wiesen. Bei der einen liegt Pachtgarten in der Nähe oder sogar einen Schulgarten, die andere Schule stellt Pflanzkübel auf.
Je nach Lage der Schule sind auch die Sozialkontakte zu Einrichtungen im Stadtteil unterschiedlich. Die Bandbreite der Kooperationspartner*innen reicht dabei vom Stadtteilverein als Träger eines Nutzgartens, vom Heimatmuseum und von der Geschichtswerkstatt über den örtlichen Reit- und Fahrverein, dessen Flächen die Klassen nutzen dürfen, bis hin zum landwirtschaftlichen Betrieb, der zum Ziel der Unterrichtsgänge wird. Folgende Merkmale der „Draußenschule“ gelten für alle teilnehmenden Schulen unabhängig ihres Standortes:
Jede Woche an einem feststehenden Tag verlassen die Schüler*innen zusammen mit der Lehrkraft und einem außerschulischen Partner das Schulgebäude und begeben sich zu Fuß zu einem Naturlernort in der Nähe. Die fußläufige Entfernung ist wichtig, um den Schüler*innen die Möglichkeit zu geben, auch in der Freizeit diesen Ort zu erleben. Damit wird ein Lebensweltbezug hergestellt. Ein anderes wichtiges Merkmal ist die Regelmäßigkeit. Die Schüler*innen haben im Stundenplan ihren festen Draußenschul-Tag, wissen, dass sie dann ihren Rucksack mit Sitzmatte, Naturtagebuch und Verpflegung dabei haben müssen. Feste Rituale verhelfen den Schüler*innen auch ohne feste Räume zu einer Struktur beim Draußenlernen.
Durch die Kontinuität über ein gesamtes Kalenderjahr erfahren die Schüler*innen Veränderungen in der Natur Woche für Woche im Laufe der Jahreszeiten unmittelbar und ganzheitlich. Die Langfristigkeit und Regemäßigkeit des Projektes sind es auch, die auf sozialer Ebene Prozesse innerhalb des Klassenverbandes anstoßen können. Soziales Lernen wird draußen durch hohe Methodenvielfalt und wechselnde Sozialformen (Kleingruppen-, Partnerarbeit, Freispielzeit) besonders gefördert. Das Draußensein erfordert von den Schüler*innen ein höheres Maß an verbaler Auseinandersetzung mit ihren Mitschüler*innen. Ohne die feste Raumaufteilung im Klassenraum gibt es häufigere Kommunikationsanlässe und mehr Interaktion wird nötig. Auch Rollenmuster können teilweise verändert werden.
Die Teilnahme am Jahresprojekt „Draußenschule“ ermöglicht den Kindern eine intensive Auseinandersetzung mit Naturphänomen. Sich Woche für Woche den jeweiligen Witterungsverhältnissen auszusetzen, ist für viele dabei eine besondere Erfahrung. Durch das regelmäßige Aufsuchen von Naturräumen erkennen die Schüler*innen ökologische Zusammenhänge und erlangen Kenntnisse über die biologische Vielfalt am realen Ort. Die regelmäßigen Lerngänge sollen den Schüler*innen nicht nur die die Möglichkeit geben, unterschiedliche Ökosysteme genauer zu erforschen, sondern sich auch Wissen anzueignen über deren Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Der Verlust eines Ökosystems und dessen Arten hat immer auch Auswirkungen auf die an andere Ökosysteme angepasste Flora und Fauna, selbst wenn diese entfernt voneinander liegen. Die Schüler*innen lernen und üben im Rahmen des Projektes zudem Fertigkeiten, um selbst zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen zu können (praktische Naturschutzarbeiten; Konsumverhalten).
Die wöchentlichen Unterrichtsgänge lehnen sich an einen Jahresplan an, der für jede der 36 Schulwochen ein Thema vorsieht. Der Plan dient als Orientierung und lässt die Möglichkeit für Abweichungen offen. Als Beispiel sind für März drei Wochen für das Thema „Vögel im Frühling“ vorgesehen: Erst die Unterscheidung der Arten anhand ihres Gesangs, dann Balzverhalten und Nestbau. Handlungsorientiert und praktisch wird es, wenn die Kinder selbst versuchen, ein Vogelnest aus dem vorhandenen Naturmaterial zu fertigen, oder versuchen mit verbundenen Augen nur anhand des eingeübten „Vogelrufes“ ihren Partner zu finden. Spielerisch geht es auch bei der anschließenden Brutpflege und Fütterung zu, wenn es darum geht, den „Nachwuchs“ gut mit Nahrung zu versorgen, ohne selbst zur Beute eines Fressfeindes zu werden.
Das Projekt muss ohne staatliche Unterstützung auskommen, aber ein fester Kreis von Stiftungen ermöglicht die „Draußenschule“. Öffentlichkeitsarbeit über eine eigene Homepage (www.draussenschule.de), soziale Medien, aber auch öffentliche Unterrichtsschauen für die Presse, sowie Multiplikator*innen-Fortbildungen verhelfen das Projekt „Draußenschule“ bekannter zu machen.




Bezug zur biologischen Vielfalt:

Biologische Vielfalt zeigt sich in vielfältiger Weise: In einem Schulgarten können die Kinder unterschiedliche Kartoffelsorten ernten und von Obstbäumen auf der Streuobstwiese verschiedene Apfelsorten probieren (Sorten-Vielfalt). Im Wald neben der Schule gewinnen sie Eiche, Buche und andere Baumarten als ihre Patenbäume“, und im Gewässer im Park entdecken sie die vielen kleinen Wassertiere (Arten-Vielfalt). Beim Gang von der Schule zum Draußenlernort passieren sie Stadtnatur, Gärten, Parks, Felder, Wiesen und Wald und begegnen so unterschiedlichen Lebensräumen mit ihrer charakteristischen Tier- und Pflanzenwelt (Lebensraum-Vielfalt). Durch die "Draußenschule" kommen Kinder dorthin, wo biologische Vielfalt zu entdecken ist und lernen sie bewusst wahrzunehmen und zu schätzen. Und das jede Woche, das ganze Jahr hindurch. So erleben sie unmittelbar auch unter welchen Voraussetzungen vielfältiges Leben möglich ist und lernen handlungsorientiert, was sie selbst dazu beitragen können. Außerdem kann das Erlernen von Wertschätzung der biologischen Vielfalt in der Natur zu einer Wertschätzung von Vielfalt generell (Stärken, Lebensstile, Religionen, Weltanschauungen) beitragen.


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Dokumente

PresseMitteilung_Auszeichnung_Sonderwettbewerb_UN-Dekade_190614.pdf

 

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LANDSCHAFTSABENTEUER (Koordinationsbüro Draußenschule)

Brockwinkler Weg 72a
21339 Lüneburg

Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 10.00 -17.00 Uhr (nach vorheriger Anmeldung)

Herr Johannes Plotzki
Tel.:04131-9279747
info@landschaftsabenteuer.de
http://www.draussenschule.de

 

Weitere Infos

Johannes Plotzki
Lüneburg

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