Renaturierung von Stromtalwiesen am hessischen Oberrhein

Vom Jahr 2000 an bis heute konnten 70 Hektar seltener Stromtalwiesen auf standörtlich geeigneten Flächen am hessischen Oberrhein neu geschaffen werden. Dabei konnten insgesamt 212 Pflanzenarten, darunter 37 der Roten Listen, neu angesiedelt werden. Als Ausgangsmaterial dient Mahdgut von Restbeständen alter Stromtalwiesen (ca. 20 ha) in benachbarten Naturschutzgebieten, das mittels Mahdgutübertragung auf die Renaturierungsflächen verbracht wird. Naturschutz wird hier in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft erreicht - alle neuen Stromtalwiesen sind an Landwirte vor Ort und aus der Nahregion verpachtet. Die zur langfristigen Erhaltung der seltenen Wiesen notwendige landwirtschaftliche Nutzung erfolgt in Übereinstimmung mit den Naturschutzzielen. Die Nachfrage seitens der Landwirte ist groß, was zeigt, dass sich die Nutzung dieser Wiesen auch wirtschaftlich lohnt - eine klassische Win-Win-Situation. Die Stadt Riedstadt hat das Projekt auch nach dem Auslaufen der eigentlichen Projektförderungen durch das BfN (bis 2005) und durch die DBU (2007/2008) in Eigenregie weitergeführt, unterstützt durch Spenden der FRAPORT AG und Sachleistungen des Landes Hessen. Damit läuft das Projekt nun ununterbrochen seit 18 Jahren und ist dementsprechend auf Langfristigkeit angelegt. Das Projekt wird von Anfang an wissenschaftlich begleitet, die letzte große Erfolgskontrolle wurde 2014 durchgeführt. Es existieren Kooperationen mit diversen Hochschulen und Fachinstitutionen im In- und Ausland.

Seit dem Jahr 2000 konnte im Rahmen des "Stromtalwiesenprojekts" in Riedstadt die biologische Vielfalt im Hot-Spot-Gebiet Nördlicher Oberrhein deutlich gesteigert werden.

Die Stadt Riedstadt entwickelte seit 1999 in Zusammenarbeit mit der Professur für Landschaftsökologie und Landschaftsplanung der Justus-Liebig-Universität Gießen und weiteren Projektpartnern ein Vorhaben zur Wiederherstellung seltener Stromtalwiesen im rheinnahen Bereich der Gemarkungen Erfelden und Leeheim.
Durch Umbruch in Ackerflächen, intensivierte Landnutzung sowie Deichbau- und Entwässerungsmaßnahmen ist dieser Wiesentyp europaweit stark zurückgegangen und findet sich heute oft nur noch auf kleinen Restflächen.

Beide im Projektgebiet vorkommenden Typen von Stromtalwiesen - Brenndoldenwiesen und Pfeifengraswiesen - sind gemäß der Roten Liste der Biotope der Bundesrepublik Deutschland "akut von vollständiger Vernichtung bedroht" (Gefährdungsstufe 1!).
Zudem gehören beide Wiesentypen zu den nach Anhang 1 der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU geschützten, europaweit gefährdeten Lebensräumen, für deren Schutz und Erhaltung Deutschland auch auf internationaler Ebene besondere Verantwortung trägt.

Die Ziele des "Stromtalwiesenprojektes" sind:
- Ausweitung der hier noch vorhandenen Stromtalwiesenbestände und -fragmente und Schaffung eines zusammenhängenden Auengrünlandverbundes,
- Gezielte Wiederansiedlung seltener und gefährdeter Arten der Stromtalwiesen mittels Mahdgutübertragung und ergänzender Auspflanzung von eigens angezogenen Pflanzen aus hier gesammelten Samen,
- Aufbau einer mit Naturschutzzielen verträglichen und gleichzeitig ökonomisch tragfähigen landwirtschaftlichen Nutzung von artenreichem Stromtalgrünland unter Einbeziehung der Landwirtschaftsverwaltung und ortsansässiger Landwirte,
- Analyse der Renaturierungs- und Pflegemaßnahmen hinsichtlich ihrer Effizienz für den Arten- und Lebensraumschutz sowie Ausweitung der wissenschaftlichen Kenntnisse über die Ökologie der Stromtalwiesen.

Zu diesem Zweck wurden seit dem Jahr 2000 bisher insgesamt 70 Hektar Fläche in den Gemarkungen Erfelden und Leeheim in Stromtalwiesen umgewandelt. Das Land Hessen brachte dabei 17 ha Fläche und die Stadt Riedstadt 31 ha an Projektflächen ein. Weitere 21 Hektar wurden von der Stadt Riedstadt aus Fördermitteln des Bundesamtes für Naturschutz angekauft. 1 Hektar wurde von einer privaten Naturschutzorganisation mit eingebracht.

Es wurden zwei sich ergänzende Projekte durchgeführt:
Von Oktober 2000 bis Juli 2005 lief das vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Vorhaben zur "Erprobung und Entwicklung von Verfahren zur Renaturierung und integrierten landwirtschaftlichen Nutzung von Stromtalwiesen am hessischen Oberrhein." Dabei lag der Schwerpunkt auf der Neuaanlage von Stromtalwiesen auf standörtlich geeigneten Flächen in der Rheinaue, die bis zu Beginn des Projektes noch überwiegend ackerbaulich genutzt waren und mit einer Ausnahme außerhalb bestehender Naturschutzgebiete lagen.
Im Projekt "Grundlagen für ein Handlungskonzept zur floristischen und faunistischen Anreicherung artenarmer Auenwiesen“, das 2007 und 2008 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wurde, wurde dagegen untersucht, ob das Verfahren der Mahdgutübertragung auch dazu geeignet ist, seltene Stromtalwiesenarten in bestehendem artenarmen Grünland anzusiedeln. Hierbei lagen die Projektflächen ausschließlich in bestehenden Schutzgebieten.
Im Zeitraum Juli 2005 bis Ende 2006 und ab 2009 hat die Stadt Riedstadt die Renaturierung von Stromtalwiesen in Eigenregie weitergeführt, wobei dies 2005 und 2006 sowie im Jahr 2009 durch eine großzügige Spende der Fraport AG ermöglicht wurde. Die große Vegetationskartierung zur Erfolgskontrolle im Mai/Juni 2014 wurde durch eine weitere Spende der Fraport AG ermöglicht.
Bei dieser Kartierung konnten auf den Renaturierungsflächen insgesamt 212 Pflanzenarten erfasst werden, darunter 37 der Roten Listen.
Bei der im Rahmen des E- und E-Vorhabens erstmals systematisch durchgeführten faunistischen Untersuchung konnten zudem u.a. 74 Vogel-, 5 Amphibien- und 2 Reptilienarten beobachtet werden, ferner 40 Tagfalter- und Widderchen-, 20 Heuschrecken-, 124 Laufkäfer-, 123 Rüsselkäfer- und 155 Wanzenarten. Insgesamt konnten über 110 gefährdete Tierarten erfasst werden.

Die bislang letzten Renaturierungsmaßnahmen wurden im Jahr 2017 durchgeführt, für 2018 sind weitere geplant. Alle Renaturierungsflächen sind bereits an Landwirte zur Gewinnung von Heu bzw. - in kleineren Teilbereichen - zur Schafbeweidung verpachtet. Die regelmäßige und auf die Naturschutzziele abgestimmte landwirtschaftliche Nutzung spielt eine Schlüsselrolle bei der dauerhaften Erhaltung der neuen Stromtalwiesenflächen.

Ausführliche Informationen siehe. www.riedstadt.de/stromtalwiesen

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Erhöhung der floristischen und faunistischen Artenvielfalt in einem der HotSpot-Gebiete der biologischen Vielfalt in Deutschland (Nördlicher Oberrhein). Aus artenarmen intensiv genutzten Ackerbeständen und stark artenverarmten Grünland konnten 70 Hektar artenreiche Stromtalwiesen neu entwickelt werden. Ansiedlung von insgesamt 212 Pflanzenarten, darunter 37 der Roten Listen sowie 110 gefärdeten Tierarten. Ausweitung von Beständen der Brenndolden-Auenwiesen, die laut Roter Liste der Biotoptypen Deutschlands "akut von vollständiger Vernichtung bedroht" sind. Der Ausgangsbestand zu Beginn des Stromtalwiesenprojektes betrug ca. 20 ha hochwertiger Altwiesen in Naturschutzgebieten. Dazu sind nun 70 ha zum Großteil bereits sehr weit entwickelter und artenreicher neuer Stromtalwiesen gekommen, die mit den Ausgangsbeständen zudem ein auch räumlich eng miteinander verzahnten Verbund bilden.


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Parkplatz Kämmerfeld (Ausgangspunkt Geopfad "Stromtalwiesen")

Rathausplatz 1
64560 Riedstadt

Öffnungszeiten: Der Geopfad "Stromtalwiesen" ist frei besuchbar

Herr Matthias Harnisch
Tel.:0049 (0)6158 181322
m.harnisch@riedstadt.de
http://www.riedstadt.de/stromtalwiesen

 

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