Sonderwettbewerb Soziale Natur

"Die essbare Siedlung" - vom Abstandsgrün zur Artenvielfalt

„Die essbare Siedlung“ ist ein generationenübergreifendes, interkulturelles Beteiligungsprojekt der Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH. An dem Gartenprojekt, das im Jahr 2013 unter der Regie des Stadtteilbüros realisiert wurde, beteiligen sich Jung und Alt, Alteingesessene und neue Bewohner/innen, Familien, Einzelpersonen, Institutionen und Einrichtungen. In dem 500 qm großen Gemeinschaftsgarten, der auf sogenanntem Abstandsgrün zwischen Wohnblocks aus den 1950er Jahren entstand, gedeihen nicht nur Obst, Gemüse ,Blumen und Kräuter. Gepflegt und umsorgt werden auch die Stadt-Gemeinschaft und nachbarschaftliche Beziehungen.
Nach zahlreichen Projekten der Wohn-Umfeld-Verbesserung, die durch das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ seit dem Jahr 2000 in dem Hattersheimer Siedlungsgebiet realisiert werden konnten, war „die essbare Siedlung“ das erste Projekt nach dem Auslaufen des Städtebauförderungsprogramms Ende 2012, das einen neuen Akzent im Quartier setzten sollte und konnte.

Am 20. April 2013 wurde mit einer gemeinschaftlichen Ausbau- und Pflanzaktion und einem anschließenden Gartenfest das Projekt offiziell gestartet. Alle Hobbygärtner waren mit großer Begeisterung dabei und in der Folge trafen sie sich dort etwa zum Frühstücken oder nach getaner Arbeit zum Plausch.
Nicht festgeschrieben hatten die Beteiligten wie lange das Gartenprojekt laufen sollte. Aber schon im ersten Jahr wurde deutlich, wie wertvoll das gemeinsame Gärtnern, das Naturerlebnis und die Begegnungen im Gemeinschaftsgarten für die Menschen der Siedlung waren. Zudem war es gelungen, den Garten zu einem Treffpunkt über die Grenzen des Quartiers hinaus für alle Hattersheimer interessant und wertvoll zu machen. Ende des Jahres wurde aufgrund dieses Erfolges beschlossen, das Gemeinschaftsprojekt fortzusetzen.
Die 23 Beete in verschiedenen Größen von 5 bis 20 qm sowie zwei Hochbeete werden bewirtschaftet von: Bewohnern der Siedlung, Ehrenamtlichen vom Runden Tisch, der Afghanischen Gemeinde, der Ahmadiyya Gemeinde, der Chorgemeinschaft, der Hattersheimer Tafel, der Flüchtlingsberatungsstelle, von den Integrationslotsen Hattersheim, dem Psychosozialen Zentrum, der Regenbogenschule und dem Verein Neues Wohnen.
Zu den Beeten gesellte sich auch noch ein sogenannter Poesiegarten, den ein Hattersheimer Künstler betreut. Passend zum Garten- und Natur-Thema werden auf mehreren Tafeln entlang des Zauns Gedichte berühmter und lokaler Dichter sowie Bauernregeln für den jeweiligen Monat präsentiert.
2014 nahm die Stadt Hattersheim am Main mit der „essbaren Siedlung“ am Wettbewerb „Entente Florale“ teil und wurde mit einer Silbermedaille und einem Sonderpreis für den Siedlungsgarten ausgezeichnet.
Nach wie vor werden regelmäßige Grillnachmittage und Gartenfeste veranstaltet. Sie bieten Gelegenheit, sich über Gartentipps zu unterhalten. Aber auch selbstangebautes Gemüse und ländertypische Rezepte werden von den Siedlungsbewohnern unterschiedlicher Nationen ausgetauscht. Jugendliche keltern Apfelsaft, Gartenexperten werden zu Infoveranstaltungen und der Präsentation von biologisch angebauten Produkten oder historischen Sorten eingeladen. Abschlussveranstaltungen und Preisverleihungen, wie beispielsweise von „Stadtradeln“, finden im Siedlungsgarten statt. Er bietet ebenfalls den Rahmen für Kunstaktionen, z.B. mit Kindern, die Holzstelen gestalten. Auch werden die Mitarbeiter des Stadtteilbüros immer wieder gebeten, in der Region über das erfolgreiche Hattersheimer Projekt und ihre Erfahrungen zu referieren.
„Die essbare Siedlung“ fühlt sich auf der Grundlage eines universalen Naturerlebnisses den Leitgedanken von Solidarität und Toleranz verpflichtet. Denn nicht immer ist es einfach, die Bepflanzung und Pflege des Anderen zu akzeptieren. Bisweilen entbrennen Diskussionen darüber: was ist Unkraut, was nicht. In den allermeisten Fällen einigt man sich. Das Ergebnis ist: die meisten „Beetbesitzer“ bleiben bei der Stange, erfreuen sich an der individuellen Gartenarbeit, den Begegnungen mit Nachbarn und der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und Freunden.
„Die essbare Siedlung" hat das Leben in der Siedlung noch spannender und reicher gemacht“, lautet das allgemeine Fazit.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Nutzen für die biologische Vielfalt liegt auf der Hand: 500 qm Gebrauchsrasen, mit wöchentlicher Mahd sind zwangsläufig artenarm. Blüten und Blütenbesucher beschränken sich in der Regel auf Weiß- und Rotklee und vielleicht noch ein paar Gänseblümchen.
Demgegenüber bietet bereits ein einfacher Garten verschiedene Lebensräume und damit den Raum für eine höhere Artenvielfalt.
Das beschriebene offene Konzept der "essbaren Siedlung" ist ein zusätzlicher Beitrag zur Artenvielfalt, da im Unterschied zum klassischen Nutzgarten vor allem für die Insektenwelt weit mehr Nahrungspflanzen, Brut- und Versteckmöglichkeiten (u.a. Insektenhotels) geboten werden. Neben den Beeten gibt es „Wilde Ecken“, die das Hessische Umweltministerium bewirbt und fördert. Schmetterlinge tummeln sich im Blumenbeet (keine Lust auf Gemüse) – und durch einen Kies- und Steinhaufen wachsen Pflanzen magerer Böden. Und natürlich gibt es viele Kräuter, Gemüse und Obst – nicht nur einheimische. Der afghanische Schnittlauch ist übrigens viel aromatischer als der deutsche – und die Blüten werden genauso angeflogen. Es wird komplett auf künstlichen Dünger verzichtet.


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Dokumente

Essbare Siedlung 2015 entente florale_klein.pdf

 

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