Hallo Hummel!

„Hallo Hummel!“ ist ein biologiedidaktisches Forschungs- und Entwicklungsprojekt der AG Didaktik der Biologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Neben der Betreuung eines Hummelvolkes durch Schülerinnen und Schüler liegt der Fokus auf der Artenvielfalt heimischer Wildbienen, zu denen auch Hummeln zählen.

Der Rückgang von Insekten und damit auch von Bestäubern ist derzeit alarmierend. Neben dem Verschwinden der Artenvielfalt hat der Rückgang von Bestäubern auch ökonomische Folgen. Denn etwa 75% der Nutzpflanzen sind von diesen abhängig. Der weltweite Wert der Bestäubung für die kommerzielle Nahrungsmittelproduktion wurde auf etwa 351 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt. Neben dem Rückgang von Honigbienen sind auch viele Wildbienen betroffen, zu denen Hummeln gezählt werden. Um die Thematik des Bienen- und Insektensterbens sowie mögliche Ursachen und Folgen verstehen und bewerten zu können, ist das Wissen über den Nutzen von Bestäubern wie Hummeln essentiell. Nur Dinge, die bekannt sind, können auch als schützenswert wahrgenommen werden.
Um bei Schülerinnen und Schülern vorhandenes Wissen bewerten zu können, führten wir im vergangenen Jahr eine Wissensstanderhebung mit 870 Schülerinnen und Schülern weiterführender Schulen aus Hessen und Rheinland-Pfalz durch (https://doi.org/10.3390/insects9020040). Die Ergebnisse zeigen ein begrenztes Wissen. Auf der Basis der Umfrage erstellen wir Unterrichtsmaterialien. Bisher konnten wir im Rahmen einer Piloterprobung mit ersten Schülerinnen und Schülern Teile des „Hallo Hummel!“-Projekts durchführen. Außerdem läuft zur Zeit eine größere Erprobung mit Schulen aus der Region, die wir begleiten und evaluieren. Die erhobenen Daten und Rückmeldungen sollen uns helfen die Materialien zu überarbeiten und einen Beitrag zur aktuellen fachdidaktischen Forschung liefern. Kooperierende Schulen bekommen das Material von uns in der Erprobungsphase zur Verfügung gestellt. Eine Möglichkeit der Verbreitung des Materials nach Erprobung und Überarbeitung ist noch nicht abschließend geklärt. Bei Interesse freuen wir uns über eine Nachricht von Ihnen.
Das „Hallo Hummel!“-Projekt sieht die Ansiedlung eines Hummelvolkes auf dem Schulgelände und dessen regelmäßige Beobachtung und Pflege vor. Hieraus ergeben sich zahlreiche Bezüge zu den Lehrplänen in Rheinland-Pfalz und Hessen. Die kooperierenden Schulen werden mit „Hallo Hummel!“-Forschersets ausgestattet und während der Durchführung durch unsere Arbeitsgruppe unterstützt. Durch den Verbleib der Forschersets an den Schulen wird eine langfristige Fortführung des Projektes angestrebt. Das Projekt ist modular organisiert und setzt sich aus einem Grundlagen- und weiteren Aufbaumodulen zusammen. Das Grundlagenmodul schafft nötige Voraussetzungen für die Echtbegegnung der Schülerinnen und Schüler mit Hummeln. Das Bestimmen unterschiedlicher Hummelarten und Nahrungspflanzen, die Geschlechtsbestimmung einzelner Tiere, das Beobachten der Blütenstetigkeit oder das Mikroskopieren von Pollenproben aus den Pollenhöschen der Hummeln gehört dabei ebenso zum Programm wie das Beobachten der Hummeln im Nest zur Klärung von Fragen wie „Machen Hummeln Honig?“ oder „Wie sieht eine frisch geschlüpfte Hummel aus?“. Im Projekt sollen Schülerinnen und Schüler durch einen persönlichen Bezug und Kontakt zu Hummeln grundlegende Kenntnisse über Bestäuber erwerben und erfahren wie sich ihr eigenes Verhalten auf die biologische Vielfalt auswirkt. Dies soll sie dazu befähigen eine eigene Meinung zur menschlichen Nahrungsversorgung, zur Artenvielfalt und zum Umweltschutz zu bilden und eigene Verhaltensweisen zu reflektieren. Durch die Betreuung und Versorgung der Hummeln soll anhand eines konkreten Beispiels die Abstraktheit des Bienen- und Insektensterbens reduziert und die Thematik für Schülerinnen und Schüler (be)greifbar gemacht werden. In diesem Zusammenhang werden mögliche Schutzmaßnahmen für Wildbienen erarbeitet, die jede einzelne Schülerin und jeder einzelne Schüler im Alltag berücksichtigen kann, um dem Bienen- und Insektensterben entgegenzuwirken und die Biodiversität zu schützen. Hierbei werden ökonomische und ökologische Aspekte sowie deren gegenseitige Beeinflussung unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit betrachtet. Das Projekt bietet die Möglichkeit die Thematik einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, das Wissen zu vermehren und das Engagement der Gesellschaft zu fördern.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Teilnehmende Schülerinnen und Schüler lernen spielerisch die Artenvielfalt heimischer Wildbienen kennen und erarbeiten den Zusammenhang zwischen genetischer Vielfalt, Artenvielfalt und der Vielfalt an Ökosystemen als Bestandteile der biologischen Vielfalt. Am Beispiel von Wildbienen und Blütenpflanzen wird die Abhängigkeit der genetischen Vielfalt der Blütenpflanzen von Bestäubern deutlich. Bestäuber hingegen benötigen wiederum eine große Artenvielfalt an Blütenpflanzen, um ausreichend und über die gesamte Entwicklungsperiode mit Nahrung versorgt zu sein. Dabei wird die Vielfalt als Notwendigkeit für eine funktionierende und stabile Umwelt zugrunde gelegt.


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Besuchen Sie uns

Johannes Gutenberg-Universität Mainz, AG Didaktik der Biologie

Johannes-von-Müller-Weg 6
55128 Mainz

Öffnungszeiten: nach Vereinbarung

Frau Anne-Kathrin Sieg
hallo@hallo-hummel.de
http://www.hallo-hummel.de

 

Weitere Infos

AG Didaktik der Biologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Mainz

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