Weideprojekt Hässeler Weiher

Extensive Multispeziesbeweidung des Naturschutzgebietes "Hässeler Weiher von Neuenhaßlau" und seines Umfeldes zur Gebietspflege und zum Erhalt und zur Steigerung der Artenvielfalt.

Stichworte
Biotopverbessernde Maßnahmen, extensive Beweidung, Förderung der biologischen Vielfalt und Landschaftsqualität, Natur- und Landschaftspflege, natürliche Dynamik

Projektidee und Ziel
Das Naturschutzprojekt „Beweidung des NSG Hässeler Weiher von Neuenhaßlau“ wurde durch die HGON geplant und in Zusammenarbeit mit dem RP Darmstadt umgesetzt. Es soll die große Bedeutung des Gebiets als Rast-, Nahrungs- und Brutbiotop für wasser- und feuchtgebietsgebundene sowie bestandsgefährdete Tierarten oder seltene Pflanzen erhalten und fördern. Gleiches gilt für die Arten der Sandmagerrasen in den Randbereichen der Weidefläche. Dies soll mit Hilfe einer ganzjährigen, extensiven Beweidung erreicht werden.

Das Projekt fördert die gesamte biologische Vielfalt innerhalb des Gebietes und schafft durch die extensive Beweidung und das punktuell unterschiedliche Fraßverhalten der Weidetiere ein Nutzungsmosaik. Hierbei wird der Einfluss der ausgerotteten Pflanzenfresser, wie z.B. Auerochse oder Wisent und die damit verbundenen natürlichen Prozesse, durch eine geringe Besatzdichte in gewisser Weise wieder hergestellt und einer intensivierten Flächennutzung entgegengewirkt. Die dadurch geförderte Strukturvielfalt kommt somit einer Vielzahl von Arten zu Gute, genauso wie das unterschiedliche Nährstoffniveau auf den Weiden zur Vielfalt der Lebensraumtypen positiv beiträgt (Schmid 2003). Arten, die aus ornithologischer Sicht durch das Projekt geschützt und gefördert werden, sind z.B. in Feuchtwiesen u.a. Kiebitz, Bekassine oder Wachtelkönig oder in trockenen Wiesen u.a. Braunkehlchen, Feldlerche oder Neuntöter (Neumann 2011).

Auf extensiv beweideten Flächen gedeihen auch 200 und mehr Pflanzenarten, während im Gegensatz dazu auf modernem Ansaat-Grünland nur etwa zehn verschiedene Gras- und Leguminosenarten vorkommen (Jedicke et al. 2011). Da vor allem Nährstoffeintrag und Trittschäden sowie weitere Folgen einer Überbeweidung bei einer extensiven Beweidung, aufgrund der geringen Besatzdichte, keine bedeutenden Probleme darstellen, eignet sich diese Beweidungsform hervorragend für Naturschutzgebiete (Bunzel-Drüke et al. 2008).

Das Prinzip ist langjährig erprobt und hat sich in einer Vielzahl von Projekten bewährt, in denen sich kleinteilige Mosaike aus unterschiedlichen standortgerechten Biotopen ausgebildet haben (BfN 2006, Bunzel-Drüke et al. 2008). Dies gilt für unterschiedlichste Böden und sowohl auf trockenen Magerrasen, als auch in Feuchtgebieten und allen ihren Übergangsformen. Sowohl die Artenvielfalt als auch die Individuenzahl seltener und bedrohter Arten entwickelte sich sehr positiv, Neophyten wurden hingegen zurückgedrängt.

Status quo ante
Das Naturschutzgebiet „Hässeler Weiher von Neuenhaßlau“ wurde im Jahr 1976 durch die Initiative der HGON als Schutzgebiet eingerichtet und umfasst insgesamt 14 ha (siehe Abb. 2) in der Kinzigaue nahe des Ortsteils Neuenhaßlau der Gemeinde Hasselroth. Das damals aus eher botanischen Gründen ausgewiesene Schutzgebiet ist hauptsächlich durch Großseggenriede geprägt. Das Gebiet beinhaltet jedoch auch Gehölzstrukturen und Feuchtgrünlandanteile sowie kleinere Fragmente dünenartiger Magerstrukturen.

Das dauerhaft anstehende Wasser verschafft vor allem feuchtgebietsbezogenen Arten wie Rohrweihe, Wasserralle oder Laubfrosch einen optimalen Lebensraum. Aber auch Weißstorch und Blaukehlchen sind hier als Brutvogel oder Nahrungsgast zu finden. Auf den nahe gelegenen Äckern war bis vor wenigen Jahren auch eines der letzen Kiebitz-Paare im Landkreis zu finden. Die Gehölzstrukturen bieten seltenen oder bedrohten Arten wie Pirol oder Kuckuck ebenfalls sehr gute Brutbedingungen. Dem Kuckuck werden durch die hier lebenden Rohrsängerarten zusätzlich optimale Wirtsgelege geboten. Auch die dünenartigen Strukturen mit Sandmagerrasenelementen außerhalb des Feuchtgebiets sind seltene und schützenswerte Biotope, die in diesem Gebiet vorkommen.

Weidetiere
Für die ganzjährige Freilandhaltung sind nur sehr robuste Rassen der jeweiligen Arten geeignet, da nur sie auch im Winter im Freien gehalten werden können. Die winterliche Beweidung ist aber besonders wichtig, da nur im Winter von den Tieren auch unattraktivere Nahrung angenommen wird, was dazu führt, dass der gewünschte Gehölzverbiss im Winter am stärksten ist.

Im Weideprojekt Hässeler Weiher werden derzeit Heck-Rinder und Konik-Pferde eingesetzt.

Öffentlichkeitsarbeit
Durch Infotafeln und regelmäßige Führungen wir die Öffentlichkeit über das Projekt informiert. In Zusammenarbeit mit dem benachbarten „Ersten hessischen Jugendwaldheim“ wird ein Informations-Modul angeboten, das von interessierten Gruppen im Rahmen ihres Aufenthaltes dort gebucht werden kann und das eine Exkursion zum Projektgebiet beinhaltet. So werden breite Bevölkerungsschichten und auch Jugendgruppen erreicht und über das Projekt und die in dem Gebiet durch die Weidetiere bewirkten positiven Entwicklungen informiert.

Bezug zur biologischen Vielfalt:

Das Gebiet wies bereits vor der Beweidung eine große Biologische Vielfalt auf. Diese soll noch gesteigert werden, in dem die Weidetiere ein Biotop-Mosaik entstehen lassen, das vielen verschiedenen Tier udn Pflanzenarten eine biologisch Niesche anbietet.


Bild 1
Bild 2

Bild 3
Bild 4

 

Besuchen Sie uns

Hässeler Weiher von Neuenhaßlau

Gartenstr. 37
63517 Rodenbach

Öffnungszeiten: immer

Herr Andreas Höfler

 

Weitere Infos

Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, Arbeitskreis Main-Kinzig
Rodenbach

Aktuelles, Projekte und Termine in unserem Newsletter
*Pflichtfeld