Sonderwettbewerb Soziale Natur

Draussen bei Wind und Wetter - Natur er-leben

Kinder aus Erziehungbeistandschaften des Jugendamtes Köln erleben hier, im Laufe eines Jahres, die Natur ganz direkt und nah. Die Idee ist, wenig kreativen und anregungsarmen Wohnumfeldern, schlechten Ernährungsgewohnheiten, motorischen Störungen, Verhaltensauffälligkeiten und desolaten Familienverhältnissen mit Naturerfahrungen zu begegnen. Eine ungewohnte Umgebung und ungewohnte Beschäftigungen schaffen in Verbindung mit der Gruppe einen Raum, in dem der Einzelne sich auf neue Weise erleben kann.

Das 2 ha große Gelände ist durch seine Hanglage für eine maschinelle landwirtschaftliche Bewirtschaftung ungeeignet, und wurde seit den 1970er Jahren aus diesem Grund nicht mehr gepflegt. Brombeeren überwucherten fast Drei-Viertel des Geländes und machten es unpassierbar.
Seit 1994 wird es von uns bearbeitet.
Mittlerweile durchziehen kleine Pfade das Gelände. Sie führen durch unterschiedlichste natürliche Räume, über schattige Plätze unter großen Bäumen, über Terrassen mit Beerenobst, vorbei an riesigen Ameisenhaufen, Fuchsbau, Gemüsegarten, Obstbäumen bis in das Waldstück.

Seit 2002 kommen Kinder aus Familien, für die das Jugendamt der Stadt Köln eine Erziehungsbeistandschaft hat, in den Wildgarten, um von März bis Dezember einen Tag im Monat aus ihrer gewohnten Welt in eine völlig andere einzutauchen. Hier im Wildgarten gibt es keine befestigten Wege, keinen Strom oder fließendes Wasser, keine Maschinen, Abgase und Autos.

Das Wasser ein kostbares Element ist wird ihnen klar, wenn sie die Wasserkanister auf einem Karren mühsam den Hang hinauf zu unserem „Küchenplatz“ schieben. Ist der Kanister leer, gibt es kein Wasser mehr.
Im Gemüsegarten erfahren sie den Umgang mit der Erde, dem Grundstoff all unserer Nahrungsmittel. Lehm als Werkstoff fördert die Vorstellungskraft und die Feinmotorik. Eine fertige Schüssel, eine kleine Figur erfüllt die Kinder mit großem Stolz.
Sie lernen ein Feuer mit dem Feuerstein zu schlagen, ein Essen darauf zu kochen - und den Respekt vor seinen Gefahren.
Wir sind bei jedem Wetter draußen, ob Regen, Wind oder Sonne.

Beim Arbeiten mit den zur Verfügung stehenden natürlichen Materialien lernen sie deren vielfältige Qualitäten kennen, lernen ihre Ideen damit umzusetzen, und stärken das, was Kinder von Natur aus haben, die Kunst der Improvisation. So entwickeln sie oft selbst Lösungsmöglichkeiten um ihr Werk zu vollenden. Dies erfüllt sie mit einem neuen Selbstvertrauen.

Jedes mal wird auch gemeinsam geerntet und auf dem selbst gebauten Lehmofen gekocht, was der Garten in der jeweiligen Jahreszeit hergibt. Die Kinder lernen die verschiedenen Obst- und Gemüsesorten und Wildpflanzen kennen und verarbeiten. So erfahren sie vieles über die biologische Vielfalt, die wilde und die kultivierte.

Der Gemüsegarten wird seit Anbeginn biologisch bewirtschaftet, seit 2015 mit dem Mulchprinzip: Die Erde wird mit einer dicken Mulchschicht aus Grasschnitt, Laub und anderen Gartenabfällen bedeckt und ist so gegen Witterungseinflüsse geschützt. Der Erfolg ist eine lockere, humusreiche Erde, die selbst in einer Trockenperiode, wie die des vergangenen Sommers ohne Wässern auskommt.

Im Frühjahr pflanzen und säen wir hier gemeinsam. Die Kinder erfahren, dass Gartenarbeit auch fast mühelos sein kann und dennoch erfolgreich. Auch dieses Jahr haben sie kiloweise Tomaten, Zucchini, Erbsen etc. für die gemeinsamen Mahlzeiten geerntet.

Eine andere wichtige Erfahrungen ist die direkte Begegnung mit der Natur in Form von Brennnesseln, Dornen, Stechfliegen und anderem. Die Kratzer und Blessuren, die sie mitnehmen, weisen sie auch in ihre Grenzen, zeigen ihnen, wo die Wege begrenzt sind, lassen sie die natürliche Umwelt spüren. Das Gehen auf den unebenen Wegen, das ständige Ausbalancieren des Körpers fordert die Kinder ganz anders als die gewohnten, geebneten Flächen.

Das spiegelt sich alles in der Rückmeldung der Betreuer: im Wildgarten sind die Kinder wie verwandelt. Ständige Konflikte, wie sie in den Gruppen immer wieder auftauchen, bleiben meistens aus. Durch das vielfältige Angebot, dass auf die individuellen Bedürfnisse zurecht geschnitten werden kann, kommt jeder auf seine Kosten. Und notfalls gibt es genügend Orte auf dem Gelände, um sich mal zurückzuziehen.
Die Kinder bilden eine mehr oder weniger homogene Gruppe und helfen sich gegenseitig.
Dies hat auch langfristige Folgen: die Kinder trauen sich mehr zu, sind stolz auf ihr neues Wissen. Ihr Umwelt- und Gesundheits-bewußtsein formt sich, und ermöglicht ihnen selbstständig erworbene Erkenntnisse im Alltag anzuwenden.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Gelände bietet durch seine Vielzahl von unterschiedlichen Mikroklimata eine große biologische Vielfalt: der Wald, die steilen, ungemähten Hangwiesen, unterbrochen von den Terrassen aus Schnittmaterial, das Gartenstück, die Brombeerhecken… überall können die Kinder etwas entdecken. Vogelnester, Erdlöcher von Kleintieren, Insekten, Amphibien und Reptilien, und jede Menge Pflanzen, essbar, nutzbar, giftig oder nur schön...


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Dokumente

Erfahrungen des Projektpartners mit dem Waldprojekt.

 

Besuchen Sie uns

Der Wildgarten

Hennesenbergstr. 23
53332 Bornnheim

Öffnungszeiten: nur nach Vereinbarung

Frau Elisabeth Hillebrand-Guessant
Tel.:0163 79 061 97
eliguessant@posteo.de

 

Weitere Infos

Der Wildgarten, Elisabeth Hillebrand-Guessant
Bornnheim

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