Klein aber oho: Schatzkästchen Wiesengraben

Im Biodiversitätsprojekt „Bachmuschel- und Libellen-Bäche im Landkreis Unterallgäu“ geht es um die vom Aussterben bedrohte und seltene Bachmuschel sowie zwei Kleinlibellenarten, die Helm-Azurjungfer und die Vogel-Azurjungfer. Von 2014 bis Ende 2019 werden geeignete Maßnahmen gefördert, die dem Erhalt und der Verbesserung des Zustandes dieser Arten sowie ihrer Lebensräume dienen: In der Öffentlichkeit soll das Bewusstsein für die naturschutzfachliche Bedeutung dieser Zielarten erhöht, ferner durch Maßnahmen an kleinen Fließgewässern der Lebensraum dieser Arten optimiert und Beeinträchtigungen verringert werden. Hierfür wurde ein Netzwerk ehrenamtlicher Betreuer als „lokale Sensoren“ etabliert, daneben dienen ehrenamtliche Libellenpaten als Botschafter für diese faszinierenden Insekten. Bei regelmäßigen Treffen aller Beteiligten - Vertretern der Behörden, Gemeinden, Landwirtschaft und Naturschutzverbände - werden Probleme identifiziert, erörtert und für alle akzeptable Lösungen erarbeitet. Die Öffentlichkeit wird regelmäßig über Internetauftritt, lokale Printmedien und Rundfunk informiert und zu Exkursionen, Bachmuscheltagen und Fachvorträgen eingeladen. Bei der Umweltbildung liegt ein Schwerpunkt auf dem Einsatz neuer Medien, um damit gezielt jüngere Menschen anzusprechen. Schließlich stehen Mittel zum Kauf oder Tausch von Grundstücken zur Verfügung, um Pufferstreifen entlang von Gewässern zu etablieren.

Das Biodiversitätsprojekt „Bachmuschel- und Libellen-Bäche im Landkreis Unterallgäu“ wird vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert. Projektträger sind der Landschaftspflegeverband Unterallgäu sowie der Bund Naturschutz Bayern, ferner unterstützt der Landkreis die Projektinfrastruktur. Bereits von 2009 bis 2014 wurde ein Vorläuferprojekt zum Schutz der Bachmuschel im Unterallgäu von der Regierung von Schwaben finanziert. Die Projektziele - Erhalt der Bachmuschel, Helm-Azurjungfer und Vogel-Azurjungfer sowie ihrer Lebensräume - sollen durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

Maßnahmen an Gewässern
Eine der Hauptaufgaben des Projektes ist es, durch Maßnahmen wie Ufermahd, Gehölzmanagement oder Verbesserung der Gewässerstruktur den Lebensraum der Zielarten zu optimieren. Auf diese Weise entstehen „Trittsteine“ zwischen den isolierten Populationen, wodurch sich und Bachmuschel und Libellen entlang der Gewässerachsen weiter ausbreiten können. Solche Biotopverbunde werden in zwei Talräumen eingerichtet. Im „Kielwasser“ der drei Leitarten entstehen positive Effekte für die biologische Vielfalt in den Auenzonen der kleinen Fließgewässer. Dies liefert beste Voraussetzungen für Naturerlebnisse mit allen Sinnen. Im Kneippland Unterallgäu sind Auenzonen traditionell die Erholungs- und Erlebnisräume der Bevölkerung. Der Entwicklung vegetations- und insektenfreundlicher Verfahren zur Gewässerpflege und der Mehrung ihrer Anwendung mit Spezialgeräten kommen eine besondere Bedeutung zu.

Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung
Der zweite Arbeitsschwerpunkt liegt im Bereich Öffentlichkeitsarbeit: Durch Exkursionen, beispielsweise im Rahmen von BayernTourNatur, Vorträge und Projektpräsentationen, Berichte in Printmedien und Rundfunk, lassen sich Informationen breit streuen. Seit 2010 findet jährlich ein Bachmuscheltag in einer der Gemeinden mit Bachmuschelvorkommen statt. Zusammen mit Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz sowie den lokalen Fischereivereinen werden Infostände und Fachvorträge, Kinderprogramm, Kaffee und Kuchen mit Vertretern der Gemeinden, Politik und Behörden organisiert.
Zielgruppe für Umweltbildung sind Schulen und Kindergärten. Für das mobile Umweltbildungsprogramm des Bund Naturschutz wurden Multiplikatoren mit Wissen und Unterrichtsmaterialien ausgestattet, ferner gibt es Vorträge und Exkursionen im Rahmen der Lehrerfortbildung.
Auch im Internet wird rund um das Projekt sowie die Zielarten informiert, beispielsweise über die Biologie der Libellen (http://azurjungfer.de/biologie/) oder die Libellen-Arten im Unterallgäu (http://azurjungfer.de/artensteckbriefe/). Sein Wissen über die Bachmuschel kann man bei einem Quiz unter Beweis stellen (http://www.bachmuschel.de/bachmuschel-quiz/).
Um jüngere Menschen zu erreichen, werden bei den Angeboten neue Medien eingebunden. Über QR-Codes auf Flyern und Infotafeln können per Smartphone vertiefende Infos, Videos oder Audiodateien zu bestimmten Themen abgerufen werden. Für Geocacher gibt es die „Bachmuschel-Safari“ (http://www.bachmuschel.de/geocaching-bachmuschel-safari/), ein Multicache mit zehn Stationen und Letterbox-Final. Videos, Web-Sequenzen sowie ein Interview verraten einiges über die Bachmuschel, Muschelschutz, Gewässerpflege sowie über das Projekt. Eine projektübergreifende App für Smartphones begleitend zu einem Infotrail ist in Vorbereitung.

Erfolgs- und Bestandskontrolle
Im Landkreis Unterallgäu gibt es mehrere tausend Kilometer potenziell geeignete Fließgewässer, die nach bisher unbekannten Vorkommen der Zielarten untersucht werden. Um dieser personellen und finanziellen Herausforderung zu begegnen, erschien ein Aufruf in den Medien, Vorkommen der Bachmuschel zu melden - mit großer Resonanz. Hilfreich sind auch die ehrenamtlichen Libellenpaten, die Libellen fotografieren und ihre Ergebnisse zur Dokumentation und Bestimmung durch Experten in eine Cloud stellen.
Um die Bestandsentwicklung und den Erfolg der durchgeführten Maßnahmen zu messen, werden regelmäßig Kartierungen der einzelnen Populationen, ihrer Lebensräume sowie der Beeinträchtigungen durchgeführt.

Stakeholder-Netzwerk
Eine wesentliche Stütze des Projektes sind ehrenamtliche Betreuer der Bachmuschel- und Libellengewässer, die vor Ort nach dem Rechten sehen und den Dialog mit Landwirten und anderen Interessierten suchen. Die Betreuer sind über Schulungen und gemeinschaftliche Begehungen der Gewässer eingebettet in ein Netzwerk aus Vertretern der beteiligten Gemeinden, Behörden, Landwirtschaft und Naturschutzverbände. Da sich die Betreuer auch aktiv in Naturschutzorganisationen und Fischereivereinen engagieren, hat sich eine vorbildliche Kooperation mit diesen Verbänden entwickelt.
Um den Dialog mit Landwirten zu pflegen und Konflikte zu entschärfen, wird das Projekt bei den jeweiligen Ortsgruppen des Bayerischen Bauernverbandes vorgestellt.
Neben einem Beitrag zur Bestandserfassung sind unsere Libellenpaten Botschafter für diese Insekten und ihre Lebensräume.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Der Landkreis Unterallgäu zeichnet sich durch eine außerordentliche Dichte an kleinen Fließgewässern aus. Knapp zwei Drittel der Bachmuschelvorkommen Deutschlands liegen in Bayern, innerhalb Bayerns ist Schwaben der Verbreitungsschwerpunkt. Dem Regierungsbezirk kommt somit bei der Erhaltung dieses Ureinwohners eine besondere Verantwortung zu. Im Landkreis Unterallgäu findet man zwei der größten Populationen Bayerns, daneben gibt es zehn kleinere, zum Teil sehr isolierte Restbestände dieser Großmuschel. Außerdem kommen im Unterallgäu mehr als zwei Drittel der 81 Libellen-Arten Deutschlands und der 74 Arten Bayerns vor, unter anderem auch die seltene Helm-Azurjungfer sowie die Vogel-Azurjungfer. Zwei Drittel der heimischen Libellen-Arten sind gefährdet, jede fünfte Art sogar vom Aussterben bedroht.
Ursachen für das Verschwinden der Bachmuschel und vieler Libellenarten sind Veränderungen ihres Lebensraumes z. B. durch Ausbaggern der Gewässer, aber auch durch Erde, Nährstoffe, Spritz- und Düngemittel, die in die Gewässer gelangen, ferner der Klimawandel. Außerdem droht isolierten Populationen auf lange Sicht der Untergang durch Inzucht.
Das Projekt soll nachhaltig und auf Dauer zu einem Bewusstseinswandel führen, in dem die Bedeutung kleiner Ökosysteme für die Biosphäre und die Lebensvoraussetzung des Menschen deutlich wird und durch Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie Konflikte zwischen Gewässerpflege und der Bewirtschaftung von Nutzflächen in den Auenzonen lösen.

Video:
https://youtu.be/hbHC6_DozWM?list=PLYX-pDcfthqrTvGoMgqdz0ftNMp1LU885&t=1042 https://www.youtube.com/watch?v=XnFQ8A2nOmM&t=3s https://www.youtube.com/watch?v=Rbd4WONshEo&t=4s


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Dokumente

Schneider, M. F. (2017) Die Bachmuschel (Unio crassus) - Biologie und Verbreitung im Allgäu und südlichen Regierungsbezirk Schwaben. Naturkundl. Beiträge Allgäu 52: 13-21

Flyer ´Azurjungfer im Unterallgäu´

Projektspiel

Geocache ´Bachmsuchel-Safari´

 

Besuchen Sie uns

Geschäftsstelle Landschaftspflegeverband Unterallgäu e. V.

Fellhornstr. 15 a
87719 Mindelheim

Öffnungszeiten: i. d. R. Mo bis Do, 8 bis 17 Uhr, Fr 8 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung

Herr Dr Michael Schneider

http://azurjungfer.de/, http://www.bachmuschel.de/, http://www.lpv-unterallgaeu.de/

 

Weitere Infos

Dr. Michael Schneider, Jens Franke, Helmut Scharpf, Landschaftspflegeverband Unterallgäu e. V., Bund Naturschutz Bayern e. V.
Mindelheim

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