Sonderwettbewerb Soziale Natur

In der Fremde Wurzeln schlagen

Der 2006 gegründete Interkulturelle Garten Aalen befindet sich auf einer ca. 3000 m² großen Fläche im Hirschbachtal neben dem Rötenberg, einem sozial benachteiligten Stadtteil mit einem hohen Anteil Migranten. Der Garten besteht aus 18 Parzellen, die von Familien aus unterschiedlichen Kulturkreisen ökologisch bepflanzt und gepflegt werden, sowie einer Gemeinschaftsfläche, die für gemeinsame Feste, Essen, Spielen und andere Aktivitäten benutzt wird. Der Garten wirkt als Fokuspunkt für ein soziales Miteinander, wo Wurzeln geschlagen werden können und wo biologische Vielfalt (besonders im Hinblick auf Pflanzen aus der Heimat) als Vehikel für interkulturellen Austausch genutzt wird.

Der interkulturellen Garten Aalen e.V. ist vor 12 Jahren aus der Aalener Lokalen Agenda 21, einem Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern, die sich seit 1998 aktiv für eine nachhaltige Entwicklung in der Stadt Aalen einsetzen, entstanden. Er war das erste seiner Art in Baden-Württemberg. Diesem Agenda 21-geprägten Hintergrund bleibt der treu: Durch vielfältige Arbeit mit unterschiedlichen Partnern verfolgt das Projekt soziale und ökologische Ziele, vor allem kulturellen Austausch, soziale Vernetzung, und ökologische Bewirtschaftung und Bildung. In dem Verein sind sowohl Menschen mit und ohne Migrationserfahrung aktiv. Mehrere Flüchtlinge sind auch Mitglieder.

Der Verein hat eine besonders starke Beziehung mit dem Grünflächen- und Umweltamt der Stadt Aalen, von der das Wiesengrundstück gepachtet wird. Eine gute Zusammenarbeit gibt es auch mit der Hochschule Aalen — Studierende und Gartenmitglieder haben dieses Jahr Hochbeete im Rötenberg organisert. Die Bildungseinrichtung explorhino führt im Garten Programme für junge Forscher durch mit dem Ziel, Kinder für MINT zu begeistern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Andere starke Partner sind die Kulturküche Aalen e.V., die für gemeinsames, interkulturelles Kochen steht, und ein lokaler Kindergarten, der ein Beet im Garten pachtet, um die Kinder mit aktiver Umweltbildung zu fördern.

Regelmäßige Veranstaltungen, wie ein jährliches interreligiöses Erntedankfest und Vertretung beim städtischen Internationalen Fest sowie monatliche Brotbackfeste und Internationale Cafés fördern kulturellen Austausch und sorgen für ein soziales Miteinander. Diese Veranstaltungen wenden sich an BewohnerInnen sowie an AnwohnerInnen, die Interesse am Gärtnen, Essen, Kochen, Kulturen und Austausch haben. Die biologische Vielfalt in den Gärten sowie der Reichtum an heimischen Gerichten, die bei den Festen serviert werden, fungieren als Stimulus für die Konversation und bieten vielerlei Chancen, um Heimat zu teilen. Das Wissen von Gärtnen, Pflanzen und Gerichten von den Pflanzen wird mit Stolz und Freude geteilt. Dadurch wird auch Selbstbewusstsein und Austausch gefördert.

Heimat zu teilen ermöglicht, Wurzeln zu schlagen, und wo Wurzeln geschlagen werden konnten, können Bildung und Integration gelingen. Der Interkulturelle Garten Aalen schafft genau hierfür und im wortwörtlichen Sinne den Nährboden: 18 Familien aus unterschiedlichen Kulturkreisen bewirtschaften 18 Parzellen unterschiedlicher Größe, feiern Feste und organisieren Veranstaltungen, planen Projekte und suchen die Nähe zu Aalener Bürgern und Bürgerinnen. Sie füllen auf diese Weise die Idee des Gartens, nämlich ein Ort für Bildung und Integration zu sein, mit Leben.

Die Gartensprache ist deutsch. Das ebenso rege wie wertschätzende Miteinander fördert die sprachlichen Fähigkeiten und lässt freundschaftliche Beziehungen entstehen. Die Gärtner und Gärtnerinnen haben viele Themen: Man tauscht sich aus über den Boden und das Saatgut, über Bräuche und Erfahrungen, über Dinge, die einen beschäftigen. Man trifft sich tagtäglich spontan, aber auch regelmäßig zu Vereinssitzungen oder zu Festen, die gemeinsam organisiert werden.

Das Thema Ökologie und ökologisches Wirtschaften bildet die Basis. Es wird auf Kunstdünger oder Chemikalien verzichtet. Die Nachhaltigkeit der angeschobenen Prozesse stellt dabei eine Querschnittsaufgabe dar: vom ökologischen Handeln über soziale Verantwortlichkeit und persönliche Bildung bis hin zu interkulturellen Kompetenzen.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Die kulturelle Vielfalt im Garten fördert biologische Vielfalt, indem möglichst Pflanzen aus der jeweiligen Heimat von den Mitgliedern angepflanzt werden. Dies erfolgt aber ohne Nutzung von Pestiziden, Herbiziden und künstlichen Düngern, damit die biologische Vielfalt und Nachhaltigkeit im Garten gesichert werden können. Dadurch fördert der interkulturelle Garten, kulturelle Vielfalt und ökologische Bewirtschaftung nachhaltig in die Welt zu tragen.

Video:
https://youtu.be/llhUX8xqDsE


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Besuchen Sie uns

Interkultureller Garten Aalen e.V.

Nietzschestr. 21
73431 Aalen

Öffnungszeiten: immer offen wenn jemand da ist--fast immer

Frau Frauke Krauß

 

Weitere Infos

Interkultureller Garten Aalen e.V.
Aalen

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